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IWF korrigiert Prognose: Schwächere Konjunktur, höhere Inflation

Weltweit steigen die Preise erneut deutlich. Anders als noch vor drei Monaten prognostiziert der IWF erst für 2023 eine Normalisierung der Inflationsrate und hat derweil die Konjunkturerwartung heruntergeschraubt. Die aktuellen Prognosen sind laut IMF von Unsicherheit geprägt.
IWF korrigiert Prognose: Schwächere Konjunktur, höhere InflationQuelle: AP © Andrew Harnik

In das Jahr 2022 geht die Weltwirtschaft "in einer schwächeren Position als bisher erwartet", warnte der Internationale Währungsfonds (IWF) am Dienstag. Nur noch um 4,4 Prozent soll die globale Wirtschaft in diesem Jahr wachsen und damit 0,5 Prozentpunkte weniger, als noch bei der letzten Prognose im Oktober angenommen. Dies spiegele weitgehend die Abschläge für die beiden größten Volkswirtschaften der Welt wider, wie der IWF am Dienstag mitteilte.

Angesichts des schwächeren erwarteten Wachstums in China und den USA hat der IWF seine Prognosen nach unten korrigiert. Gleichzeitig fällt die Inflationsrate deutlich höher aus, als der IWF im Oktober prognostiziert hatte, was demnach auf die anhaltenden Unterbrechungen der Lieferketten und die hohen Energiepreise zurückzuführen ist.

Für die Industriestaaten rechnet der IWF für dieses Jahr mit einer durchschnittlichen Inflationsrate von 3,9 Prozent, eine Erhöhung um 1,6 Prozentpunkte. In Entwicklungs- und Schwellenländern soll die Teuerungsrate 2022 durchschnittlich 5,9 Prozent beantragen – ein Plus von einem Prozentpunkt.

Der weltweite Aufschwung stehe vor einer Reihe von Herausforderungen, während die Pandemie in ihr drittes Jahr geht, wie Gita Gopinath, Wirtschaftsberaterin und Direktorin der Forschungsabteilung des IWF, gegenüber den Medien erklärte:

"Die Omikron-Variante hat in vielen Ländern zu erneuten Mobilitätseinschränkungen und einem erhöhten Arbeitskräftemangel geführt. Versorgungsunterbrechungen belasten nach wie vor die Wirtschaftstätigkeit und tragen zu einer höheren Inflation bei, die den Druck durch die starke Nachfrage und die gestiegenen Lebensmittel- und Energiepreise noch verstärkt. Darüber hinaus schränken die Rekordverschuldung und die steigende Inflation die Möglichkeiten vieler Länder ein, die erneuten Störungen zu bewältigen."

Eine Normalisierung der Teuerungsrate soll erst 2023 eintreten. Eine höhere Inflation schwächt die Kaufkraft von Verbrauchern, weil sie sich für einen Euro oder Dollar weniger kaufen können als zuvor. Damit verschiebt sich die vom IWF zuletzt für Mitte 2022 prognostizierte Normalisierung. Nun sollen die Preise 2023 dank weniger Problemen mit globalen Lieferketten, stabilisierten Energiepreisen und einer strafferen Geldpolitik langsamer steigen – vorausgesetzt, dass es keine neue Varianten des Coronavirus geben wird, die zu weitreichenden Auflagen führen werden, so der IWF. In den Industriestaaten soll die Inflation dann noch 2,1 Prozent betragen, in den Schwellen- und Entwicklungsländern 4,7 Prozent.

Die Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Deutschland in diesem Jahr senkte der IWF auf 3,8 Prozent, das sind 0,8 Prozentpunkte weniger als noch im Oktober angenommen. Als Grund nannte der IWF vor allem die anhaltenden Unterbrechungen globaler Lieferketten, die die deutsche Wirtschaft besonders treffen. Für die Eurozone senkte der IWF seine Wachstumsprognose für dieses Jahr um 0,4 Prozentpunkte auf 3,9 Prozent.

Der IWF räumte ein, dass die neuen Konjunkturprognosen von hoher Unsicherheit geprägt seien. Mit Blick auf die Coronavirus-Pandemie warnte Chefvolkswirtin Gita Gopinath, die Entwicklung tödlicherer Varianten könnte die Krise verlängern, gab aber mit Blick auf Omikron etwas Entwarnung.

"Die neue Variante ist mit weniger schweren Erkrankungen verbunden als die Delta-Variante, und der Rekordanstieg der Infektionen dürfte relativ schnell zurückgehen. Der jüngste Weltwirtschaftsausblick des IWF geht daher davon aus, dass Omikron die Wirtschaftstätigkeit im ersten Quartal dieses Jahres zwar belasten wird, dieser Effekt aber ab dem zweiten Quartal abklingen wird. Es wird erwartet, dass andere Herausforderungen und politische Weichenstellungen einen größeren Einfluss auf die Aussichten haben werden", erklärte Gopinath am Dienstag auf einer virtuellen Pressekonferenz vor Reportern.

Engpässe in den Lieferketten und schwankende Energiepreise sowie geopolitische Spannungen und soziale Unruhen stellen demnach ebenfalls Risiken für die Aussichten dar. Die Strategie Chinas, strikte örtliche Lockdowns gegen die Ausbreitung der COVID-19-Pandemie einzusetzen, könnte demnach die Probleme globaler Lieferketten verschärfen. Auch der schuldenbasierte Immobiliensektor in China berge Risiken mit möglichen weltweiten Konsequenzen. Falls der finanzielle Druck der Branche auf die Wirtschaft als Ganzes übergreifen sollte, wären "die Folgen weithin spürbar", warnte Gopinath. Für die chinesische Wirtschaft wird in diesem Jahr ein Wachstum von 4,8 Prozent prognostiziert – ein Rückgang gegenüber 8,1 Prozent im vergangenen Jahr und 0,8 Prozentpunkte langsamer als vom IWF im Oktober erwartet. Als Grund nennt der IWF außer den Problemen des hoch verschuldeten Immobiliensektors und den Auswirkungen des Null-Toleranz-Ansatzes gegen Corona die geringere Kauflust der Verbraucher.

Für die USA hat der IWF seine Wachstumsprognose um 1,2 Prozentpunkte auf 4 Prozent gekappt. Als Gründe dafür nennt der IWF vor allem das Scheitern der Verabschiedung des billionenschweren Pakets für Investitionen in Sozialleistungen und den Klimaschutz im US-Kongress, dem Ausgabenplan "Build Back Better" der Biden-Administration, welches die Konjunktur ankurbeln sollte, sowie die Rücknahme der Pandemie-Stimulierungsmaßnahmen durch die Federal Reserve und die anhaltenden Lieferengpässe, die die Inflation anheizen. Der IWF warnte, dass die geänderte Geldpolitik zur Bekämpfung der Inflation, vor allem in den USA, Schwellen- und Entwicklungsländer unter Druck setzen werde, etwa durch höhere Kreditzinsen und sich abschwächende Währungen.

"Eine überraschend hohe Inflation in den Vereinigten Staaten könnte eine aggressive Straffung der Geldpolitik durch die Federal Reserve herbeirufen", sagte Gopinath. Dies würde zu einer deutlichen Verschärfung der Bedingungen an den globalen Finanzmärkten führen.

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat ihre Kehrtwende weg von den Hilfsprogrammen zum Kampf gegen die Corona-Krise hin zu einer strafferen Geldpolitik bereits eingeleitet. Möglicherweise wird der Leitzins schon im März erstmals seit dem Beginn der Pandemie erhöht. Bis Jahresende werden bis zu zwei weitere Zinsschritte erwartet. Der Leitzins liegt noch in der extrem niedrigen Spanne von 0,0 bis 0,25 Prozent. Die Inflationsrate wiederum war im vergangenen Jahr auf 7 Prozent geklettert, dem höchsten Wert seit Jahrzehnten. Eine Erhöhung des Leitzinses würde die Teuerung verlangsamen, aber auch die Konjunktur dämpfen.

Laut Gopinath haben Wissenschaft, Medizin und Politik bereits viel Schlimmes verhindert, doch bleibe noch viel zu tun, um die Verluste einzudämmen und die großen Unterschiede in den Erholungsaussichten zwischen den Ländern zu verringern.

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