Nordamerika

Nach Vorwurf der sexuellen Belästigung: New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo tritt zurück

Der Gouverneur des US-Bundesstaats New York, Andrew Cuomo, hat seinen Rücktritt bekannt gegeben. Zuvor hatten mehrere Frauen Vorwürfe wegen sexueller Belästigung gegen ihn erhoben. Auf Cuomos Rücktritt hatte unter anderem US-Präsident Joe Biden beharrt.

In einer Erklärung am Dienstag sagte der 63-Jährige, er tue dies aus "Liebe" zum Staat und weil die Regierung in einer Zeit, in der es um "Leben und Tod" geht, funktionieren müsse. Cuomo wörtlich:

"Die beste Art und Weise, mit der ich jetzt helfen kann, ist, zur Seite zu treten und die Regierung sich wieder des Regierens annehmen zu lassen." 

Er fügte hinzu:

"Es geht nicht um mich, es geht um uns."

Der Rücktritt wird in zwei Wochen in Kraft treten. Auf seinem Posten wird Cuomo durch die 62-jährige Vizegouverneurin Kathy Hochul abgelöst, eine Demokratin und ehemalige Kongressabgeordnete, hieß es.

Damit zog Cuomo die Konsequenzen aus Vorwürfen, die zuvor mehrere Frauen gegen ihn wegen sexueller Belästigung erhoben hatten. Danach hatten neben den Republikanern auch Politiker seiner eigenen Partei, darunter Präsident Joe Biden, seinen Rücktritt gefordert. Zudem wurde im Repräsentantenhaus von New York ein Amtsenthebungsverfahren auf den Weg gebracht. 

Cuomo war in der vergangenen Woche auch durch eine offizielle Untersuchung von New Yorks Generalstaatsanwältin Letitia James belastet worden. Diese belegte offiziell, dass Cuomo insgesamt elf Frauen, darunter Mitglieder seines Personals und seines Sicherheitsteams, sexuell belästigt haben soll. Unter anderem habe es ungewollte Berührungen, Küsse, Umarmungen und unangebrachte Kommentare gegeben. Außerdem habe Cuomo eine für Frauen "feindliche Arbeitsatmosphäre" und ein "Klima der Angst" geschaffen. Generalstaatsanwältin James sprach von einem "verstörenden Verhaltensmuster" des Gouverneurs. Eine der Klägerinnen reichte letzte Woche die erste Zivilklage gegen den Gouverneur ein.

Die Vorwürfe hatte der US-Demokrat allerdings wiederholt zurückgewiesen und sich lange gegen einen Rücktritt gestemmt. In seiner Erklärung bat Cuomo die betroffenen Frauen aber auch um Entschuldigung. Er sagte:

"Das bedeutet aber nicht, dass es nicht elf Frauen gibt, die ich verletzt habe. Und dafür entschuldige ich mich aus tiefstem Herzen."

Cuomo entschuldigte sich, falls sein Verhalten jemanden beleidigt haben sollte, weigerte sich aber, ein Fehlverhalten zuzugeben. Am Vortag war bereits seine Top-Beraterin Melissa DeRosa mit der Begründung zurückgetreten, die vergangenen zwei Jahre seien "emotional und mental anstrengend" gewesen.

In der COVID-19-Pandemie war Cuomo anfangs zum Hoffnungsträger der Demokratischen Partei geworden. Er inszenierte sich als Gegenentwurf zum damaligen republikanischen Präsidenten Donald Trump. Fast täglich informierte er über die Entwicklung des Infektionsgeschehens in seinem Bundesstaat und die Maßnahmen dagegen. Die Pressekonferenzen wurden von Millionen Menschen live verfolgt – und der Gouverneur dafür schließlich sogar mit einem Emmy ausgezeichnet, dem wichtigsten Fernsehpreis der USA.

Wegen nachträglich stark nach oben korrigierter Zahlen zu Todesfällen in Pflegeheimen in Zusammenhang mit der Pandemie geriet der Gouverneur später jedoch in den Verdacht, das wahre Ausmaß der Krise verschleiert zu haben. Auch soll er Kritiker aus der Politik aggressiv angegangen sein und versucht haben, sie einzuschüchtern.

Der demokratische Politiker war ab 2011 im Amt. Erst vor zwei Jahren wurde er für eine dritte Amtszeit wiedergewählt.

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(rt/dpa)

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