Meinung

Vorne Abstand, hinten kuscheln – Backstage beim Triell von Scholz, Laschet und Baerbock

Die Bilder vom Backstagebereich des als Triell krass fehlbenannten Schnarchwettbewerbs von Laschet, Baerbock und Scholz zeigen mal wieder schön, wie sorglos man leben kann, wenn man zu denen gehört, für die bestimmte Regeln nicht gelten.
Vorne Abstand, hinten kuscheln – Backstage beim Triell von Scholz, Laschet und BaerbockQuelle: RT © RTL

Ein Kommentar von Arthur Buchholz

Vor der Kamera gaben sich alle Kandidaten sehr vorsichtig und umsichtig mit den Abstandsregeln. Man  hatte aus vergangenen Sendungen gelernt. So waren bei Anne Will alle nach dem anständigen distanzierten Sitzen aufgesprungen wie vom Affen gebissen und schüttelten Hände, fassten sich an der Schulter und sprachen vertraulich miteinander. Was für ein Masken-Gate. Die Redaktion entschuldigte sich sichtlich angefasst für den peinlichen Fauxpas.

Und jetzt das schon wieder. Bilder aus dem Backstagebereich des Triells. Gepostet von RTL auf Twitter. Kurze Zeit später war alles weg. Was sehen wir genau?

Wir sehen diverse Großköpfe der Politik einträchtig versammelt auf Sofas und Stühlen. 

Wir sehen eine SPD-Vorsitzende Saskia Esken, die entspannt – immerhin im Einzelsessel – die Debatte verfolgt.

Etwas weiter rechts sehen wir Volker Bouffier, Ministerpräsident von Hessen, der einträchtig neben Dorothee Bär sitzt. Sie, ganz Digitalbeauftragte, fummelt am Handy rum. Auch Ex-Gesundheitsminister und ehemaliger CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe (der mit der Deutschlandfahne) guckt etwas gelangweilt. Wäre er noch im Amt, hätte er sicherlich mehr zu tun. 

Wir zitieren kurz aus den Informationen des Landes Hessen zu pandemiegerechtem Verhalten:

"Aufgabe der Abstands- und Hygienekonzepte ist bei den jeweiligen Angeboten und Veranstaltungen einen Rahmen zu gewährleisten, der den einzelnen Kunden, Besuchern oder Teilnehmern ein pandemiegerechtes Verhalten und damit das Vermeiden von Infektionen ermöglicht.

Hierzu zählt u.a.: …

  • die Ermöglichung der Einhaltung eines Mindestabstandes von 1,5 Metern zwischen Personen verschiedener Haushalte oder das Treffen anderer geeigneter Schutzmaßnahmen; wie beispielsweise Trennvorrichtungen, aufgelockerte Sitzmuster, Lüftungskonzepte, medizinische Masken nach § 2 auch am Sitzplatz oder Zugangsbeschränkungen auf Personen mit Negativnachweis nach § 3, ..."

Ach Herr Minister, das ist doch nun mal wirklich schade. Aber wir gehen mal davon aus, dass die Aufzeichnung in Köln Ossendorf stattgefunden hat, dem Sitz der RTL Studios.

Die 7-Tage-Inzidenz liegt dort bei beachtlichen 226, also höher als der durchschnittliche deutsche Höchstwert im Dezember 2020! Ossendorf ist ein Seuchenpfuhl! Und da trauen sich unsere Politiker todesmutig hin. Respekt!

Was sagt denn die Coronaverordnung des Landes NRW zu diesem Fall?

Die neuen Verordnungen vom 20. August sehen ja vor, dass Geimpften und Genesenen grundsätzlich alle Einrichtungen und Angebote wieder offenstehen. 

"Von den bisherigen Schutzmaßnahmen verbleiben nur noch eine verbindliche Maskenpflicht in bestimmten Innenräumen und an anderen infektionskritischen Orten…"

Gibt es denn nicht Ausnahmen von der Maskenpflicht? Ja, und zwar in Privaträumen bei ausschließlich privaten Zusammentreffen, und bei der Berufsausübung in Innenräumen.

Seien wir mal großzügig und gehen wir davon aus, die Damen und Herren Politiker haben sich zur Berufsausübung eingefunden. Auch dann muss aber der Mindestabstand eingehalten werden. 

Klingt nach garstigem Klein-Klein? Sagen Sie das doch bitte den Betreibern von Gaststätten, die peinlich genau auf die Einhaltung der Vorschriften achten sollen. Oder sagen Sie das den Schülern, die mit Masken und Abstand im Unterricht sitzen dürfen. 

Von der Vorbildfunktion des Politikers will man hier gar nicht erst anfangen. Warum hat RTL das Bild so schnell wieder gelöscht? Lag es am knappen Beinkleid von Dorothee Bär? 

Auch die Schauspielerin Nora Tschirner wurde ganz entspannt unter den Anwesenden gesichtet. Etwas unentspannter reagierte sie noch auf die #allesdichtmachen-Kampagne.

Saskia Esken sah sich schließlich genötigt, stellvertretend für alle Politiker und Medienvertreter auf die Kommentare zu antworten.

Den Kommentaren unter dem Tweet zu urteilen, hat sie die Empörung aber nicht beschwichtigt. 

"Unsere Kinder müssen den ganzen Tag Maske in der Schule tragen trotz Tests und Abstand. Ihre Begründung zeigt mal wieder, dass unsere kinderlose Regierung die Regeln so macht, wie es für sie am vorteilhaftesten ist. Die Kinder und Alten haben halt keine Lobby. Pfui!!"

"Unglaublich, dass sich Spitzenpolitiker mit solchen Aussagen öffentlich hinstellen, ohne sich zu schämen! Kinder sitzen negativ getestet mit Masken im Unterricht! Den ganzen Tag. Dafür tragen Sie die Verantwortung und nebenbei gibt's den Picolo beim Triell, maskenfrei! Unglaublich"

"Warum wird eigentlich so viel diskutiert über das Bild? Masken sind doch völlig selbstverständlich und machen doch nichts aus. So zumindest die Argumentation bei Kindern. Warum werden bei politischen Treffen nicht völlig selbstverständlich Masken getragen?"

"Der Skandal ist eigentlich, dass RTL nach ersten Nachfragen das Bild einfach gelöscht hat. Der Fisch stinkt vom Kopf!"

Behalten wir diese Bilder im Hinterkopf, die nächste Welle kommt bestimmt.

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