Meinung

Für "Hochrisiko-Personen": US-Behörden planen Quarantäne-Internierungslager

Während einige Politiker auf "Impfpässe" drängen und sich Angst vor einer neuen Art medizinischer Apartheid breitmacht, tauchte ein Dokument des US-Epidemieschutzes wieder auf, das Internierungslager für "Hochrisikopersonen" befürwortet – natürlich nur zur Sicherheit.
Für "Hochrisiko-Personen": US-Behörden planen Quarantäne-InternierungslagerQuelle: AP © David Goldman, File

Kommentar von Robert Bridge

Letztes Jahr veröffentlichten die CDC (Centers for Disease Control and Prevention, die US-Behörden für Seuchenkontrolle und -vorbeugung) ein Dokument, in dem die so ganz und gar unschuldige Idee einer Umsiedlung von "Hochrisikopersonen" in "Lager" in sogenannten grünen Zonen (das Konzept trägt zum Beispiel auch in Europa diesen Namen; Anm. d. Red.) geäußert wurde. Obwohl der Vorstoß damals nicht viel Aufmerksamkeit erregt hatte, hat dieses Dokument nun, da in den USA die Anti-COVID-19-Maßnahmen zunehmend drakonisch werden und grundlegende Menschenrechte und Freiheiten angegriffen werden, neue Aufmerksamkeit erlangt. Und das nicht ohne Grund, wie es scheint.

Gleich in der ersten Zeile des Dokuments wird die Umsetzung eines "Konzepts der Abschirmung in einem humanitären Umfeld (...) mit Schwerpunkt auf Lagern, versetzten Bevölkerungsgruppen und Szenarien der Ressourcenknappheit" erörtert. Im Grunde genommen – und das wird später wichtig – ist "humanitäres Umfeld" nichts als eine Umschreibung für "Lager". Viele assoziieren mit dem Begriff "Lager" schnell zum Beispiel die Internierung von Flüchtlingen oder illegalen Einwanderern, die die Grenze durchbrochen haben. Das Wort "Flüchtling" wird in diesem Papier jedoch nur in Bezug auf ein Lager in Kenia erwähnt. Gleichzeitig wird der Begriff "Lager" (in Einzahl und Mehrzahl) etwa 20-mal benutzt.

Eine weitere Unklarheit in diesem Dokument gibt es auch noch. Sie betrifft die Beschreibung von "Hochrisikopersonen" und der "allgemeinen Bevölkerung". Das Papier besagt:

"In den meisten humanitären Einrichtungen [d. h. Lagern] machen ältere Bevölkerungsgruppen nur einen geringen Prozentsatz der Gesamtbevölkerung aus. Aus diesem Grund schlägt der Abschirmungsansatz vor, Hochrisikopersonen physisch von der Allgemeinbevölkerung zu trennen, um bei der Nutzung begrenzter verfügbarer Ressourcen effektiv Prioritäten setzen zu können und die Verhängung langfristiger Eindämmungsmaßnahmen in der Allgemeinbevölkerung zu vermeiden."

Mit anderen Worten: Die CDC erklären, dass ältere Menschen, die in Lagern (humanitären Einrichtungen) untergebracht werden, von der "allgemeinen Bevölkerung" in diesen Einrichtungen getrennt werden sollten, um die "Eindämmungsmaßnahmen" zu reduzieren – weil sie in die "Hochrisikokategorie" fallen. Gut und schön. Doch in diesem Dokument wird nie erklärt, wer dann die allgemeine Bevölkerung in den Lagern ausmacht – und vor allem nicht, warum diese "risikoarmen" Personen überhaupt in diesen humanitären "grünen Zonen" festgehalten werden sollen. Die prominente US-amerikanische rechtskonservative Aktivistin und politische Kommentatorin Candace Owens zieht alarmiert Parallelen zum Dritten Reich:

"Heilige Scheiße. Da haben die CDC tatsächlich ein Dokument zusammengestellt, in dem erörtert wird, dass Hochrisikopersonen in Lagern untergebracht werden, um Menschen mit geringem Risiko vor ihnen zu 'schützen'. Nein – das ist kein Scherz. Und ja – jeder Einzelne, der hier einen Bezug zum Deutschland der 1930er-Jahre hergestellt hat, hat Recht damit."

Ob hier nun durch sträflichen Schlendrian eine Unklarheit entstanden ist oder eine absichtliche Täuschung seitens der CDC vorliegt: Es ist nicht schwer zu verstehen, wieso einige die Einschließung (im buchstäblichen Sinne – Anm. d. Red.) von Hochrisikogruppen in diesen "humanitären Einrichtungen" als auf ungeimpfte Menschen gemünzt interpretieren könnten. Aber selbst dann, wenn hier nicht die böse Absicht vorliegt, die Impfgegner-Gemeinde in Lagern zu internieren: Die Bedingungen, die für diese "humanitären Einrichtungen" festgelegt wurden, lassen viel zu wünschen übrig. Ja – in der Tat sollte es unter allen Umständen vermieden werden, dass sich solche Bedingungen einstellen können. So heißt es an einer Stelle:

"Die Überwachung umfasst sowohl die Einhaltung von Protokollen als auch potenzielle negative Auswirkungen oder Ausgänge, die sich aufgrund von Isolation und Stigmatisierung ergeben können. Es kann notwendig sein, nach Möglichkeit jemanden innerhalb der grünen Zone damit zu beauftragen, den Verkehr in/aus den grünen Zonen zu minimieren."

Handelt es sich bei diesem "Jemand" zufällig um die örtliche Polizei? Oder geht es dabei gar um das US-Militär? Das Dokument bietet hierzu keine Anhaltspunkte. Einige Zeilen später sehen die CDC jedoch Folgendes vor:

"Die Isolation/Trennung von Familienmitgliedern, der Verlust von Freiheit und persönlichen Kontakten können zusätzliche Strukturen/Systeme zur psychosozialen Unterstützung erforderlich machen."

Das Eingeständnis, dass die Unterbringung in diesen Einrichtungen "den Verlust von Freiheit und persönlichen Kontakten" mit sich bringt, deutet stark darauf hin, dass diese Personen in diesen Einrichtungen gegen ihren Willen festgehalten werden sollen. Tatsächlich könnte man beim Lesen des Dokuments den Eindruck gewinnen, die CDC sprächen von einem Hochsicherheitsgefängnis für kriminelle Geisteskranke.

Wer nun glaubt, es sei ein Zuckerschlecken, in einer dieser Einrichtungen für Mitglieder der "Hochrisikogruppe" interniert zu sein, dem sei die folgende Zeile wärmstens empfohlen – die da warnt:

"Dieser Ansatz zur Abschirmung kann erhebliche psychologische Auswirkungen haben und zu bedeutendem emotionalem Leid führen, bestehende psychische Erkrankungen verschlimmern oder zu Angst, Depression, Hilflosigkeit, Trauer, Drogenmissbrauch oder Selbstmordgedanken bei denjenigen beitragen, die getrennt werden oder zurückgelassen wurden."

Zurückgelassen? Zurückgelassen – ja, wobei überhaupt? Bei der Entrückung?

Und schließlich ist festzuhalten: Die Verfasser dieses Dokuments scheinen sich voll und ganz bewusst zu sein, dass ihre Vision eines warmen und kuscheligen "humanitären Umfelds", das weniger einem Kurort als eher einem Standort unter GULag-Bedingungen ähnelt, nicht von allen Mitgliedern der "allgemeinen Bevölkerung" begrüßt werden wird. Huch, wie kommt das wohl? Jedenfalls sehen die CDC, über die öffentliche Resonanz auf das Dokument anscheinend hochgradig besorgt, ferner voraus:

"Auch wenn der Abschirmungsansatz nicht als Zwangsmaßnahme gedacht ist, kann er in humanitären Umgebungen erzwungen wirken oder missverstanden werden. […] Wie bei vielen Maßnahmen auf kommunaler Ebene zur Senkung der COVID-19-Morbidität und -Sterblichkeit sind die Einhaltung der Vorschriften und die Änderung des Verhaltens [...] [bereits] in entwickelten, stabilen Umgebungen schwierig; daher können sie in humanitären Umgebungen besonders herausfordernd sein, die da ihre eigenen, vielschichtigen Herausforderungen mit sich bringen, die [ebenfalls] berücksichtigt werden müssen."

Manchen Social-Media-Nutzern fehlen schlicht die Worte:

"WOW: 'Eine ausgewiesene Unterkunft/Gruppe von Unterkünften (max. 5-10 Haushalte) innerhalb eines kleinen Lagers oder Gebiets, wo Hochrisikomitglieder zusammen untergebracht werden. Nachbarn 'tauschen' Haushalte aus, um Hochrisikopersonen unterzubringen.'"

Das CDC-Papier nimmt stark Bezug auf eine Studie vom März 2020, die von einer gewissen Caroline Favas verfasst wurde und den Titel "Richtlinien zur Vorbeugung von COVID-19-Infektionen bei Individuen der Hochrisiko-Gruppe in Lagern und lager-ähnlichen Szenarien" trägt. Auch in diesem Fall wird jede Hoffnung auf Klarheit enttäuscht, denn dieses Papier, in dem das Wort "Lager" in Ein- und Mehrzahl 73-mal vorkommt, richte sich zwar "an die versetzten Kommunen selbst, an humanitär[ hilfstätig]e Akteure und an die für die Koordinierung und Verwaltung von Lagern zuständigen Behörden" – doch es werden nur wenige Details dazu geliefert, wer von den "versetzten Kommunen" gemeint sein könnte.

Anmerkung: Die Favas-Studie gibt eine weit gefasste Definition von "Lager-" oder "lagerähnlichen Szenarien". In diesen

"lebt erzwungenermaßen versetzte Bevölkerung, einschließlich Flüchtlingen und Binnenvertriebenen, […] in formellen oder nicht formellen Siedlungen mit hoher [Siedlungs]dichte in kollektiven oder individuellen Unterkünften".

Was in der von der London School of Hygiene & Tropical Medicine veröffentlichten Favas-Studie folgt, wirkt gelegentlich wie eines dieser mit Fachjargon überladenen medizinischen Traktate – fast genauso schmerzhaft zu lesen wie die sprichwörtliche handschriftlich verfasste Verschreibung eines stereotypischen Arztes. Doch genau wie die CDC-Studie wird auch die Favas-Studie an den Stellen glasklar, an denen einräumt wird, dass diese Lager von vielen in der Bevölkerung negativ gesehen werden:

"Hingegen ist es wahrscheinlich, dass der Ansatz nicht erfolgreich sein wird, wenn er als Zwang empfunden, missverstanden oder von den Behörden als Vorwand für Unterdrückung in irgendeiner Form benutzt wird."

Wer wird also bestimmen, wer einem hohen Risiko für eine COVID-19-Infektion ausgesetzt ist und wer nicht? In diesem heiklen Punkt waschen sowohl Favas als auch die CDC ihre Hände in Unschuld – und überlassen es den "Gemeindemitgliedern" zu entscheiden, wer in diesen "humanitären Einrichtungen" interniert werden soll:

"Die Identifizierung gefährdeter Gemeindemitglieder sollte ein von der Kommune geführter Prozess sein, der die Eigenverantwortung der Kommune für die [Umsetzung] des Ansatzes unterstützt und fördert", erklärt Favas. "Der Zweck des Abschirmungskonzepts ebenso wie die Aufnahmekriterien sollten der Gemeinschaft klar mitgeteilt und erläutert werden, sodass in jedem Haushalt auf freiwilliger Basis festgestellt werden kann, wer [von seinen Mitgliedern] gefährdet ist und abgeschirmt werden sollte."

Favas zeigt einige Möglichkeiten auf, wie dieser Teil der Internierten von ihren Familien und Gemeinschaften isoliert werden könnte – und davon ist keine besonders tröstlich. Die erste besteht darin, eine grüne Zone gleich auf der Ebene der Haushalte selbst einzurichten. Es scheint zwar nicht so schlimm, die Oma in einem Hinterzimmer einzusperren – doch die Autorin beschreibt die "Haushaltsunterkunft" entweder als "Einzelunterkunft" oder als einen "Komplex mit mehreren Unterkünften".

Die nächste Art von Einrichtung ist eine Gruppe von Unterkünften (mit maximal fünf bis zehn Haushalten) in einem kleinen Lagerbereich.

Und schließlich sind da noch die "Sektoren"-Lager, die 15.000 oder noch mehr Menschen beherbergen. Es ist schwer vorstellbar, dass ein Lager dieser Größenordnung keine hohe Polizeipräsenz erfordern würde – nebst praktisch allen Regeln und Vorschriften eines Gefängnisses.

Viele würden wohl über die Vorstellung von einem COVID-19-Lager spotten und sie als Fiebertraum eines "Verschwörungstheoretikers" abtun. Und vielleicht hätten sie auch Recht. Erst im letzten Monat "entlarvte" die Associated Press die in einer zumal bekanntermaßen satirischen Publikation aufgestellte Behauptung, Joe Biden plane, Ungeimpfte in Quarantänelager zu stecken, bis sie ihrer Impfung zustimmen.

Dennoch stellte das zunehmend verwirrte US-Staatsoberhaupt auch in der Vergangenheit bereits falsche Behauptungen auf – wie etwa das Versprechen, dass die US-Amerikaner von ihrer Maskenpflicht befreit würden, sobald sie sich impfen ließen. Dieses Versprechen löste sich nämlich im letzten Monat in Luft auf, als die CDC zurückruderten und das Tragen von Masken in Gebieten vorschrieben, in denen die COVID-19-Werte in die Höhe schossen – selbst für Geimpfte.

Wohl mögen manche es für irrelevant halten, ein von den CDC schon im vergangenen Jahr veröffentlichtes Dokument zu diskutieren. Doch sie sollten sich fragen, warum die CDC und Favas bereits Anfang 2020, als sich der Ausbruch der Epidemie noch im Anfangsstadium befand, die Möglichkeit von "humanitären Szenarien", sprich von Lagern für Hochrisikopersonen, diskutierten. Manche anderen hielten dies nämlich für leicht voreilig.

Auf jeden Fall wäre jetzt, wo das CDC-Dokument ein Jahr nach seiner Veröffentlichung für Aufsehen gesorgt hat, ein guter Zeitpunkt für eine Erklärung zu einigen der darin geäußerten uneindeutigen und sogar unverschämten Vorschläge. In einer Zeit, in der ein Gefühl des allgemeinen Misstrauens und sogar der Paranoia gegenüber COVID-19-Maßnahmen die Welt überschwemmt, brauchen die Menschen die Gewissheit, dass ausgerechnet die Leute, die sie zu ihrem Schutz gewählt haben, nicht ihre schlimmsten Feinde sind.

Übersetzt aus dem Englischen 

Robert Bridge ist ein US-amerikanischer Schriftsteller und Journalist. Er ist Autor von "Midnight in the American Empire. Wie Konzerne und ihre politischen Diener den amerikanischen Traum zerstören". Er twittert unter @Robert_Bridge

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