Meinung

Gemütlich im Staatsdienst: Das Versagen von akademischen "Eliten" in der Corona-Krise

Gingen Akademiker der 1968er gegen autoritäre Missstände vor, so zeigt sich ein Jahr nach der WHO-Verkündung einer Corona-Pandemie: Heute stehen Professoren samt Studenten oft voll hinter Einschränkungen oder fordern gar härtere Maßnahmen, Diskurse um Freiheitsrechte sind dagegen obsolet.
Gemütlich im Staatsdienst: Das Versagen von akademischen "Eliten" in der Corona-KriseQuelle: www.globallookpress.com © Revierfoto via www.imago-images.

von Kaspar Sachse

Ob Veranstaltungen via Zoom, möglicher Zugang zu Gebäuden nur mit App oder Maskenpflicht in allen Räumen – (nicht erst) seit Beginn der "Corona-Krise" stehen die Universitäten fest an der Seite der Regierung und preschen im "Maßnahmenkatalog" vor, wo es nur geht. Dabei spielen Personal und Studenten auch ideologisch von Anbeginn begeistert mit. 

Homeoffice in der schicken Altbauwohnung oder dem Häuschen am Stadtrand spart den Anfahrtsweg, nervige Diskussionen mit Kollegen fallen weg und endlich kommt man mal zum Lesen, hieß es vielerorts beim ersten Lockdown. Stets modernste IT und schnelles Internet zuhause machen das Homeschooling für die Kids, falls es überhaupt solche gibt, vergleichsweise einfach möglich. Doch das Wichtigste: Im Gegensatz zu vielen anderen Branchen werden aus der Staatskasse auch weiterhin pünktlich die Gehälter überwiesen.

Galten Universitäten besonders seit den späten 1960er Jahren als kritische Orte, an denen die Regierungen und Herrschaftsformen in Diskursen hinterfragt, ja sogar angegriffen wurden, ist davon mittlerweile kaum noch etwas zu spüren. Ein vermeintlich "links-liberaler" Diskurs dominiert besonders in den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften. Ganz dem Zeitgeist entsprechend, beschäftigt sich die Forschung mit aktuellem oder historischem Antisemitismus, mit dem universalistischen "Kampf gegen rechts", dem Klimawandel, Migrationsfragen oder den Gender-Studies und befeuert mediale und politische Auseinandersetzungen nach Kräften. In Bezug auf COVID-19 lässt sich dieser selektive Trend sogar verstärkt selbst in den Naturwissenschaften beobachten.

Unterstützt werden zahlreiche Uni-Projekte großzügig von neoliberalen und/oder transatlantischen Thinktanks und Stiftungen, die tendenziell wenig Interesse an anderen Themen haben, wie etwa an der sozialen Frage, dem Datenschutz im Zeitalter von "Big Tech" oder an einem friedlichen Umgang mit Russland. Dabei ist – wie in vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen – von vornherein klar: Derjenige, der die meisten Kontakte, die "relevantesten" Themen oder sowieso schon die meisten Drittmittel "eingeworben" hat, der setzt sich im Haifischbecken "Universität" zumeist am leichtesten durch – exzellente akademische Leistungen, gute Lehre und erst recht kontroverse, neue Themen und Ideen spielen eher eine nebensächliche, eine untergeordnete Rolle. Die Verteilung der Pfründe an Universitäten erinnert eher an eine Spielart von Neofeudalismus. Dazu passt auch, dass die "unteren" Klassen – die studentischen Hilfskräfte und die Beschäftigten im akademischen Mittelbau – sich oft jahrelang von einem (Halb-)Jahresvertrag zum nächsten hangeln müssen, mal aus diesen Projekt und mal aus jenem Fördertopf finanziert werden könnten. Aber wer bleiben oder gar aufsteigen will, muss sich an die Regeln halten.

Viele dieser Entwicklungen haben sich durch die "Corona-Krise" wie unter einem Brennglas aufgeheizt. Nach dem Motto: Sage mir, wie Du zum Lockdown stehst, und ich sage Dir, wie politisch integer und "wissenschaftlich" Du bist! Denn die Wissenschaft sollte ja generell einen hohen Stellenwert an Universitäten einnehmen, oder? Dass es die Wissenschaft so nicht gibt, sollte allerdings jedem Studenten spätestens ab dem zweiten Semester klar geworden sein. Dennoch finden sich die größten Fans von Christian Drosten, Karl Lauterbach und den "Initiativen" wie "ZeroCovid" oder "NoCovid" in dieser ach so "woken" Akademikerblase.

Renommierte Wissenschaftler mit explizit anderen Meinungen zu COVID-19 und den "Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie" – wie etwa Sucharit Bhakdi oder Wolfgang Wodarg – gelten seit Beginn der Pandemie prompt als "Verschwörungstheoretiker". Andere weltweit profilierte Experten oder Akteure – wie John Ioannidis, Sunetra Gupta oder jüngst Geert Vanden Bossche – werden schlichtweg nicht wahrgenommen oder einfach ignoriert.

Denn klar ist auch: Wer seine täglichen Informationen ausschließlich aus der FAZ, der Zeit, der Süddeutschen Zeitung, dem Deutschlandfunk und der Tageschau entnimmt, hat eine wunschgemäß eindeutige Sicht auf die Dinge. Dabei fällt oft auf, dass die Quellen der "Information" gar nicht mehr entscheidend sind, sondern das Framing. Wer oder was von den genannten Medien als "rechts(offen)" oder seit neuestem "verschwörungsmystisch" deklariert wird, der findet keine Beachtung, wird bestenfalls müde belächelt, oft aber auch lieber gleich vehement bekämpft. Der dahinter stehende Herrschaftsdiskurs spielt keine Rolle, wird verdrängt. Und es fehlt schlichtweg das Bewusstsein, dass diese Medien auch gewissen Interessen folgen (könnten oder müssen).

An den Universitäten auch hierzulande lässt sich spätestens seit 2014/15 noch deutlich drastischer als im  Rest der Gesellschaft beobachten, wie der Rahmen des Sagbaren immer kleiner geworden ist, gemacht wurde. Eher konservative Wissenschaftler wie der Historiker Jörg Baberowski oder der ehemalige AfD-Vorsitzende und neoliberale Wirtschaftswissenschaftler Bernd Lucke können ein Lied davon singen. Man muss diese Leute nicht mögen, ihre Meinungen auch nicht teilen. Aber kann, darf, muss man sie niederschreien und ihre Veranstaltungen boykottieren, anstatt sich wissenschaftlich mit Ihnen auseinanderzusetzen?

Ganz ähnlich ist es auch beim Thema "Corona". So mancher Professor sieht es hinter vorgehaltener Hand doch mit Gruseln, wie sich der autoritäre Maßnahmenstaat immer stärker etabliert. Aber die eigene Karriere gefährden, indem man den Mund aufmacht, die offene Debatte mit Kollegen suchen? Lieber nicht.

Bleibt also auch weiterhin nur, Homeoffice durchzuführen, Maske zu tragen und Zoom-Konferenzen zu veranstalten. Aber kommt dabei bitte nicht auf die Idee, nach möglichen Gewinnern und etwa den Verlierern der Krise zu fragen, liebe "Akademiker*Innen"!

Oder etwa, warum man gleich ein ganzes Land mit nur als Notfallzulassung erhältlichen Impfstoffen und mittlerweile zahlreichen bekannt gewordenen Nebenwirkungen "durchimpfen" muss, anstatt nur die gefährdeten Gruppen. Warum Ärzte keine Diagnosen mehr stellen, sondern massenhaft wenig verlässliche PCR-Tests das übernehmen. Wie ist eigentlich das "Durchregieren" der Bund-Länder-Konferenz mit dem Grundgesetz kompatibel? Oder wie wirken sich die ganzen "Alltags"- und FFP2-Masken, die jeden Tag verwendet werden, auf die Verschmutzung der Weltmeere aus? All diese Fragen spielen im regierungsnahen Diskurs keine Rolle, denn es geht ausschließlich um die Virusbekämpfung. Und wie sagte die Bundeskanzlerin diesbezüglich gleich zu Beginn der Pandemie: "Trauen Sie nur den offiziellen Stellen!"

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