Gesellschaft

Massenimpfungen gegen COVID-19: Belgischer Impfexperte warnt vor "katastrophalen Auswirkungen"

Hunderte Millionen Dosen der Corona-Vakzine warten noch auf ihre weltweite Verimpfung. Nur die flächendeckende Impfung ermögliche demzufolge eine mutmaßliche Rückkehr zur Normalität. Der Experte Geert Vanden Bossche warnt dagegen vor deren massenhaftem Einsatz. Seine Thesen sind keineswegs unumstritten.
Massenimpfungen gegen COVID-19: Belgischer Impfexperte warnt vor "katastrophalen Auswirkungen"Quelle: www.globallookpress.com © stefan zeitz/www.imago-images.de

Geert Vanden Bossche ist in der Branche alles andere als ein unbeschriebenes Blatt. Seine Karrierestationen lesen sich wie das Who's who der Pharmaindustrie, Vakzinologie und Virologie. Darunter finden sich illustre Namen wie die Impfallianz Gavi (früher: Global Alliance for Vaccines and Immunisation), GlaxoSmithKline Biologicals, die Stiftung vom Software-Mogul Bill Gates oder auch das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung.

Nun meldete sich der Experte in der Debatte um die weltweit hundertmillionenfach zirkulierenden sogenannten "Corona-Impfstoffe" zu Wort. Dies jedoch nicht als Lobbyist für die nun allerorten propagierten COVID-19-Massenimpfungen, sondern als scharfer Kritiker der entsprechenden Vorgehensweise.

Auf einer Fachtagung in der US-Stadt Ohio wandte sich der Doktor der Veterinärmedizin unter dem Titel "Warum sollten die aktuellen COVID-19-Impfstoffe nicht während einer Pandemie verwendet werden", an die Zuhörer.

Die Quintessenz seiner Ausführungen lautet, dass es ihm nicht möglich sei, sich ein Szenario vorzustellen, in der entsprechende Massenimpfungen nicht zu einer "katastrophalen Verschlimmerung der COVID-19-Pandemie führen würden".

Genauso schwer fällt es dem Belgier augenscheinlich nachzuvollziehen, warum das für ihn Offensichtliche nicht thematisiert wird. Stattdessen konzentrierten sich Vakzinologen, Mediziner und Wissenschaftler lediglich auf die (positiven) kurzfristigen Ergebnisse und Auswirkungen auf individueller Ebene.

"Niemand scheint sich mit den Folgen und Risiken auf der Ebene der menschlichen Bevölkerung zu befassen (die sich nach meinem Verständnis recht bald manifestieren werden)."

Dabei scheine es mittlerweile unbestritten zu sein, dass – je öfter SARS-CoV-2 auf ein menschliches Immunsystem trifft, welches bereits mit dem Virus in Kontakt war – "desto wahrscheinlicher … neue Varianten alte verdrängen".

Er stelle sich die Frage, so der Impfstoffexperte, warum sich niemand mit diesem alles andere als völlig "unbekannten Phänomen" einer sogenannten "Immunflucht" (immune escape) befasse. Besonders irritierend sei dies aufgrund der Tatsache, dass COVID-19 bereits die angeborenen Immunreaktionen der Menschen überwunden habe, was sich gerade "(…) in mehreren neu auftretenden, viel infektiöseren Virusvarianten widerspiegelt (höchstwahrscheinlich aufgrund der weltweiten Umsetzung von Maßnahmen zur Infektionsprävention)".

Tatsächlich wurde bereits über dieses Phänomen einer "Immunflucht" aufgrund der neu aufgetretenen Varianten und auch aufgrund einer mit der Mutation der Spike-Proteine einhergehenden Immunflucht diskutiert. Was bedeutet: Menschen, die bereits eine sogenannte Corona-Infektion durchlaufen haben, würden dadurch mutmaßlich anfälliger für eine erneute Infektion. In der Folge müssten deshalb die Corona-Vakzine aktualisiert werden. So verwies etwa der MDR auf eine Studie eines internationalen Forschungskollegs unter Federführung der University of Oxford und der Universität São Paulo: 

"Das kürzliche Auftreten von Varianten mit mehreren gemeinsamen Mutationen in Spike gibt Anlass zur Besorgnis über eine Evolution zu einem neuen Phänotyp, der möglicherweise mit einer erhöhten Übertragbarkeit oder Neigung zur Neuinfektion von Individuen einhergeht."

Es sei jedoch bislang nicht belegt, heißt es in dem Artikel vom 19. Januar weiter, "ob es diese Immunflucht wirklich gibt". Ursächlich dafür könne ebenso auch eine "nachlassende Immunität der Menschen" sein, so etwa in Manaus, der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Amazonas:

"Der Anstieg in Manaus beispielsweise könnte auch einfach in einer nachlassenden Immunität der Menschen begründet sein, erklärt der Oxford-Epidemiologe Oliver Pybus."

Der Münchner Infektiologe Christoph Spinner dagegen hält Flucht-Mutationen in diesem Zusammenhang für sehr unwahrscheinlich. Er verweist dabei auf andere Erkrankungen wie Masern oder Hepatitis B. Bei denen habe sich herausgestellt, "dass Flucht-Mutationen nach Impfungen zwar möglich, aber sehr selten sind und sich in der Regel auch sehr viel schlechter durchsetzen können".

Vanden Bossche geht dennoch davon aus, dass die allerorten anvisierten oder bereits erfolgten Massenimpfungen die (adaptive) Immunflucht weiter verstärken werden. Keines der aktuell eingesetzten SARS-CoV-2-Vakzine sei in der Lage, eine Übertragung der viralen Varianten zu verhindern.

"Je mehr wir diese Impfstoffe zur Immunisierung von Menschen inmitten einer Pandemie einsetzen, desto infektiöser wird das Virus werden."

Demzufolge ein Teufelskreis, denn mit der möglicherweise zunehmenden Infektiosität steige laut dem Experten für die Erforschung und Entwicklung von Impfstoffen auch die "Wahrscheinlichkeit, dass das Virus gegen die Impfstoffe resistent wird". Und bei dieser Feststellung handele es sich keinesfalls um "Raketenwissenschaft", sondern um Basiswissen für Erstsemester der Vakzinologie.

Um durch Flucht-Mutationen dem selektiven Immundruck durch die erwähnten Impfstoff-Antikörper vollständig zu entgehen, müsse das hochgradig mutationsfähige SARS-CoV-2-Virus seiner rezeptorbindenden Domäne lediglich einige weitere Mutationen hinzufügen.

"Ich bin mehr als besorgt über die katastrophalen Auswirkungen, die dies auf unsere menschliche 'Rasse' haben würde."

Diese Sorge begründet Vanden Bossche mit der Befürchtung, dass die zu Abermillionen verabreichten Impfstoffe nicht nur ihre Wirkung verlieren, sondern dass die Menschen damit einhergehend auch ihre "variantenunspezifische (!)" und angeborene Immunantwort verlieren würden. Dies – so der Impf-Experte – liege darin begründet, dass die nach einer Impfung im Körper befindlichen Impfantikörper die natürlichen Antikörper bei der Bindung an COVID-19 verdrängten (outcompete) – und das selbst dann, wenn deren Affinität für die Virusvariante relativ gering sei.

Laut dem Wissenschaftsautor Edward Nirenberg sei die Argumentation von Vanden Bossche jedoch "absoluter, ungeschminkter Blödsinn." In einer ausführlichen Kritik widmet er sich den Thesen des Belgiers. Vanden Bossches Aussagen beruhten im Kern auf der Annahme, "dass COVID-19-Impfstoffe keinen signifikanten Einfluss auf die Übertragung haben". Dies habe sich jedoch in mehreren Studien wiederholt als falsch erwiesen.

Alarmiert, so Vanden Bossche, habe er sich an "an alle zuständigen Gesundheits- und Aufsichtsbehörden" gewandt, darunter an die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Centers for Disease Control and Prevention (CDC), die U.S. Food and Drug Administration (FDA) und andere. Er habe darum gebeten, seine "Besorgnis zu berücksichtigen und sofort die Diskussion über die katastrophalen Folgen zu eröffnen, die jede weitere Immunflucht von COVID-19 haben würde".

Mit einem offenen Brief entsprechenden Inhalts wandte sich der Insider Vanden Bossche am 6. März auf dem Mikroblogging-Dienst Twitter an die WHO:

"In diesem beklemmenden Brief setzte ich meinen gesamten Ruf und meine Glaubwürdigkeit aufs Spiel."

Nach eigener Aussage habe er jedoch von keiner relevanten Stelle eine Rückmeldung erhalten. Wie auch etliche Reaktionen auf Twitter zeigen, sind die Ausführungen des Experten keineswegs unumstritten.

Nachdem Vanden Bossche seine Theorien veröffentlichte, meldeten sich umgehend auch kritische Stimmen zu Wort – etwa zur möglichen Motivation des Impfexperten für seinen dramatischen Appell. So widmete Vanden Bossche die letzten zehn Jahre der Erforschung eines grundsätzlich neuen Impfansatzes mittels sogenannter natürlicher Killerzellen (NK). Dabei handelt es sich um Impfstoffe auf Basis von Zellen, die das angeborene Immunsystem "trainieren" sollen, polyspezifisch zu reagieren (z. B. auf verschiedene Varianten oder Epitope unterschiedlicher Viren).

Dieses auch von Vanden Bossche propagierte Impfstoffverfahren steht dabei im Gegensatz zu den nun eingesetzten Antigen-basierten Impfstoffen. So argumentiert Vanden Bossche etwa:

"Im Gegensatz zum infektiösen zirkulierenden Virus enthalten aktuelle Impfstoffe entweder kein kritisches Killerzellmotiv oder aktivieren keine dedizierten Killerzellen."

Auf dieser Basis verstehe sich daher von selbst – so ist sich Vanden Bossche sicher –, dass impfstoffinduzierte Immunantworten unweigerlich zu einer dramatischen Erhöhung der Morbiditäts- und Mortalitätsraten in der gesamten menschlichen Bevölkerung führen würden.

Auch wenn Dr. Vanden Bossche von sich weist, eine eigene Agenda zu betreiben, so steht nach Ansichten von teils ebenfalls nicht unumstrittenen Kritikern sein Wirken dennoch im Widerspruch zu der "Tatsache, dass unsere hochentwickelten und hocheffektiven Immunsysteme gut funktionieren und keine Unterstützung durch die biomedizinische/pharmazeutische Industrie benötigen".

Vanden Bossche sieht sich daher nicht zuletzt mit dem Vorwurf konfrontiert, er bediene "Anti-Impf-Stimmungen mit Argumenten für das Impfen". Laut einigen Kritikern des Pharmaexperten habe Vanden Bossche für diejenigen, die nach wissenschaftlichen Argumenten suchten, um ihr Misstrauen gegenüber den Massenimpfungen zu untermauern, "vielleicht eine unvollkommene, aber dennoch nützliche Artikulation des Problems geliefert". Dazu meint etwa Dr. Robert Verkerk, dem Gründer der britischen Alliance for Natural Health:

"Für mich sind seine Behauptungen angesichts der Ungewissheit und Komplexität der involvierten Wissenschaft übermäßig nachdrücklich und unzureichend evidenzbasiert."

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