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US-Vizepräsidentin Harris: Vietnam soll Druck auf Peking erhöhen – und bekommt dafür einen Kutter

Die US-Vizepräsidentin Kamala Harris hat während ihrer Südostasienreise Vietnam aufgefordert, vermehrt Druck auf China auszuüben. Chinesische Staatsmedien kontern, dass Versuche der USA, die Länder der Region gegen Peking aufzubringen, zum Scheitern verurteilt seien.
US-Vizepräsidentin Harris: Vietnam soll Druck auf Peking erhöhen – und bekommt dafür einen KutterQuelle: AP © Manan Vatsyayana

Die propagandistische Schlacht zwischen den USA und China in und um Südostasien geht in eine neue Runde. Die US-Vizepräsidentin Kamala Harris gab am Mittwoch bei einem Treffen mit dem vietnamesischen Präsidenten Nguyễn Xuân Phúc in Hanoi zum Besten:

"Wir müssen Mittel und Wege finden, um Druck auf Peking auszuüben – und zu erhöhen –, damit es sich an das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen hält und um seinen schikanösen und überzogenen maritimen Ansprüchen die Stirn zu bieten."

Zu diesem Zwecke sprach sich die US-Vizepräsidentin dafür aus, die Beziehungen zwischen den USA und Vietnam zu einer strategischen Partnerschaft auszubauen und Hanoi einen dritten ehemaligen Kutter der US-Küstenwache zur Verfügung zu stellen, damit dieses seine Interessen im Südchinesischen Meer besser verteidigen könne.

China und Vietnam gehören zu den Staaten, die Ansprüche auf umstrittene Gebiete in der Meeresregion von Südostasien erheben. Darin sehen viele den Grund etwa dafür, dass Peking Militärstützpunkte auf künstlichen Inseln im Südchinesischen Meer errichtete.

Die USA ihrerseits führen regelmäßig sogenannte "Freedom-of-Navigation"-Missionen durch. Bei diesen Einsätzen, die angeblich im Zeichen der "freien Schifffahrt" stehen sollen, lassen sie Kriegsschiffe in die Nähe von Chinas Gewässern fahren – dies betrachtet das offizielle Peking als militärische Provokationen. Ferner wirft das offizielle Washington China vor, dass es seine Nachbarn einschüchtere, wenn es seinerseits Militärschiffe und Kampfflugzeuge in die Gebiete nahe Taiwan schickt.

Die Äußerungen von Harris in Hanoi folgten auf eine Rede, die sie bereits am Dienstag in Singapur gehalten hatte. Sie warf darin China vor, "unrechtmäßige" Gebietsansprüche zu erheben – und überhaupt "die auf Regeln basierende Ordnung" zu untergraben.

Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums Wang Wenbin kritisierte daraufhin die USA für ihren chaotischen Rückzug aus Afghanistan, das bekanntlich Anfang des Monats schnell von den Taliban überrannt wurde. Washington nehme es sich einfach heraus, "willkürlich" in ein anderes Land einzumarschieren und dann wieder abzuziehen, ohne die internationale Gemeinschaft zu konsultieren – da es andere Länder weiterhin "ungezügelt verleumdet, unterdrückt, nötigt und schikaniert", empörte sich Wang: "Diese Art von Ordnung wollen die USA."

Nach Ansichten, die in staatlichen Medien Chinas geäußert werden, sei Harris darauf aus, die Spannungen in der Region Südostasien zu erhöhen. So stand zum Beispiel in einem Leitartikel der China Daily:

"Während sie mit dem Finger auf China zeigte und es der 'Nötigung' und 'Einschüchterung' bezichtigte, ignorierte Harris geflissentlich ihre eigene Heuchelei – wo sie doch selbst versucht, die Länder der Region zu nötigen und einzuschüchtern, damit diese sich Washingtons Komplott zur Eindämmung Chinas anschließen."

In einem Leitartikel in der Global Times wurden die USA aufgefordert, sie sollten "den Wahn aufgeben, irgendein südostasiatisches Land zum Feind Chinas zu machen". In einem weiteren Artikel der in Peking ansässigen Zeitung wurde ebenfalls argumentiert, jegliche Versuche, die Region gegen China aufzubringen, seien von vornherein zum Scheitern verurteilt:

"Noch nicht einmal vor dem imageschädigenden Fiasko der USA in Afghanistan pflegten die meisten südostasiatischen Länder, sich etwa zwischen China und den USA nur für eine Seite zu entscheiden."

Den Grund für eine solche Haltung in Bezug auf die USA sieht man bei der Zeitung darin, dass "viele von den leeren Versprechungen Washingtons schlicht nicht überzeugt" seien.

Die Anreise von Singapur nach Vietnam hatte sich für Harris nach Angaben der US-Botschaft in Hanoi aufgrund von Berichten über einen möglichen "anomalen Gesundheitsvorfall" in der vietnamesischen Hauptstadt um mehrere Stunden verzögert.

Eine ähnliche Formulierung verwendeten die USA auch zuvor schon: Damit umschrieben sie eine mysteriöse Reihe von Symptomen, unter denen US-amerikanisches diplomatisches Personal zuweilen gelitten haben soll – diese fassten sie auch unter der Sammelphrase "Havanna-Syndrom" zusammen. Das "Syndrom" wurde erstmals 2016 aus Kuba gemeldet und war mit Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, Hör- und Gedächtnisverlust verbunden. Jüngst wurde es auch aus Berlin vermeldet. 

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