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"Verrat" und "Dolchstoß" – Beziehungen zwischen Marokko und Israel nicht allseits begrüßt

Beamte Irans und Palästinas zeigten sich erbost über die von den USA vermittelte Normalisierung der Beziehungen zwischen Marokko und Israel. Da Washington die Kontrolle Marokkos über die annektierte Westsahara stärkt, haben auch Unabhängigkeitsvertreter die Entscheidung der USA scharf verurteilt.
"Verrat" und "Dolchstoß" – Beziehungen zwischen Marokko und Israel nicht allseits begrüßtQuelle: www.globallookpress.com © Diego Radames/Keystone Press Agency/ Global Look Press

US-Präsident Donald Trump verkündete am Donnerstag, dass Marokko nun der vierte arabische Staat in diesem Jahr ist, der Israel anerkennt. "Israel und das Königreich Marokko haben volle diplomatische Beziehungen vereinbart", schrieb er am Donnerstag per Twitter und verkündete, die Vereinbarung wäre "ein massiver Durchbruch für den Frieden im Nahen Osten!" Laut einer Erklärung des Weißen Hauses hatten Trump und Marokkos König Mohammed VI. per Telefon gesprochen.

Demnach stimmte Trump auch zu, Marokkos "Souveränität" über das gesamte umstrittene Westsahara-Territorium anzuerkennen. Marokkos Autonomievorschlag sei die "einzige Grundlage für eine gerechte und dauerhafte Lösung des Streits um das Gebiet der Westsahara". Marokko hatte die riesige Westsahara-Region, eine ehemalige spanische Kolonie, im Jahr 1975 annektiert. Dem Frieden in dem Gebiet war dies nicht unbedingt zuträglich, denn seither befindet sich die Maghreb-Monarchie im Konflikt mit der von Algerien unterstützten Polisario-Front. Die Bewegung verlangt einen unabhängigen Staat und möchte Marokkos Präsenz dort beendet sehen, da Rabat über 80 Prozent der Region, einschließlich der Phosphatvorkommen und Fischereigewässer, kontrolliert.

Ein Vertreter der Unabhängigkeitsbewegung der Polisario-Front für die Westsahara hat laut Reuters kommentiert, dass er die Entscheidung der USA, die marokkanische Kontrolle des Territoriums anzuerkennen, "sehr bedauert".

"Die Haltung (...) ist ein eklatanter Verstoß gegen die Charta der Vereinten Nationen und die Resolutionen der internationalen Legitimität", sagte die Polisario-Front in einer Erklärung. Der Schritt "behindert die Bemühungen der internationalen Gemeinschaft, eine Lösung für den Konflikt zu finden".

Die Entscheidung der Trump-Administration sei "seltsam, aber nicht überraschend", so der Sprecher gegenüber Reuters. Sie werde jedoch kein Stück "an der Realität des Konflikts und dem Recht des Volkes der Westsahara auf Selbstbestimmung ändern", sagte der Europa-Repräsentant der Polisario, Oubi Bchraya, und fügte hinzu, dass die Front ihren Kampf fortsetzen werde.

Im Rahmen des Abkommens wird Rabat volle diplomatische Beziehungen und offizielle Kontakte mit Tel Aviv wieder aufnehmen und Überflüge gewähren. Auch wird es Direktflüge von und nach Israel für alle Israelis anbieten. Zudem würde die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen israelischen und marokkanischen Unternehmen gefördert, zitierte Reuters den leitenden Berater des Weißen Hauses, Jared Kushner. Marokko schließt sich zusammen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain und dem Sudan der Initiative "Abraham Accords" des Weißen Hauses an.

Die Trump-Administration schreibt sich historische Fortschritte bei der Annäherung von Israel und arabischen Staaten zu, welche zu Frieden und Stabilität in Nahost beitragen würden. Doch nicht nur die Menschen der Westsahara dürften von dieser Ansicht abweichen. Auch der zunehmend isolierte Iran und die Palästinenser sehen in der Normalisierung der Beziehungen zwischen Marokko und Israel eher eine Bedrohung oder Verrat und gar einen "Dolchstoß in den Rücken Palästinas", wie  Hossein Amir-Abdollahian, ein Berater des iranischen Parlamentspräsidenten, am Freitag sagte.

Die palästinensische Widerstandsbewegung Hamas veröffentlichte eine Erklärung, in der sie das Abkommen zwischen Tel Aviv und Rabat als "politische Sünde" scharf verurteilte.

"Es ist eine politische Sünde, die der palästinensischen Sache nicht dient und die Besatzung ermutigt, weiterhin die Rechte unseres Volkes zu verweigern", sagte Hamas-Sprecher Hazem Qassem gegenüber AFP.

Während Marokkos königlicher Hof erklärte, dass man dem palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas in einem Telefonat zugesagt habe, dass Marokko dennoch zu einer Zwei-Staaten-Lösung im israelisch-palästinensischen Konflikt stehen würde, geht die Besetzung palästinensischer Gebiete durch Israel mit der offenen Unterstützung Washingtons voran.

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