Deutschland

Der 9. November und die Geschichtsvergessenheit der heutigen bundesdeutschen "Eliten"

Revolutionen, Putschversuche, Pogrome – kein Tag hat die deutsche Geschichte so geprägt wie der 9. November. Doch auch heute ist die Unzufriedenheit enorm. Viele Menschen werden aus dem öffentlichen Leben ausgegrenzt, sind sozial abgehängt und haben keine demokratische Teilhabe mehr. Die Eliten nehmen das in Kauf – um ihre Macht auszubauen.
Der 9. November und die Geschichtsvergessenheit der heutigen bundesdeutschen "Eliten"Quelle: AFP © John MACDOUGALL / AFP

von Kaspar Sachse

Sicher sind Ihnen auch schon die vielen Blumen und Kerzen an den zahlreichen Stolpersteinen und Denkmälern, die an die Shoah erinnern, in diesen Tagen aufgefallen? Der 9. November 1938 war ein "Meilenstein" auf dem Weg zum historischen Zivilisationsbruch von Auschwitz.

Aber wie konnte es so weit kommen? Dafür lohnt sich ein kurzer Blick in die Geschichte, aus der die heutige machtbesoffene und im globalistischen Machtspiel eingehegte deutsche "Elite" offenbar nur wenig gelernt hat. 

Auflösung des Kaiserreichs 1918

Am 9. November 1918 war die revolutionäre Situation im vom Ersten Weltkrieg ermatteten Deutschen Kaiserreich gegeben, oder wie Lenin es, hier sinngemäß wiedergegeben, auf den Punkt brachte:

"Eine revolutionäre Situation gibt es dann, wenn die oben nicht mehr können und die unten nicht mehr wollen."

Nach über vier Jahren im von imperialistischen Politik-, Finanz- und Wirtschaftseliten entfesselten Gemetzels in den Schützengräben Europas hatten die deutschen Untertanen des Kaiserreichs die Nase voll – in erster Linie die Arbeiter und Soldaten, die neben den Frauen an der "Heimatfront" die größte Last für Kaiser Wilhelm II. und die Oberste Heeresleitung zu tragen hatten.

Das Ende des seit 1871 bestehenden Hohenzollernreiches passte auch zum Beginn. Denn bereits 1862 benutzte Preußens Ministerpräsident Otto von Bismarck den Terminus "Blut und Eisen" für sein Vorgehen. Damit beschrieb er das Vorgehen zur Gründung eines deutschen Nationalstaates unter preußischer Führung – und zwar nicht über demokratischen Weg "von unten", sondern durch eine kriegerische Außenpolitik, die Hand in Hand mit den Interessen der damaligen  Eliten – also "von oben" – einherging. 

1848/49: Keine Demokratie auf deutschem Boden erwünscht

Der erste demokratische Versuch einer deutschen Einigungspolitik scheiterte in den Jahren 1848/49. Ein erstmals emanzipiertes Bürgertum hatte dabei den Patriotismus "von unten" als Gegenstück zum biedermeierlichen Fürsten- und Ständestaat entdeckt. Unterschiedlichste Akteure gingen zusammen auf die Barrikaden – in Dresden im wahrsten Sinne des Wortes zum Beispiel der Komponist Richard Wagner, der russische Anarchist Michail Alexandrowitsch Bakunin und der Architekt Gottfried Semper.

Reguläre sächsische Infanterie, verstärkt durch Einheiten des reaktionären Preußen, sollten das demokratische Abenteuer jedoch rasch beenden. In Berlin bekam der spätere erste deutsche Kaiser und damalige Prinz Wilhelm I. – wenn auch nicht ganz zu Recht – den Beinamen "Kartätschenprinz". Denn die Folgen der Märzkämpfe waren neben 600 verwundeten und geflohenen Aufständischen 150 durch preußisches Militär getötete Barrikadenkämpfer.

Die von der Frankfurter Nationalversammlung Wilhelms älterem Bruder angetragene "Kaiserkrone in Volkes Namen" lehnte der damalige preußische König Wilhelm IV. brüskiert ab. Doch bereits mit der Erschießung des demokratischen Politikers Robert Blum am 9. November 1848 vor den Toren Wiens durch kaiserlich-österreichische Truppen hatte die demokratische Revolutionsbewegung Mitteleuropas einen heftigen Rückschlag erlitten.

Vom 9. November 1923 zur Reichspogromnacht 1938

Wie wäre die Geschichte wohl in einem bereits damals demokratischen Deutschland verlaufen? So sollte es weitere 70 Jahre dauern, bis die erste Demokratie in Deutschland geboren wurde. Doch die Vorzeichen waren miserabel: Die Bürde des Versailler Vertrags und die Hyperinflation infolge der Kriegskosten hatten auch den Hitlerputsch am 9. November 1923 mitzuverantworten.

Der deutsche Mittelstand radikalisierte sich besonders im Laufe der Weltwirtschaftskrise ab 1929 nach rechts – die Arbeiterschaft nach links. Eine Weltwirtschaftskrise traf neben den USA besonders das exportstarke Deutschland verheerend – die Folgen sind bekannt: So schaffte es Hitler, die Juden als Sündenböcke für alle Verwerfungen seit 1918 zu installieren. Erstmals wurden Menschen aufgrund ihrer "Rasse" anfangs "nur" diskriminiert, später zu "Sozialschmarotzern" und "Untermenschen" (neben den Slawen im Osten Europas) gemacht und letztendlich systematisch ermordet.

Der 9. November 1938 stellte dafür die Weichen – offen ausgelebter Hass und Gewalt der Mehrheitsgesellschaft gegen eine Minderheit wurden von der Politik nicht nur toleriert, sondern gezielt gefördert. 

Lehren aus der Geschichte für heute?

Doch von solchen Entwicklungen sind wir heute, am 9. November 2021, "im besten Deutschland, das es jemals gegeben hat" (Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier) – Gott sei Dank! – weiter weg denn je! Oder? 

Oder vielleicht doch nicht? Auch heute haben wir eine Rekordinflation aufgrund globalistischer Verirrungen der letzten Jahre, die zu einer Stagflation zu werden droht, in erster Linie Verbraucher und Sparer enteignet und von den politischen Eliten medial unter den Teppich gekehrt wird. Durch die "Corona-Krise" ist weltweit, besonders stark aber in Deutschland, auf Kosten des Mittelstands die Schere zwischen Arm und Reich deutlich größer geworden – und die Ärmsten hierzulande, die Hartz-IV-Empfänger, speist man mit einer Erhöhung ihrer Sozialleistungen von drei (!) Euro im Monat ab.

Über die Grenzen des Landes dringen jeden Tag mehr Flüchtlinge in das Land ein, und eine zweites "2015" droht sich an der Grenze zu Polen zu ereignen. Dazu wird mit Deutschland als willigem Helfer der NATO einmal mehr in der Geschichte massiv gegen Russland aufgerüstet und Propaganda der übelsten Sorte veranstaltet. "Nie wieder Krieg – nie wieder Faschismus" scheint längst vergessen zu sein.

Aber auch Demokratie und Menschenwürde haben sich äußerst rargemacht: Menschen, die sich nicht gegen COVID-19 impfen lassen wollen, werden aus dem öffentlichen Leben – vom Restaurant bis zum Museum – ausgeschlossen und von medizinischen und dem Namen nach liberalen (!) politischen Eliten öffentlichkeitswirksam als "Tyrannen" oder "gefährlicher Sozialschädling" diffamiert. Der Hamburger Weihnachtsmarkt trennt Geimpfte von Ungeimpften per Zaun! Nach dem "Corona-Lockdown" droht der "Klimalockdown"? Woran erinnert das alles mit Blick auf die Geschichte?

Diese Frage stellt sich für die heutigen "linksgrünen" Eliten offenkundig nicht.

Denn aus ehemals revolutionären Linken sind brave Untertanen und Verteidiger von Big Pharma, Big Tech und Big Money geworden. Dass man mit einer derartigen "alternativlosen" Politik der letzten Jahre verbunden mit einer Aushöhlung des Rechtsstaats die Leute radikalisiert, sollte eigentlich jedem halbwegs logisch denkenden Menschen klar sein – nicht zuletzt aufgrund der bisherigen Ausführungen.

Doch "unsere" wie am Ende der DDR weit weg vom Volk entfernten Eliten haben sich nach 16 Jahren "Ära Merkel" komplett vom Volk Richtung Brüssel und Washington verabschiedet. Was aber hat die Geschichte in solchen Situationen gezeigt? Wie am 9. November 1989 in Berlin kann es manchmal schnell gehen mit der Änderung der politischen Verhältnisse, denn wie bemerkte bereits US-Präsident Abraham Lincoln völlig zu Recht:

"Man kann das ganze Volk eine Zeit lang täuschen und man kann einen Teil des Volkes die ganze Zeit täuschen, aber man kann nicht das ganze Volk die ganze Zeit täuschen."

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