Meinung

Das Einschmelzen von Statuen, um neue Kunst zu schaffen, ist ein Zeichen von Selbsthass einer Nation

Ein Museum im US-Bundesstaat Virginia hat vorgeschlagen, eine Statue einzuschmelzen und die Bronze dafür zu verwenden, ein neues, öffentliches und modernes Kunstwerk zu erschaffen. Dieser vorsätzliche Akt des "woken" Vandalismus zeigt, dass in Amerika und im Westen der Selbsthass keine Grenzen kennt und sich nicht vom Zerstörungseifer des IS im syrischen Palmyra unterscheidet.
Das Einschmelzen von Statuen, um neue Kunst zu schaffen, ist ein Zeichen von Selbsthass einer NationQuelle: Gettyimages.ru © Win McNamee

Ein Kommentar von Brendan Heard 

Die Statue von Robert E. Lee wurde aus der Öffentlichkeit verbannt, nachdem sie im Jahr 2017 im Mittelpunkt der sozialen Unruhen von Charlottesville stand. Der Plan wurde vom Zentrum für afroamerikanisches Erbe der Jefferson-Schule vorgelegt. Über das neue Kunstwerk soll durch "bürgerschaftliches Engagement" entschieden werden. Allein dieser demokratische Prozess der Kunstfindung klingt zwielichtig und postmodern und führt wahrscheinlich zu einer Reihe von Entwürfen bedeutungsloser Formen und schlecht gestalteter George-Floyd-Büsten.

Organisationen, die diesen Plan unterstützen – einschließlich der Open Society von George Soros –, haben dem Projekt bisher 590.000 US-Dollar zugesagt. Dieses wird als Rekontextualisierung bezeichnet, was eher eine herzerwärmende und pseudo-intellektuelle Wortkapriole ist sowie die neoliberale Art zu sagen: "vandalisieren, zerstören, ersetzen".

Gregory Downs von der Universität von Kalifornien erklärte, der Plan des Museums sei ein kreativer Ansatz, um "der Vergangenheit zu begegnen und den Menschen zu helfen, die Vergangenheit besser zu verstehen". Natürlich ist diese Art von banaler Aussage völlig bedeutungslos, mit den Untertönen von "etwas, das ein Professor, der um seinen Job besorgt ist, sagen sollte". Es ist Schall und Rauch, ein lustiger Tanz, um die Aufmerksamkeit abzulenken und um schwierigen Wahrheiten aus dem Weg zu gehen.

Die Wahrheit hier ist, dass ein Museum eine historische Statue zerstören möchte. Dafür sind Museen nicht gedacht, unabhängig von der Art des Museums oder der Interpretation der Vergangenheit. Die Begründung hinter dem Vorschlag ist ein weiteres Beispiel für die verdrehten geistigen Saltos einer Nation, die ihre Geschichte hasst und ihre Gegenwart verabscheut. Die Machenschaften des "woken" Mobs kennen keine Skrupel. Jede Grenze wird mit sprachlichen Tricks und Emotionen ausgereizt, bis ein neues Limit – oder ein neues Tief – erreicht ist. Man geht damit einen Schritt zu weit, der über die bloße Entfernung einer Statue hinausgeht, wie zum Beispiel die "Umsiedlung" der Statue von Teddy Roosevelt durch das Amerikanische Naturhistorische Museum in New York City. Das war schon schlimm genug, denn das waren Historiker, die Geschichte zerstörten, um den "woken" Mob zu besänftigen.

Vor einem Jahr veröffentlichte Sarah Parcak, Professorin für antike Architektur an der Universität von Alabama in Birmingham, eine Reihe von Tweets, mit Anleitungen, wie Demonstranten der Antifa erfolgreich Denkmäler niederreißen und zerstören können. Dies geschah, während Randalierer das Lincoln Memorial, Denkmäler des Zweiten Weltkriegs und andere ikonische Denkmäler schändeten.

Frau Parcak, eine Ägyptologin, ging sogar so weit zu sagen, dass auch Obelisken als rassistische Denkmäler betrachtet werden könnten und Vandalismus erfordern. "Anleitung für JEDEN, der daran interessiert sein könnte, wie man einen Obelisken sicher abreißt, von einer Ägyptologin, die in einer Million Jahren nicht gedacht hätte, dass diese Tipps mal nützlich sein könnten", twitterte sie. Ihre Stelle an der Universität hat sie deswegen nicht verloren.

Im heutigen Amerika kann man mittlerweile erwarten, dass Professoren für antike Architektur und Museen die Zerstörung historischer Skulpturen und Denkmäler nicht nur dulden, sondern aktiv fördern – ebenjene Objekte, die sie eigentlich bewahren sollten. Es ist die Umkehrung ihrer primären teleologischen Funktion. Es ist wie bei einem Zahnarzt, der seinem Patienten einfach alle Zähne herauszieht, oder einem Automechaniker, der jedes Auto, das er anfasst, kaputt macht. Eine kleine Wendung des Denkens und ein paar knifflige Worte und ihre wesentliche Funktion wird vollständig ins Gegenteil verkehrt. Sie setzen sich dadurch auf dieselbe Stufe wie der IS, der Palmyra geschändet hat – ihr fundamentalistischer Eifer zu zerstören ist ähnlich. Denn nichts darf einer "woken" Moralisierung – einer Rekontextualisierung – von historischen Ereignissen oder Wahrheiten im Wege stehen.

Alle Argumente, die durch das Prisma der Schlagworte wie "rassistisch" oder "sexistisch" betrachtet werden, sind für eine zeitgenössische Inquisition und ein Todesurteil freigegeben. Sogar die Moralisierung selbst, die heute als "woke" bezeichnet wird, kann morgen bereits einer Rekontextualisierung unterliegen – und man wird möglicherweise für schuldig befunden, je nachdem wohin sich die Torpfosten der Moral in den vergangenen 24 Stunden bewegt haben. Schuldig.

Wenn wirklich nichts diesem Auflösungsprozess standhalten kann, dann hat es wenig Sinn, die Maskerade fortzusetzen. Denn keine Nation, die sich selbst hasst, kann lange so weitermachen. Es gibt viele, die dachten, dass ihre Arbeitsplätze und ihre Existenzen durch das Senken des Kopfes sicher bleiben. Dass sie, indem sie schweigen, indem sie die neuesten moralischen Regeln, die von der Konzernpresse propagiert werden, akzeptieren, ihre Familien einen weiteren Tag ernähren können. Und ja, sie werden für die Befolgung dieser Regeln auch belohnt, wenn sie nicht aufbegehren oder sogar jubeln, wenn Statuen abgerissen werden. Aber hinter jeder Ecke, und an jedem Tag, wartet etwas Neues darauf, befolgt zu werden.

RT DE bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

Übersetzung aus dem Englischen

Brendan Heard ist Autor, Kommentator, Maler, Blogger und Designer, der in internationalen Medien gearbeitet hat. Man kann ihm auf Twitter unter @Trad_West_Art folgen.

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