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Lange Kolonnen an den Balkangrenzen: Trotz Corona fahren Tausende über Feiertage in die Heimat

Corona-Maßnahmen hin oder her: Am Wochenende stauten sich Autos an Grenzübergängen zwischen den Westbalkanstaaten. Menschen, die etwa in Deutschland, Österreich oder in den Niederlanden arbeiten, fahren über die Feiertage in ihre Heimatländer.
Lange Kolonnen an den Balkangrenzen: Trotz Corona fahren Tausende über Feiertage in die HeimatQuelle: AFP © Denis Lovrovic

Serbien sei bereits von einer dritten Corona-Welle erfasst, bei der es sich zugleich auch um die schwerste handele, warnten erst vor wenigen Tagen mehrere Experten in Belgrad. Seit Wochen werden täglich über 5.000 neue Fälle gemeldet, allein im November seien mehr als 1.000 COVID-Tote verzeichnet worden. Bedarf nach Krankenhausbetten ist groß, gleich zwei COVID-Kliniken wurden innerhalb von wenigen Monaten aus dem Boden gestampft. Angesichts der Corona-Lage im Land und im Ausland rief der serbische Präsident Aleksandar Vučić seine Landsleute dazu auf, auf Reisen über die Feiertage zu verzichten. Belgrad erließ gar neue Reisebeschränkungen, die vor allem auf die Landsleute, die im Ausland arbeiten und leben, abzielten.

Ab dem 20. Dezember darf nur noch ins Land, wer an der Grenze einen negativen Corona-Test vorweisen kann, der nicht älter als 48 Stunden ist. Serbische Staatsbürger, die keinen vorgeschriebenen Corona-Test mitbringen, müssen sich in eine zehntägige Selbstisolation begeben. Nur wenn sie sich vor Ablauf der Quarantänefrist einem PCR-Test unterziehen und dieser negativ ausfällt, wird die Quarantänepflicht aufgehoben. Der Preis für die Testung ist auch nicht gerade ein Schnäppchen – 9.000 serbische Dinar oder umgerechnet rund 77 Euro.

Doch die Bilder vom Wochenende von den Grenzen in den ex-jugoslawischen Republiken deuten darauf hin, dass sich viele – trotz geltender Corona-Maßnahmen oder Auflagen – eben doch nicht von einer Reise in die Heimat über die Feiertage abbringen lassen.

An der Grenze zwischen Slowenien und Kroatien stauten sich am Samstag und Sonntag Hunderte von Autos. Laut einem Bericht der kroatischen Zeitung Vecernji list soll die Autokolonne zeitweise rund vier Kilometer lang gewesen sein. Einige Autofahrer berichteten gegenüber der Zeitung von mehr als zehn Stunden Wartezeit. Menschen etwa aus der Schweiz, Österreich oder Deutschland waren auf der Durchreise nach Serbien oder Bosnien-Herzegowina.

Auch an der Grenze zwischen Ungarn und Serbien stauten sich die Wagen kilometerlang. Nach Angaben serbischer Medien musste man hier für die Einreise ins Land ebenfalls mehrere Stunden Wartezeit in Kauf nehmen. Auch Bürger Nordmazedoniens oder der Türkei waren auf der Durchreise in ihre Heimatländer.

Nach Angaben serbischer Behörden sollen seit vergangenem Donnerstag rund 225.000 Menschen über die serbische Grenze gekommen sein. Von ihnen waren 120.000 auf der Durchreise.

Erst neulich kündigte etwa Österreich an, Reisen rund um die Weihnachtszeit durch Quarantäneauflagen zu erschweren. Auf diese Weise will Wien einen erneuten Anstieg an Corona-Fällen durch Touristen, aber vor allem durch Reiserückkehrer verhindern. So gilt bis zum 10. Januar für jeden, der einreist, eine zehntägige Quarantänepflicht.

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