Europa

Österreich macht Grenzen praktisch dicht – Frankreich will keine Skitouristen in der Schweiz

Österreich verhängt für alle Einreisenden aus Risikogebieten vom 7. Dezember bis zum 10. Januar eine zehntägige Quarantänepflicht, teilte die Regierung am Mittwoch mit. Frankreich wiederum will nicht, dass sich "seine Mitbürgerinnen und Mitbürger im Ausland anstecken".
Österreich macht Grenzen praktisch dicht – Frankreich will keine Skitouristen in der SchweizQuelle: www.globallookpress.com

Österreich setze auf ein konsequentes Grenzregime, damit das Virus nicht durch Rückkehrer oder Touristen ins Land getragen werde, sagte Kanzler Sebastian Kurz am Mittwoch in Wien. Der Schwellenwert sei mehr als 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen 14 Tagen. Das gelte praktisch für alle Nachbarstaaten und speziell auch für den Westbalkan, hieß es.

Alle Gaststätten und Hotels müssen bis zum 7. Januar geschlossen bleiben. Es werde wirtschaftliche Entschädigungen geben, sagte Kurz. Die Lifte in den Skigebieten dürfen ab dem 24. Dezember öffnen – und können somit im Wesentlichen von Einheimischen genutzt werden. Zugleich dürfen nach dem Ende des aktuellen Lockdowns am 6. Dezember die Geschäfte und die Museen wieder öffnen. Auch die Pflichtschulen werden wieder geöffnet. Ausgangsbeschränkungen bestehen dann noch zwischen 20 Uhr und 6 Uhr.

"Die sinkenden Zahlen sind ein Erfolg, aber kein Grund zur Entwarnung", sagte Kurz. Eine Überlastung des Gesundheitssystems sei bisher verhindert worden. Er rief die Bürger auf, sich an den bevorstehenden Massentests zu beteiligen. In Wien, Tirol und Vorarlberg können sich die Menschen ab Freitag testen lassen. Danach folgen weitere Bundesländer. Die Experten hoffen, dass sich mehrere Millionen Menschen beteiligen, um so die Infektionsketten zu unterbrechen.

Franzosen sollen nicht in der Schweiz Ski fahren

Die französische Regierung will ihre Bürgerinnen und Bürger nach Skiferien im Ausland für sieben Tage in die Isolation schicken. Dazu würden Kontrollen an den Grenzen zur Schweiz und zu Spanien eingerichtet. Das bekräftigte Premierminister Jean Castex am Mittwoch.

Die Maßnahme soll verhindern, dass sich die Franzosen in den geöffneten Wintersportorten des benachbarten Auslands mit dem Coronavirus Infizieren. Die Präfekten der Grenz-Departemente könnten die Isolation für Heimkehrer aus der Schweiz und Spanien verordnen, sagte der Premier.

Die Schlussfolgerung daraus sei, dass man nicht zum Skifahren nach Spanien oder in die Schweiz fahre, erklärte er weiter. Eine Quarantäne werde verordnet, sollten die Schweiz und Spanien ihre Wintersportdestinationen nicht wie Frankreich bis zum Januar 2021 schließen.

Die Anordnung der Isolation liege in der Kompetenz der Präfekten. Grenzgängerinnen und Grenzgänger würden davon nicht betroffen, präzisierte Castex. Staatspräsident Emmanuel Macron hatte am Dienstag angekündigt, er werde Maßnahmen ergreifen, um die Bürger über die Weihnachts- und Neujahrstage an Skiferien im Ausland und namentlich in der Schweiz zu hindern.

Es wäre ihm lieber gewesen, wenn es eine gesamteuropäische Lösung für die Wintersportorte gegeben hätte, so Macron. Frankreich, Italien und Deutschland hätten sich für eine Schließung ausgesprochen, die Schweiz und Spanien nicht, so Macron weiter. Das sei das gute Recht der beiden Länder. Er werde seine Mitbürgerinnen und Mitbürger aber davor schützen, sich im Ausland anzustecken. Letztlich gelte es auch, eine Gleichbehandlung mit den geschlossenen französischen Winterdestinationen sicherzustellen, fügte Macron hinzu.

Zuvor hatte der italienische Gesundheitsratspräsident Franco Locatelli die Entscheidung der Schweiz, die Skigebiete offenzuhalten, enttäuschend genannt. Er und andere Wissenschaftler beraten das Gesundheitsministerium und erstellen die Corona-Lageberichte. Locatelli sagte der Zeitung La Stampa, er hoffe auf geschlossene Skigebiete bis Ende Jahr. Ansonsten fordere er eine Quarantäne für Reiserückkehrer aus dem Ausland.

Seit Tagen streiten die Alpenländer in Europa über eine Schließung der Wintersportbetriebe, um einer erneuten Ausbreitung des Coronavirus etwa durch Touristen vorzubeugen. Während sich Deutschland, Frankreich und Italien für eine Öffnung erst nach Neujahr stark machen, wollen die Schweiz und auch Österreich ihre Skigebiete gar nicht schließen.

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(rt/dpa)

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