Wirtschaft

"Vorübergehend vier Prozent": Inflation steigt laut Bundesbank zum Jahresende stark an

Nach dem Konjunktureinbruch zu Jahresbeginn rechnet die Bundesbank mit einer raschen Rückkehr der deutschen Wirtschaft auf Wachstumskurs. Für die Verbraucher hält die deutsche Zentralbank in ihrem Monatsbericht weniger erfreuliche Aussichten parat.
"Vorübergehend vier Prozent": Inflation steigt laut Bundesbank zum Jahresende stark anQuelle: www.globallookpress.com © Patrick Pleul/dpa/ Global Look Press

Die gesamtwirtschaftliche Leistung in Deutschland ist im ersten Vierteljahr 2021 kräftig zurückgegangen, so die deutsche Zentralbank in ihrem am Freitag vorgelegten Monatsbericht. Während die Wirtschaft sich zum Jahresende erholt, müssen sich die Bürger auf eine wachsende Inflationsrate einstellen, diese steigt möglicherweise auf vier Prozent an.

Zu Jahresbeginn war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dem Bericht zufolge um 1,7 Prozent geschrumpft und unterschritt so die Wirtschaftsaktivität den Vorkrisenstand des vierten Quartals 2019 erneut um fast fünf Prozent. Der Rückschlag lässt sich laut der Bundesbank zu einem erheblichen Teil darauf zurückführen, dass die Corona-Schutzmaßnahmen strikter ausfielen und länger andauerten als im Vorquartal. Vor allem Dienstleister wie Gastronomen, Einzelhändler oder Hoteliers leiden unter den Corona-Beschränkungen. Die deutsche Industrie profitiert dagegen bereits seit geraumer Zeit von einer starken Nachfrage im Zuge der weltweiten Konjunkturerholung. Allerdings werde die Produktion in der Industrie wohl auch in nächster Zeit noch durch Engpässe bei Vorprodukten gebremst werden.

Die deutsche Wirtschaftsleistung dürfte im zweiten Quartal 2021 wieder deutlich zulegen, prognostiziert die Bundesbank. Das Ausmaß hänge maßgeblich von den Eindämmungsmaßnahmen ab, laut Bundesbank besteht "bei schnellen Fortschritten in der Impfkampagne besteht die Aussicht, dass die Eindämmungsmaßnahmen in den kommenden Monaten erheblich gelockert werden können". Dann könnte das BIP im dritten Vierteljahr stark zulegen und bereits im Herbst sein Vorkrisenniveau wieder überschreiten.

Allerdings müssen sich Bürger dem Bericht zufolge auf weiter anziehende Verbraucherpreise einstellen. Höhere Kosten für das Tanken und Heizen hatten die Jahresteuerungsrate im April so stark steigen lassen wie seit zwei Jahren nicht mehr: Waren und Dienstleistungen kosteten im Schnitt zwei Prozent mehr. Die für europäische Vergleichszwecke berechnete sogenannte Inflationsrate HVPI stieg sogar auf 2,1 Prozent. Insbesondere die Rate für Energie stieg zuletzt stark an, aber auch diejenige für Nahrungsmittel legte deutlich zu.

Die Teuerungsrate wird nach Einschätzung der Bundesbank zunächst langsam weiter steigen und könnte zum Jahresende vorübergehend sogar vier Prozent erreichen. Bei der HVPI-Gesamtrate spielen Sonder- und Basiseffekte eine Rolle, auch in Verbindung mit der vorübergehenden Senkung der Mehrwertsteuersätze.

Das deutsche Staatsdefizit könnte sich nach gut vier Prozent im Jahr 2020im laufenden Jahrnach Einschätzung der Bundesbank "auf eine Größenordnung von sechs Prozent des BIP zubewegen". Im kommenden Jahr sollte das Defizit angesichts einer weniger durch Pandemiemaßnahmen gebremsten Wirtschaft geringer ausfallen. Solange die pandemiebedingten Einschränkungen anhalten, seien gezielte fiskalische Hilfen wichtig.

Die Bundesbank spricht sich dafür aus, erst später im Jahr über die EU-Regeln und die deutsche Schuldenbremse zu entscheiden. Während der Corona-Krise haben die Staaten der Europäischen Union erstmals die Regeln des Stabilitäts- und Wachstumspakts ausgesetzt, wonach das Haushaltsdefizit nicht über drei Prozent und die Gesamtverschuldung nicht über 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen darf. Im weiteren Jahresverlauf werde sich wesentlich besser bewerten lassen, ob die jeweilige Ausnahmeklausel noch nötig ist, um die Krisenlage zu überwinden, argumentierten die Notenbank-Ökonomen.

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