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Gerissene Glieder in den Lieferketten: Mikrochips, Produkte aus Plastik und Holz werden knapp

Fehlt es an Materialien, werden die Vorprodukte knapp. Fehlt es an Vorprodukten, werden die Güter knapp. Mehrere Branchen verzeichnen Mängel und Einbrüche. Verursacht werden sie – natürlich – von der Pandemie, aber auch durch Unglücksfälle und extreme Wetterperioden.
Gerissene Glieder in den Lieferketten: Mikrochips, Produkte aus Plastik und Holz werden knappQuelle: www.globallookpress.com © A. Laule/blickwinkel

Das Ifo-Institut in München hat der Deutschen Welle (DW) ein Interview gegeben und auf Engpässe im weltweiten Güterverkehr hingewiesen. Die Knappheit an Vorprodukten ist "ein ernsthaftes Problem". Fast die Hälfte der im April befragten Industrieunternehmen berichtete davon.

Klaus Wohlrabe vom Ifo-Institut betonte: "In der Deutlichkeit hat mich das Ergebnis überrascht." Unter einem Mangel an elektronischen Bauteilen litten der Maschinenbau und die Autoindustrie schon länger. Darüber hinaus gebe es Folgewirkungen, die eintreten, wenn fertige Güter fehlen.

Der Sprecher des Verbandes der Automobilwirtschaft, Eckehart Rotter, teilte mit: "Es mussten bereits mehrfach Produktionslinien für mehrere Wochen angehalten werden, weil Steuergeräte nicht rechtzeitig geliefert werden konnten." Nicht nur Mikroprozessoren fehlten, auch einfache Steuerelemente. In modernen Fahrzeugen sind davon mehr als eintausend eingebaut.

Plastik oder Plastikmaterialien werden nicht in ausreichenden Mengen geliefert. Wie Michael Weigelt vom Gesamtverband der Kunststoff verarbeitenden Industrie der DW erklärte, müssten die Unternehmen Preissteigerungen verkraften oder erhielten nicht genug Werkstoffe. Beispielsweise fehlt es den Süßwarenherstellern an Verpackungsmaterial.

Gerissene Glieder in den Lieferketten könnten zum Teil von der Digitalisierung verursacht worden sein. Die Automobilindustrie hänge von den Produkten weniger Hersteller ab. "Wir rechnen damit, dass sich die Knappheit bei Chips im zweiten Jahresquartal eher noch verschärft. Ab Mitte des Jahres könnte es sich dann normalisieren", sagte der Chefvolkswirt der Bundesbank, Jens Ulbrich.

Neben der Pandemie, in der sich die Nachfrage nach elektronischen Geräten deutlich erhöht habe, gäbe es einige natürliche Ursachen und Unglücksfälle. Eine Fabrik in Texas musste im Winter wegen strenger Kälte schließen. In Taiwan leidet die Industrie an Wasserknappheit. In Nordamerika haben Brände und Ungeziefer das Angebot an Holz reduziert. Und der Unfall des Containerschiffes im Suez-Kanal hat die Abfertigung von Schiffen in Häfen durcheinandergebracht. Die vielen blockierten Container könne man noch nicht zählen.

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