Wirtschaft

Ansturm auf erste grüne Bundesanleihe mit 30 Jahren Laufzeit

Durch Inflationsängste gibt es eine verstärkte Kapitalflucht in langfristige Bundesanleihen. Sie ist jetzt schon mehrfach überzeichnet. Deutschland hat nun auf diesem Marktsegment ebenfalls international aufgetrumpft. Ob es den Anlegern nutzt, ist dabei noch nicht ganz klar.
Ansturm auf erste grüne Bundesanleihe mit 30 Jahren LaufzeitQuelle: AFP © Ina FASSBENDER / AFP

Schon im November 2020 begann der Run auf die erste grüne Bundesanleihe mit fünf Jahren Laufzeit. Dabei wurden Papiere im Wert von 4,6 Milliarden Euro an Anleger abgegeben, die konkreten Energie- und Umweltprojekten zugewiesen wurden. Deren Gebote hatten sich auf knapp sechs Milliarden Euro summiert. Die Auktion war um das 1,3-Fache überzeichnet. Die Investoren begnügten sich mit einer rechnerischen Durchschnittsrendite im negativen Bereich von minus 0,85 Prozent. 

Die erste grüne Anleihe des Bundes mit einer Laufzeit von 30 Jahren ist nun knapp ein halbes Jahr später auf riesige Nachfrage bei Investoren gestoßen. Deren Gebote summierten sich auf mehr als 38,9 Milliarden Euro. So erklärte es das Schuldenmanagement des Bundes. Zugeteilt wurden sechs Milliarden Euro, womit die Emission mehrfach überzeichnet war. Finanzagentur-Geschäftsführer Tammo Diemer sagte:

"Die Nachfrage sei in ihrer Höhe und Diversität sehr beeindruckend." 

Analyst der Landesbank Baden-Württemberg, Elmar Völker, sieht es etwas kritischer:

"Die heutige deutsche Green-Bond-Emission belegt einmal mehr, wie sehr das Thema Nachhaltigkeit bei den Anleiheinvestoren im Blickpunkt steht."

Die jüngste Entwicklung in Sachen Verschärfung von Klimaschutzzielen verdeutliche, dass die "grüne Welle" am Anleihemarkt keine kurzfristige Modeerscheinung bleiben werde. Die Rendite einer Anleihe verhält sich zum Kurs einer Anleihe entgegengesetzt. Sinkt der Kurs, steigt die Rendite – und umgekehrt. Im Zweifelsfalle kann der Staat nachschießen.

Die Emissionen nachhaltiger Anleihen haben im ersten Quartal mit 231 Milliarden Euro ein Rekordvolumen erreicht, wie die Ratingagentur Moody’s berichtete. Noch nie zuvor wurden so viele Anleihen, die dem Klima- und Umweltschutz oder sozialen Zielen dienen, in einer Dreimonatsperiode ausgegeben.

An grünen Anleihen, mit denen ökologische Projekte wie zum Beispiel erneuerbare Energien finanziert werden, wurden 99 Milliarden Euro emittiert. Soziale Anleihen, die etwa für Wohnungsbau oder Bildung verwendet werden können, beliefen sich auf 90 Milliarden Euro. Die restlichen 42 Milliarden Euro wurden über Titel, die sowohl ökologischen als auch sozialen Zwecken dienen, aufgenommen.

Insgesamt machten die nachhaltigen Anleihen im ersten Quartal 9,4 Prozent der gesamten Anleiheemissionen aus, das ist der bislang zweithöchste Wert. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum hat sich das Emissionsvolumen nach Angaben von Moody’s mehr als verdreifacht, während es sich gegenüber dem vierten Quartal 2020 um 19 Prozent erhöht hat.

Der Zinscoupon des neuen grünen Titels beträgt 0,0 Prozent, allerdings liegt die Rendite mit 0,4 Prozent im Plus. Aufgrund der Inflationssorgen kam es bei dem neuen Titel zu einer Verkaufswelle. So bleibt, glaube viele, wenigstens der Wert erhalten.

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