Maßnahmen-Technokratie: Absolute Effizienz statt Heilung

Mit den Mutationen des Coronavirus läuft die Pandemie-Bekämpfung aus dem Ruder. Die Politik agiert immer strenger, die Widersprüche werden absurder. Die Corona-Maßnahmen sind ein Abbild des kapitalistischen Systems.
Maßnahmen-Technokratie: Absolute Effizienz statt HeilungQuelle: www.globallookpress.com © Michaela Begsteiger

von Susan Bonath 

Ein Virus geht um und macht Menschen krank. Doch statt Heilung zu erfahren, landen Betroffene in einer technokratischen Maßnahmen-Maschinerie. Abgesondert, sich selbst überlassen und verängstigt durch permanente Panikmache, warten die Erkrankten auf einen von allen Leitmedien prognostizierten schweren Verlauf. Ein Arzt kommt selten vorbei, um sie zu untersuchen, zu behandeln, zu beruhigen. Nicht einmal eine Hotline für Betroffene ist verfügbar. So bleibt manchen nur der Notruf, die Einweisung in die Klinik und die Apparate-Medizin als ''zweites Level'' im automatisierten Ablauf der Pandemie-Bekämpfung. Dieser zielt nicht auf Heilung, sondern auf Effizienz als Selbstzweck, wofür er, wie der auf Profit fixierte Kapitalismus selbst, viel an Menschlichkeit unter sich begräbt.

Abseits von Moral

Die Pandemie-Strategie ist ein Teil der global rotierenden kapitalistischen Profit-Maschine. Masken, Desinfektionsmittel, Onlinehandel und Impfungen als einzig propagierter Ausweg: All das bringt den großen Pandemie-Playern hohe Renditen. Die Kliniken sind längst integriert in das Spiel. Sie schöpfen mit aus dem Topf des staatlich eingetriebenen Mehrwerts aus menschlicher Arbeitskraft. Auch Langzeitbeatmung füllt die Kassen privater und staatlicher Krankenhäuser. Menschliche Zuwendung hingegen ist Aufwand, der kein Geld bringt. Aufwand wird eingespart, durch größtmögliche Effizienz eben.

Die verabsolutierte Effizienz des Kapitals und aller unter seiner Knute verordneten Maßnahmen kennt keine Moral, auch wenn Politiker und Medien noch so oft von ihr schwadronieren. Die Profit-Maschine interessiert sich nicht für Depressionen und Ängste von Menschen, die zwei Wochen mit einem positiven Test ihre Plattenbauwohnung nicht verlassen dürfen.

Sie hat kein Mitgefühl mit Obdachlosen, die wegen 3G-Regeln aus U-Bahnhöfen in die Eiseskälte vertrieben werden, ebenso wenig mit Kindern, die nach acht Stunden täglichem Maskentragen an Kopfschmerzen leiden. Auch Menschen, die nach einer Corona-Impfung unter schweren Nebenwirkungen leiden – ja, die gibt es – sind für die effiziente Maßnahmen-Maschine lediglich Fälle, genauso wie die automatisch aufaddierten Zahlen der positiv Getesteten.

Das ''automatische Subjekt''

Vor mehr als 150 Jahren bezeichnete Karl Marx das Kapital treffend als automatisches Subjekt. Es agiere zwar nicht selbständig wie ein Mensch, fungiere aber wie eine aus sich selbst heraus alle wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Prozesse antreibende Maschine. Was er meint, ist die in das System integrierte Verwertungslogik: Kapitalisten investieren Geld in Ressourcen, Maschinen und Arbeitskraft, um daraus mehr Geld zu machen. Wer nicht mitspielt, geht unter, aber wer mitspielt, ist zwangsläufig Rädchen im Getriebe dieses automatischen Subjekts – ein Teufelskreis. 

Die Aktiengesellschaft ist das Symbol dieses automatischen Subjekts schlechthin. Wie der Kapitalismus fungiert sie zwar durch Menschen, zugleich ist sie unabhängig von bestimmten Protagonisten. Ihr Hauptzweck ist die permanente Akkumulation von Geld und Marktmacht, ganz so, wie die Corona-Maschinerie Fallzahlen auf Dashboards akkumuliert. Wer sich mit großen Aktienpaketen einkauft, profitiert mit, doch er kann seine Anteile verkaufen. Der Aktiengesellschaft ist das egal, wer die Anteile besitzt – ihr Selbstzweck, effizient Profit zu maximieren, bleibt davon unangetastet.

Wie eine Aktiengesellschaft kann die kapitalistische Profit-Maschine nicht einfach von einer Einzelperson angehalten werden. Es scheint, als fungiert das globale Corona-Maßnahmen-Management ähnlich. Die Technologie macht es möglich: Tausende eingebundene staatliche Behörden füttern die Zahlenwerke. So ein technokratisches Gebilde schert sich nicht um Widersprüche und absurde Zählweisen, wie etwa die der COVID-Toten.

Zahlen akkumulieren

Einer Maschine kann es nicht einleuchten, dass es irrational ist, in diesen Topf alle ''im Zusammenhang mit dem Coronavirus'' Verstorbenen zu werfen. Auf diese Weise könnte man Tote auch in Kategorien wie ''im Zusammenhang mit dem Herbst verstorben'' einteilen. Maschinen akkumulieren Zahlen nach Vorgabe. Die Menschen hinter diesen Zahlen mit ihren Bedürfnissen verschwinden im technologischen Ablauf.

Der Wahnsinn dieser Corona-Maschinerie liegt wahrscheinlich vor allem darin, dass sie einzig auf eine – ebenfalls auf Computer-Rechenmodellen basierende – Vorgabe zur effizienten Eindämmung eines Erregers ausgerichtet ist. Dass Heilung und Gesundheit von Menschen mehr ist, als die Freiheit von einem bestimmten Virus, spielt in den maschinellen Abläufen keine Rolle. Der Mensch wird darin zur Verfügungsmasse, zu einem bloßen epidemiologischen Faktor, zu einer Zahl, einem Fall.

So verwundert es nicht, wenn Kranke wie epidemiologische Faktoren behandelt, besser gesagt: nicht behandelt werden. Es verwundert ebenso wenig, dass in die Maßnahmen-Maschinerie eingebundene Behörden den zur Verfügungsmasse degradierten, in die Isolation abgesonderten, von 21 Monaten Angstpropaganda zermürbten COVID-19-Patienten die Existenz zusätzlich zu einer Hölle machen, in der es gar kein Coronavirus mehr bräuchte, um Schwerkranke zu produzieren, die sich schlussendlich in einer nicht minder kalten Apparate-Medizin wiederfinden.

Widersprüche ignoriert

Das gleiche technokratische Schema zeigt sich in der Impfkampagne. Die Widersprüche, die sich dabei auftun, sind gigantisch. Nur ein Beispiel: Seit Monaten nehmen sogenannte Impfdurchbrüche – also Impfversager – zu, inzwischen auch bei Drittgeimpften. Das zeigt deutlich, dass sich die Wirksamkeit der verspritzten mRNA- und Vektor-Vakzine in Grenzen hält. Gleiches belegen steigende Inzidenzen in Ländern mit hoher Impfquote, wie Portugal, Dänemark oder Irland sowie der Umstand, dass die neue Omikron-Variante des Virus jedenfalls laut Berichterstattung stark bei Geimpften auftritt.

So twitterte etwa der Charité-Virologe Christian Drosten zu einem Omikron-Ausbruch in Norwegens Hauptstadt Oslo: "Praktisch alle Infizierten sind doppelt geimpft und trotzdem symptomatisch, die Hälfte mit Fieber."

Eine Gruppe von Reiserückkehrern aus Südafrika soll kürzlich das Virus nach Deutschland mitgebracht haben, obwohl alle sogar bereits die dritte Impfung bekommen hatten.

Doch anstatt darüber nachzudenken, ob man vielleicht andere Wege finden müsste, zum Beispiel die Entwicklung guter Heilmethoden und das sofortige Unterlassen dauernder Panikmeldungen, ist die einzige Antwort der politischen Akteure eine allgemeine Impfpflicht, inklusive schärfster Repressionen gegen alle, die sich dem nicht aussetzen mögen.

Die Frage, ob es vielleicht sogar an diesen Impfungen liegt, dass immer neue Fluchtvarianten des Coronavirus entstehen, scheinen sich die Regierenden nicht zu stellen. Mehr noch: Wer derlei Fragen stellt, läuft Gefahr, am öffentlichen Pranger der Leitmedien zu landen oder seinen Arbeitsplatz zu verlieren.

Strukturelle Gewalt

Das gegenwärtige absolutistische Vorgehen der Regierenden, nicht nur in Deutschland, droht in einem Exzess struktureller Gewalt zu münden, welche in latenter Form allen Herrschaftssystemen inhärent ist. Gewalt führt meistens zu Gegengewalt, die sich eben nicht an Computermodellen orientiert.

Mit ihrem Vorgehen walzt die Politik auch die Menschlichkeit nieder – für ein fiktives Ziel, das von Maschinen berechnet sein mag. Aber Computer sind eben nicht lebendig, bringen nichts Lebendiges hervor, und ihre Logik entspricht nicht den Bedürfnissen, ja, nicht der Realität lebendiger Wesen. Eine Epidemie ist kein Computermodell. So fulminante Widersprüche lassen sich im echten Leben nicht einfach mit einem Mausklick entfernen oder mit absurden Begründungen vom Tisch fegen. Menschliche Kollateralschäden sind mehr als nur Fallzahlen auf einem Dashboard.

Jetzt, zum zweiten Corona-Weihnachtsfest, wäre eine rationale und wahrhaftige Rückkehr zum Lebendigen, zum Mitgefühl, zur Demut und zur Heilung wohl das größte Geschenk für all die Menschen, die nicht nur unter einem Virus leiden, sondern vermutlich viel stärker unter einem immer totalitäreren Entzug ihrer Selbstwirksamkeit. Eine Option für ein dauerhaftes Gesellschaftsmodell ist letzteres nicht, das beweist die Geschichte. Doch eines ist auch klar: Menschliche Werte sind nicht Teil der technokratischen Profit-Maschine.

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