Nordamerika

Jeffrey Epstein in Bill Clintons Amtszeit 17-mal zu Gast im Weißen Haus

Aktuell veröffentlichte Besucherprotokolle belegen, dass der inzwischen verstorbene Sexualstraftäter Jeffrey Epstein in der ersten Amtszeit von Präsident Bill Clinton zwischen 1993 und 1995 17-mal zu Besuch im Weißen Haus war.
Jeffrey Epstein in Bill Clintons Amtszeit 17-mal zu Gast im Weißen HausQuelle: www.globallookpress.com © RW/MediaPunch via www.imago-imag

Eine Analyse von Bernhard Loyen

Die nun veröffentlichten Zahlen beruhen auf Inhalten der Besucherprotokolle des Weißen Hauses, die die britische Daily Mail im Rahmen des Freedom of Information Act beantragt und erhalten hatte.

Demnach besuchte der Pädophile Jeffrey Epstein das Weiße Haus während Bill Clintons erster Amtszeit sage und schreibe 17-mal. An manchen Tagen soll er das Haus sogar dreimal betreten haben. Zugang erhielt Epstein laut den Unterlagen regelmäßig über den Eingang des West Wing. Der West Wing ist als Teil des "White House Complex" der Gebäudeflügel, in dem die offiziellen Büros des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika untergebracht sind.

Die Beziehung zwischen Epstein und Clinton reicht mindestens bis zum Beginn der Präsidentschaft Clintons zurück. Laut den Protokollen besuchten Epstein und seine damalige Lebensgefährtin Ghislaine Maxwell das Weiße Haus nur einen Monat nach Clintons Amtsantritt im Februar 1993.

Den Protokollen zufolge wurde Epstein erstmals am 25. Februar 1993, nur einen Monat nach Clintons Amtsantritt, als Gast aufgenommen, nachdem er von Robert Rubin, dem damaligen Assistenten des Präsidenten für Wirtschaftspolitik, eingeladen worden war. Rubin war später zehn Jahre lang Vorsitzender des einflussreichen Council for Foreign Relations (Rat für auswärtige Beziehungen), nachdem er Clintons Finanzminister gewesen war. Über eine Sprecherin lässt Rubin nun erklären, sich nicht an ein Gespräch oder Treffen mit Epstein erinnern zu können.

Epsteins nächster Besuch fand am 29. September 1993 im Rahmen eines Empfangs statt, der von der White House Historical Association organisiert wurde, nachdem er 10.000 Dollar gespendet hatte. Bei diesem Event wurde er in Anwesenheit Maxwells mit Clinton im Weißen Haus fotografiert.

Laut Daily Mail erfolgten 1993 noch zwei weitere Besuche Epsteins im Weißen Haus. Die Gründe der Besuche wurden in den Protokollen nicht angegeben. Zumindest gibt es laut Daily Mail den Zeithinweis, dass Epstein das Weiße Haus am 17. Dezember 1993 um 9.27 Uhr betreten hatte, weniger als 45 Minuten bevor Bill und Hillary Clinton den inzwischen verstorbenen Verlagsmilliardär Walter Annenberg und Leonore Annenberg für ihre damalige 500 Millionen Dollar schwere Spende zur Verbesserung des Bildungswesens ehrten.

In einem Artikel in der New York Post vom 17. Dezember 1993 heißt es: "Bei einer Zeremonie im Roosevelt Room des Weißen Hauses sagte Clinton, dass das Geld 'zu keinem besseren Zeitpunkt hätte kommen können'. (...) Hillary Rodham Clinton und Bildungsminister Richard C. Riley gehörten zu den Anwesenden und Freunden Annenbergs bei der Zeremonie." Wie man nun weiß, war auch ein gewisser Jeffrey Epstein zumindest im gleichen Gebäudekomplex, da der Roosevelt Room zu den Räumlichkeiten des West Wing gehört.

1994 erfolgten insgesamt neun Besuche im März, April, Mai, Juni, Juli, September und Oktober. Bei drei Besuchen im April, Mai und Juli 1994 soll sich Epstein laut Besuchsprotokollbuch jeweils zweimal am jeweiligen Tag im Weißen Haus aufgehalten haben.

Mindestens einer von Epsteins Besuchen im Weißen Haus fiel mit einem Besuch des ehemaligen Senators George Mitchell zusammen, der von Virginia Roberts Giuffre als ein Mann genannt wird, dem Epstein sie für Sex vermittelt hatte. Mitchell bestreitet weiterhin alle derartigen Ereignisse und Vorwürfe.

Der letzte dokumentierte Besuch erfolgte demnach im Januar 1995. Gut zwei Monate später nahm Epstein am 31. März 1995 an einer Benefizveranstaltung in Palm Beach in Florida teil, dem Bill Clinton Fundraising Dinner. Epstein war als "business executive" eingeladen. Jeder Gast musste 100.000 Dollar spenden, um teilnehmen zu können.

Alle nun bekannt gewordenen Termine Epsteins im Weißen Haus werden in dem Artikel der Daily Mail chronologisch dargelegt, teilweise durch Fotos belegt und in Bezug auf involvierte Personen aus dem Umfeld Clintons inhaltlich erläutert.

Dieses Aufeinandertreffen Clintons und Epsteins lässt die neuesten Veröffentlichungen um so skandalöser erscheinen, da Clinton noch im Jahre 2019, nach der damaligen Verhaftung Epsteins, in einem Statement behauptete, er habe nur "ein Treffen mit Epstein in seinem Büro in Harlem im Jahr 2002 gehabt und etwa zur gleichen Zeit einen kurzen Besuch in Epsteins New Yorker Wohnung mit einem Mitarbeiter und seinem Sicherheitsdienst gemacht". 

Diese neuen Enthüllungen vergrößern den sehr dunklen Schatten, der auf Clintons Freundschaft mit Epstein liegt. Als der beschuldigte Pädophile nach seiner Verhaftung 2019 im Gefängnis zu Tode kam, behauptete Ex-Präsident Clinton, er habe "nichts von den schrecklichen Verbrechen" gewusst, die Epstein begangen haben soll.

Und obwohl Epsteins Verbrechen erst nach seiner ersten Verhaftung im Jahr 2006 öffentlich bekannt wurden, fielen die Besuche im Weißen Haus nun nachweislich in denselben Zeitraum, in dem aktuell Epsteins ehemalige Lebensgefährtin Maxwell beschuldigt wird, minderjährige Mädchen für Epstein rekrutiert zu haben. Die 59-jährige Maxwell wird aktuell angeklagt, zwischen 1994 und 2004 Epsteins Zuhälterin gewesen zu sein, und gilt als treibende Kraft und Managerin des verbrecherischen und menschenverachtenden "Systems Epstein".

Zusätzlich zu seinen zahlreichen Treffen mit Epstein im Weißen Haus ist bekannt, dass Clinton während und nach seiner Präsidentschaft etwa 26-mal mit dem Privatjet "Lolita Express" des verurteilten Sexualstraftäters geflogen ist. Obwohl er beteuerte, er habe nichts von den "pädophilen Neigungen" seines Freundes gewusst, überschnitt sich Clintons erste Amtszeit mit Handlungen, deretwegen Maxwell derzeit in einem Strafverfahren wegen sexuellen Kinderhandels angeklagt ist. Bei mindestens zehn von Clintons Lolita-Express-Reisen blieb sein Geheimdienst zu Hause.

Epstein und Clinton standen sich zumindest so nahe, dass die Anwälte des Pädophilen noch 2019 behaupteten, Epstein habe dem Ex-Präsidenten bei der Entwicklung der Clinton Global Initiative geholfen, dem lukrativen philanthropischen Projekt, auf das sich Clinton und seine Frau nach seiner Präsidentschaft konzentrierten.

Ein Artikel des National Review aus dem Juli 2019 beschreibt die geschäftliche Verbindung dieser undurchsichtigen Bekanntschaft: "Epstein war Teil der ursprünglichen Gruppe, die die Clinton Global Initiative konzipierte, die als ein Projekt beschrieben wird, das 'eine Gemeinschaft von globalen Führungskräften zusammenbringt, um innovative Lösungen für einige der dringendsten Herausforderungen der Welt zu entwickeln und umzusetzen'."

Zudem war Epsteins Lebensgefährtin Maxwell nachweislich im Jahre 2010 bei der Hochzeitsfeier von Clintons Tochter Chelsea anwesend.

Es wird sich daher zeitnah zeigen, ob der ehemalige US-Präsident Clinton durch diese neuen Enthüllungen noch eine Vorladung zur Gerichtsverhandlung im Fall Maxwell erhalten wird.

Mehr zum Thema - Prozess gegen Epstein-Vertraute: Zeugin berichtet von jahrelangem sexuellen Missbrauch

RT DE bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.

Liebe Leser und Kommentatoren,

wir schätzen die Möglichkeit sehr, Ihnen mit der Kommentarfunktion eine Plattform zum gegenseitigen Austausch bieten zu können. Leider müssen wir diese Möglichkeit vorübergehend einschränken, bis effektive Mittel und Wege gefunden sind sicherzustellen, dass dieses Kommunikationsmittel nicht missbraucht wird.

Das Kommentieren auf unserer Website soll für alle so sicher und so wenig einschränkend wie möglich sein, bei alledem jedoch Hass, Hetze und Beleidigungen konsequent ausschließen.

Ihr RT DE-Team