Nordamerika

"Nicht von Fakten gedeckt": Facebook weist Bidens Vorwurf über "Töten von Menschen" zurück

Nachdem US-Präsident Joe Biden soziale Medien beschuldigt hatte, "Menschen zu töten", weil die Plattformen nicht genug tun, um Falschinformationen über Corona zu zensieren, feuerte Facebook zurück und behauptet, dass es eigentlich "hilft, Leben zu retten".
"Nicht von Fakten gedeckt": Facebook weist Bidens Vorwurf über "Töten von Menschen" zurückQuelle: Reuters © Dado Ruvic

Die Impfkampagne in den USA ist zuletzt ins Stocken geraten. Die US-Regierung macht dafür unter anderem die Falschinformationen über das Coronavirus und die Impfstoffe in sozialen Netzwerken mitverantwortlich. Unter anderem durch die Verbreitung von Fake News über Plattformen wie Facebook käme es zur abwartenden oder gar ablehnenden Haltung vieler US-Amerikaner gegenüber den Corona-Impfstoffen. US-Präsident Joe Biden griff die sozialen Medien bei einem Pressetermin am Freitag gar direkt an und machte sie für den Tod vieler Menschen verantwortlich. Angesprochen auf die Verbreitung von Fehlinformationen zum Coronavirus über Plattformen wie Facebook sagte Biden:

"Sie töten Menschen."

Die Pandemie in den USA sei zu einer "Pandemie unter Ungeimpften" geworden, ergänzte der 78-Jährige. Zuletzt ist in den Vereinigten Staaten die Zahl der neu registrierten Corona-Fälle wieder angestiegen. Demnach geht dies unter anderem auf die Ausbreitung der als viel ansteckender geltenden Delta-Variante des SARS-CoV-2-Erregers zurück. Vor allem in Regionen, in denen die Impfquote niedrig ist, soll der Anstieg neuer Corona-Fälle rasant sein.

Kurz nach Bidens Aussagen meldete sich Facebook zu Wort. Das Unternehmen feuerte zurück und behauptete, in Wahrheit zu "helfen, Leben zu retten". In einer Unternehmensmitteilung erklärte Facebook-Sprecherin Dani Lever:

"Wir werden uns nicht von Anschuldigungen ablenken lassen, die nicht von den Fakten gedeckt sind."

Es sei eine Tatsache, dass mehr als zwei Milliarden Menschen wichtige und akkurate Informationen zum Coronavirus und Impfungen auf Facebook gefunden hätten. Zudem hätten 3,3 Millionen US-Amerikaner eine Facebook-Funktion genutzt, mit der Nutzer herausfinden können, wie und wo sie geimpft werden können. "Die Tatsachen zeigen, dass Facebook hilft, Leben zu retten. Punkt", heißt es weiter in der Facebook-Mitteilung vom Freitag.

Parallel zu Bidens Vorwurf der "Tötung von Menschen" gegen Social-Media-Plattformen wie Facebook hatte sich auch die Pressesprecherin des Weißen Hauses Jen Psaki am Freitag zum selben Thema geäußert. So hatte Psaki unter anderem die umstrittene "Markierung problematischer Beiträge" im Zusammenhang mit Coronavirus und Impfstoffen verteidigt. Auch sie behauptete, dass wegen "Falschinformationen", die in den sozialen Netzwerken verbreitet werden, Menschen stürben.

Laut Psaki müsste Facebook Beiträge schneller entfernen, die gegen die Richtlinien verstießen und falsch seien. Einige Beiträge blieben tagelang online. "Das ist zu lange, Informationen verbreiten sich zu schnell", so Psaki. Etwa zwei Drittel der Falschinformation gehe nur auf ein Dutzend Konten zurück, weshalb Facebook leicht dagegen vorgehen könnte, argumentierte die Pressesprecherin des Weißen Hauses. Gegen falsche Behauptungen wie das Gerücht, wonach Corona-Impfungen angeblich zu Unfruchtbarkeit führen könnten, müsse vorgegangen werden, forderte sie.

Die Kritik der US-Regierung an sozialen Medien wurde diese Woche deutlich verschärft. So hatte etwa der oberste Gesundheitsbeamte der US-Regierung Vivek Murthy die Falschinformationen am Donnerstag offiziell zu einem Gesundheitsrisiko erklärt. Er sagte:

"Wir leben heute in einer Welt, in der Fehlinformationen eine unmittelbare und heimtückische Bedrohung für die Gesundheit unserer Nation darstellen."

Demnach hätten während der Pandemie Fake News etwa dazu geführt, dass Menschen keine Masken getragen hätten. Nun entschieden sich Menschen aufgrund von Fehlinformationen zu Corona-Impfstoffen dazu, sich nicht impfen zu lassen.

Facebook ist seit Beginn der Pandemie gegen Informationen über das Coronavirus vorgegangen, die nicht mit den offiziellen Standpunkten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der lokalen Regierungen übereinstimmten. Im März hatte der Gründer und CEO Mark Zuckerberg zudem angekündigt, dass die Plattform mit Gesundheitsbehörden zusammenarbeitet, um Impftermine über den zu Facebook gehörenden Messaging-Dienst WhatsApp zu ermöglichen.

In seinem Bemühen, seine Nutzer dazu zu bewegen, sich impfen zu lassen, gab Facebook bekannt, dass es unter anderem Impfstellen in der Nähe anzeigen würde. Zudem kündigte das Unternehmen die Einführung der sogenannten Pop-up an. So sollten durch einblendende  Benachrichtigungen über Corona-Impfungen demnach diejenigen, die mit der Immunisierung noch zögerten, davon überzeugt werden, dass die Impfstoffe sicher und effektiv sind.

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