Nordamerika

US-General verharmlost Bericht über 1.900 verlorene und gestohlene Militärwaffen

Der ranghöchste Offizier des US-Militärs spielt Berichte herunter, laut denen das Pentagon in den 2010er-Jahren den Überblick über fast 2.000 Waffen verloren hat. Einige davon sollen später für Verbrechen verwendet worden sein. Die wahre Zahl sei deutlich niedriger.
US-General verharmlost Bericht über 1.900 verlorene und gestohlene MilitärwaffenQuelle: Reuters © Jonathan Drake

Bei einer Anhörung im US-Senatsausschuss wurde General Mark Milley, der Vorsitzende des US-Generalstabs, zu einer kürzlich durchgeführten Untersuchung der Associated Press befragt, in der berichtet wird, dass in den vergangenen zehn Jahren mindestens 1.900 Kleinwaffen aus militärischen Einrichtungen verschwunden sind. Zu den Waffen gehören der Untersuchung zufolge Gewehre, Schrotflinten, Pistolen, Maschinengewehre und sogar Granatwerfer. Milley entgegnete, dass die Autoren übertrieben hätten und fügte hinzu, er sei von dem Bericht schockiert gewesen. Der General erklärte:

"Die Zahlenberichte, die ich von den Diensten ab heute Morgen vorliegen habe, sind deutlich geringer, als in den Medien berichtet wurde. Das heißt nicht, dass die Zahl bei null liegt, aber sie ist viel geringer."

Er fügte hinzu, dass das US-Militär die Sicherheit der Waffen "außerordentlich ernst" nimmt.

Milley erklärte, das Pentagon könne nicht alle der drei Millionen Kleinwaffen unter seiner Kontrolle nachverfolgen, und betonte zugleich, dass solche Fälle "rigoros untersucht werden". Er versprach den Senatoren nach Rücksprache mit den verantwortlichen Stellen eine verlässliche Antwort auf die Frage nach der genauen Anzahl der fehlenden Waffen.

Auf die Besonderheiten des AP-Berichts ging der General nicht ein. Und das, obwohl die Untersuchung Jahre in Anspruch genommen hat und interne Aufzeichnungen der Marineinfanterie, der Marine, der Luftwaffe und des Heeres enthält. Die Nachrichtenagentur fand heraus, dass Waffen aus allen Teilstreitkräften verschwunden sind. Allerdings beklagt das Heer mit etwa 1.300 Stück den mit Abstand größten Verlust.

Zudem fand AP heraus, dass mehrere der gestohlenen Waffen später bei Gewaltverbrechen zum Einsatz kamen, darunter Pistolen vom Typ M9, die bei Schießereien unter Zivilisten verwendet wurden.

Auf die Frage nach diesen Erkenntnissen während einer Senatsanhörung Anfang dieser Woche spielte auch Armeesekretärin Christine Wormuth den Bericht herunter. Sie erklärte, dass sie das Problem zwar untersuchen werde, aber nur das Aufspüren einer "kleinen Anzahl" von verlorenen Waffen voraussehe. Sie plädierte dafür, die Rechenschaftspflicht über Waffen wieder in Kraft treten zu lassen, da das Pentagon früher jährliche Updates über verlorene und gestohlene Waffen veröffentlicht hatte, bevor diese Anforderung entfiel.

Trotz seiner Skepsis gegenüber dem Bericht verkündete Milleys Sprecher Oberst Dave Butler der AP, dass der US-General in Zukunft eine "systemische Korrektur" in Betracht ziehen würde, die das Nachverfolgen von Waffen "einfacher und genauer" machen soll.

Das Militär kämpft nicht nur darum, den Überblick über die in der Heimat gelagerten Waffen zu behalten. Der Generalinspekteur des Verteidigungsministeriums stellte im vergangenen Jahr fest, dass die Behörde es versäumt hatte, über Waffen im Wert von 715 Millionen US-Dollar Rechenschaft abzulegen, die zur Bewaffnung der kurdisch geführten Kämpfer in Syrien verwendet wurden. Waffen, die an Verbündete wie Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate verkauft wurden, sind Berichten zufolge auch in die Hände von al-Qaida und anderen dschihadistischen Gruppen gelangt, ebenso wie von der CIA gelieferte Waffen.

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