Meinung

Ein Jahr Corona im Schlaglicht

Fast ein Jahr ist vergangen, seit im Zuge der COVID-19-Pandemie die ersten Maßnahmen erlassen wurden. 365 Tage in permanenter Ungewissheit: Was wird aus dem Job, aus der Schulbildung der Kinder, aus unserer Gesundheit? Hier ein verzweifeltes Resümee und der Versuch einer Erklärung.
Ein Jahr Corona im SchlaglichtQuelle: www.globallookpress.com © Tobias Schwarz/dpa

von Stephan Fein

Impfstoffmangel. Ich kann's nicht mehr hören! Wer auch? Seit fast einem Jahr quälen wir uns durch Abstandsregeln, Hygienemaßnahmen, Schließungen. Erst gab es keine Masken, dann welche mit Abgeordneten-Bonus. Der Rest der Bevölkerung bekommt Kurzarbeitergeld, Corona-November-Geld im März, Depressionen. Man hört von Gangstern, die mehrere Millionen an Abschlagszahlungen für verzweifelte Ladenbesitzer aus dem Wirtschaftsministerium umleiteten. Es wurden 16 verschiedene Lockup- und Lockdown-Szenarien in zwei Variationen geboten. Vieles bot Wiederholungen. Nur der Friseur hat zuerst offen.

Wir ertrugen Millionen ausgefallene Herbst-, Winter- und Osterurlaube und laborierten an steigender häuslicher Gewalt. Wir ertrugen leere und volle Schulen, leere Testzentren, nur keine vollen.

Dann die bei Aldi ausverkauften Tests, die ab Anfang März kostenlos sein sollten. Und jetzt, still und leise, kam die Begründung für das Schlamassel in Form einer dpa-Meldung um 15.43 Uhr: "Hersteller exportierten 34 Millionen Dosen aus EU. Pharmahersteller haben seit 1. Februar rund 34 Millionen Dosen Corona-Impfstoff aus der Europäischen Union an etwa 30 Länder in aller Welt geliefert. Dies bestätigen EU-Kreise in Brüssel."

Na, dann ist ja alles klar bei Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Das war die, die sich rühmte, bei der Impfstoffbestellung im letzten Jahr alles richtig gemacht zu haben. Die, die ohne auf dem Wahlzettel zu stehen, gewählt wurde. Bei der EU war sie etwa so effizient wie sie bei der Bundeswehr zuvor alles kaputtgespart hatte.

Während in San Diego (USA) sogar die Orang-Utans im Zoo geimpft werden, Israel, Chile, Großbritannien, Serbien und ein Dutzend anderer Länder in puncto Impfen an uns EUlern mühelos vorbeizogen, wissen wir jetzt, warum wir immer noch in Warteposition auf den Pikser kreiseln und langsam den Verstand verlieren.

Weiter in der Meldung: Neun Millionen der seltenen EU-Dosen sind nach Großbritannien gebracht worden, eine Million in die USA. Erst dann kam der EU-Exportstopp für 250.000 Impfdosen von AstraZeneca an Australien.

Die Briten waren pikiert. Sofort lenkte EU-Ratschef Charles Michel ein. Natürlich könnten die Brexiter von der EU noch einen Nachschlag bekommen. Unterdessen stoppten die USA und Großbritannien Impfstoffexporte faktisch ganz.

Und in Berlin lenkt man sich mit weiteren sechs Testzentren ab. In den bestehenden 16 ist alles ausgebucht. Testparty. Was aber macht man, wenn man positiv getestet wurde? Antwort: Man macht einen PCR-Test. Der kostet rund 80 Euro und niemand weiß, wer wann wie viel Geld von wem zurückbekommt. Aber immerhin hat Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci wieder ein neues Corona-Wort erschaffen: "To-go-Stationen". Nach Kreationen wie "Impf- und Beatmungspflichtige" und der höchstansteckenden "Kombi-Mutante" von RKI-Chef Lothar Wieler dürften sicherlich weitere folgen. Und noch mehr Spanisch für Anfänger: Zunächst können wir nach Jens Spahn die "Priorisierung flexibler handhaben", wenn nur mehr Stoff von dem, den wir weggegeben haben, da wäre. Wenn. Und was sagt man nach einem Jahr der politischen Corona-Stöpselei auf aller höchster Ebene zum Trost zum Stoff des Albtraums: Wir haben's erfunden. Das Fazit nach einem Jahr des Wartens: Germany – zero points!

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