Meinung

USA bekommen die Art von "Demokratie", die sie woanders erzwingen wollten

Demonstranten stürmten den Kongress, um gegen eine Präsidentschaftswahl zu protestieren, von der sie behaupten, sie sei gefälscht worden. Als dies in Serbien im Jahr 2000 geschah, nannten es die USA Demokratie. Nicht so sehr, als es in Washington, D.C. geschah.
USA bekommen die Art von "Demokratie", die sie woanders erzwingen wolltenQuelle: AFP © Saul Loeb

von Nebojša Malić

Die Szenen aus dem US-Kapitol am Mittwoch, als Demonstranten, die Präsident Donald Trump unterstützen, die Sitzung des Kongresses störten, wo die Wahl des Demokraten Joe Biden bestätigt werden sollte, erinnerten sehr an Belgrad im Oktober 2000.

Der Anblick wiederholte sich später in der Ukraine, sogar zweimal: 2004 und 2014, in Georgien, Moldawien, Weißrussland und mehreren zentralasiatischen ehemaligen Sowjetrepubliken. Bei jeder dieser Gelegenheiten unterstützten die USA die "Volksmacht", weil amerikanische NGOs und Botschaften stets unterstützten, was als "farbige Revolutionen" bekannt gemacht wurde.

Das Gleiche geschah 2011 mit dem "Arabischen Frühling", der in Tunesien begann und sich dann seinen Weg über Nordafrika bis zum Persischen Golf bahnte. An einigen Orten war er "erfolgreich" und stürzte jahrzehntealte Regierungen. In anderen Ländern scheiterte er und löste Kriege in Libyen und Syrien und Blut auf den Straßen von Bahrain aus. Wiederum bejubelten die USA dies alles als Demokratie – außer in Bahrain, wo sich ein wichtiger US-Marinestützpunkt befindet.

In jüngster Zeit haben die USA die Präsidentschaftswahlen in Weißrussland, Bolivien und Venezuela als illegitim angeprangert. Während Minsk und Caracas es schafften, sich zu widersetzen – und dafür sanktioniert wurden, waren die "Demokraten" in La Paz eine Zeit lang "erfolgreich", verloren aber schließlich die Wahl im letzten Jahr.

Schon 2004 schrieb die britische Zeitung Guardian voller Anerkennung darüber, wie die USA eine "raffinierte" Operation zur "Konstruktion von Demokratie durch die Wahlurne und zivilen Ungehorsam" geschaffen und seit Belgrad eine "Schablone zum Gewinnen der Wahlen anderer Leute" entwickelt hätten.

Jetzt klammern sich dieselben Mainstream-Medien – die sklavisch der Linie des US-Außenministeriums folgten, wenn sie Wahlen anderswo als "manipuliert" anprangerten, Farbrevolutionen aber als spontane Demokratie anpriesen – an ihre Pfründe, wenn plötzlich US-Amerikaner, die glauben, dass ihre Wahl gestohlen wurde, auf die Straße gehen und ihr Kapitol stürmen.

Aber diese Wahl wurde gar nicht gestohlen, würden sie sagen – sie war so sauber wie frisch gefallener Schnee, die "sicherste jemals". Alle Experten, die uns für vier Jahre die vorherige Wahl als "von Russland gehackt" schilderten, sagen es uns so! Und Joe Biden hat die meisten Stimmen in der Geschichte gewonnen, während er kaum seinen Keller verlassen hat. Ob Sie dieses offizielle Narrativ über die US-Wahl glauben oder nicht, spielt jedoch keine Rolle. Parteiische Kurzsichtigkeit wird einfach nicht zulassen, dass die Menschen das Ausmaß dessen, was vor sich geht, richtig verstehen: Der völlige moralische Bankrott des gesamten US-Establishments in Politik und Medien.

Sowohl Republikaner als auch Demokraten haben jahrelang "farbige Revolutionen" als politische Waffe eingesetzt und Demokratie gepredigt, während ihre Coups mit Astroturfing [künstliche Graswurzelbewegungen, Anm. d. Red] jegliche Spuren davon auslöschten, ob sich das Ganze organisch entwickelt haben könnte. Im letzten Jahr haben sie dies auch zu Hause getan, indem sie COVID-19-Maßnahmen benutzten, um elementare verfassungsmäßige Rechte abzuschaffen, was darin gipfelte, dass sie die Wahlregeln änderten, um "unserer Demokratie" besser zu dienen, was man auch als das definieren kann, was ihnen letztlich die Macht sichert.

Was dachten sie, würden die Menschen tun, wenn alle Wege, ihre Beschwerden zu äußern, verschlossen sind? Sich sanftmütig unterwerfen – oder eine Seite aus dem gleichen Drehbuch nehmen, das die Politiker und die Medien 20 Jahre lang zelebriert hatten?

Und jetzt sagen Sie nicht: "Aber Trump". Der angebliche Nazi und faschistische Diktator selbst befahl den Einsatz der Nationalgarde und Polizei gegen die Demonstranten, die ihn unterstützen – und schützte so die Einrichtungen des Establishments, das wiederum nichts tat. Er ist ein echter Hitler, richtig? Egal, Sie können darauf warten, dass die Medien ihn trotzdem als solchen darstellen werden.

Vielleicht sollten die USA einen langen, strengen Blick auf ihr eigenes Haus werfen, bevor sie weiterhin andere Länder wegen deren angeblichen Mangels an "Demokratie" verurteilen, sanktionieren, das "Regime" dort wechseln oder bombardieren. Vielleicht sollten sie tatsächlich einmal die Frage beantworten, die der russische Präsident Wladimir Putin bereits 2015 vor der UNO stellte, als er die Folgen des "Arabischen Frühlings" ansprach: "Ist Ihnen jetzt klar, was Sie getan haben?"

Aber wir alle wissen, dass das nicht passieren wird, nicht wahr?

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Nebojša Malić ist ein serbisch-amerikanischer Journalist, Blogger und Übersetzer, der von 2000 bis 2015 eine regelmäßige Kolumne für Antiwar.com geschrieben hat und auch als Autor für RT tätig ist.

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