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"Frühling ja nicht mehr fern" – Von der Leyen sieht LNG als Alternative zum Erdgas aus Russland

EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen sieht die europäische Energieversorgung auch dank Flüssiggas vorerst als gesichert an. Dass dies nicht ausreicht, um russisches Erdgas zu ersetzen, gestand von der Leyen zwar ein, ermunterte aber wegen der nahenden wärmeren Saison zu Optimismus.
"Frühling ja nicht mehr fern"  – Von der Leyen sieht LNG als Alternative zum Erdgas aus RusslandQuelle: www.globallookpress.com © Zheng Huansong/XinHua/ Global Look Press

Die EU wird nicht müde, Russland "ernste Konsequenzen" für den Fall einer Aggression gegen die Ukraine anzudrohen. Dabei kam des Öfteren die seit Langem geplante und fertiggestellte Ostseepipeline Nord Stream 2 ins Spiel –  obwohl insbesondere Deutschlands Energieversorgung alles andere als gesichert ist und Europa insgesamt aufgrund der eigenen Planung von russischem Erdgas abhängt.

Nachdem in den vergangenen Wochen kaum ein Tag ohne Drohungen und Vorhersagen des Zeitpunktes einer vermeintlichen Invasion vergangen ist, hat die EU nach Ansicht der Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen umfangreiche Vorkehrungen für den Fall eines Stopps russischer Gaslieferungen getroffen – einen Stopp, der von der Import-Seite und den Verbündeten in den Vereinigten Staaten als Drohung eingesetzt wird, obwohl vonseiten Russlands Gaslieferungen bisher nie als Druckmittel eingesetzt wurden.

Früher im Februar drohte von der Leyen: "Wie wir wissen, hat Russland eine sehr eindimensionale Wirtschaft, die sich hauptsächlich auf den Export von fossilen Brennstoffen konzentriert. Wir wissen, dass es für Russland von entscheidender Bedeutung ist, Zugang zu diesen Gütern und zu Kapital zu haben, und deshalb muss es im Interesse Russlands sein, zu deeskalieren."

Am Mittwoch verkündete die frühere deutsche Verteidigungsministerin gegenüber mehreren Presseagenturen in Brüssel, dass die EU-Kommission in den vergangenen Monaten mit wichtigen Flüssiggasexporteuren gesprochen habe, nämlich mit den Vereinigten Staaten von Amerika, Katar und Ägypten, damit diese ihre Lieferungen aufstocken.

Dass derartige Ansätze auch von Washington vorangetrieben wurden – angeblich, um die Versorgung der Verbündeten in Europa in schwierigen Zeiten zu gewährleisten –, war bereits aus entsprechenden Nachrichten zu entnehmen. Seit Jahren drängten einige interessierte Gruppen in Washington offen darauf, dass Berlin als Verbündeter auf US-Flüssiggas setzen solle, nicht zuletzt zugunsten US-amerikanischer Jobs, Jobs, Jobs.

Vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise standen andere Beweggründe für mehr Flüssiggasimporte im Vordergrund, und es zeigte sich eine gewisse Eile und Verzweiflung: Flüssiggas-Tanker aus oder auf dem Weg nach Asien machten kehrt, Katar musste als Alternative aufgrund mangelnder Kapazitäten passen und Japan sagte nach entsprechendem Lobbyieren aus Washington zu, Frachter-Ladungen abzuzwacken und gen Europa umzuleiten.

Auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat bei einem Besuch in Mecklenburg-Vorpommern am Montag Flüssiggas als mögliche Übergangslösung bei der Energiewende zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit angeführt. Längerfristig könne man laut Habeck zur Verringerung der Abhängigkeit von Gas auf die Produktion von Wasserstoff setzen. Zwischenzeitlich könne man den Bau von LNG-Terminals vorantreiben.

Dabei ist die Lieferung als Flüssigerdgas (LNG) anstelle der Lieferung von Erdgas per Pipeline nicht nur hinsichtlich der bei fossilen Quellen vielbeschworenen ökologischen Bedenken eine fragwürdige Alternative, sondern auch im Hinblick auf die absehbar höheren Kosten. Vor allem aber ist die Lieferung per Tanker teurer weil sie auch komplizierter, langsamer und womöglich nicht weniger krisenanfällig. Eine Erhöhung von Produktions- und Verflüssigungskapazitäten lässt sich nicht durch Umlegen eines Schalters erreichen.

Insbesondere aber gibt es mit Blick auf die Versorgungslage hierzulande den Haken, dass Deutschland mangels Terminals für LNG überhaupt gar keine Anlieferungsmöglichkeiten oder notwendige Infrastruktur besitzt. Der Bau und Betrieb des seit Jahren in Planung befindlichen Terminals für Flüssigerdgas (LNG) im schleswig-holsteinischen Brunsbüttel rückt eher weiter in die Ferne.

Laut von der Leyen gibt es jedoch wenige Probleme, man habe bereits mit wichtigen Flüssiggas-Importeuren wie Japan und Südkorea ausgehandelt, dass diese der EU eigene Bestellungen zur Verfügung stellten. So könnten ja dann beispielsweise Schiffe mit Flüssiggas aus Katar statt nach Japan nach Europa geschickt werden. Im Januar habe die EU dank dieser Bemühungen mit rund zehn Billionen Kubikmetern eine Rekordmenge Flüssiggas importiert, erklärte von der Leyen. Förderlich sei zudem, dass die EU seit den Spannungen um die Ukraine im Jahr 2014 ihr Leitungsnetz ausgebaut und die Kapazitäten der Flüssiggasterminals aufgestockt habe.

"Unsere Modelle zeigen jetzt, dass wir bei einer gedrosselten Versorgung oder weiter sinkenden Gaslieferungen durch (den russischen Gaskonzern) Gazprom eher auf der sicheren Seite sind", sagte von der Leyen. Jedoch musste sie auch eingestehen, dass bei einem totalen Lieferstopp aber noch "Notfallmaßnahmen" ergriffen werden müssten.

Jüngst hatten Verhandlungen Washingtons mit Katar – einem hinsichtlich der Menschenrechtslage und anderer von NATO-Mitgliedern propagierter Werte nicht eben ganz makelfreien Staat, der dennoch von Washington den Status "wichtiger Nicht-NATO-Verbündeter" erhält – bereits in den vergangenen Wochen gezeigt, dass die Kapazitäten des weltgrößten LNG-Produzenten alles andere als ausreichend wären, um Europas Gasversorgung aus Russland zu ersetzen. Doch womöglich kommt nun auch die meteorologische Komponente der US-Expertise ins Spiel, wonach die Verschärfung der Ukraine-Krise wetterabhängig sein soll.

Denn während auch von der Leyen darüber informiert ist, dass die EU in hohem Maße von russischen Gaslieferungen abhängt – die EU decke derzeit knapp ein Viertel (24 Prozent) ihres Energiebedarfs mit Gas, wovon wiederum 90 Prozent importiert würden und 40 Prozent der Importe stammten von Gazprom, frohlockte die EU-Kommissionspräsidentin, dass ja nun die kalte Jahreszeit bald hinter uns liege: Der Frühling sei ja nicht mehr fern, dann werde mit steigenden Temperaturen der Energiebedarf fürs Heizen sinken.

Womöglich auf der Basis dieser ausgefeilten Logik sah sich von der Leyen ermutigt, Russland für den Fall einer militärischen Aggression gegen die Ukraine erneut mit schneller Vergeltung in Form von Sanktionen zu drohen. "Wir haben hart gearbeitet, um mit unseren Partnern innerhalb weniger Tage eine gemeinsame Antwort geben zu können", drohte von der Leyen.

Inwieweit die Energieversorgung Europas weniger eine privatwirtschaftliche  als eine geopolitische Angelegenheit ist, ist wohl auch eine Frage nach den jeweilig aktiven Akteuren. Laut einem Bericht der katalanischen Zeitung La Vanguardia unter Berufung auf Quellen in der spanischen Regierung befasst sich das Militärbündnis NATO mit der Möglichkeit des Baus einer Gaspipeline, die algerisches Gas und Flüssiggas auf den europäischen Markt liefern würde, "um die Abhängigkeit Mitteleuropas von russischem Gas zu verringern".

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