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Cyberangriff: Zehn Staaten simulierten den Zusammenbruch des Finanzsystems

2008 standen weltweit Banken vor dem Zusammenbruch. Ursache war die Spekulation mit hypothekengesicherten Wertpapieren. Anfang Dezember dieses Jahres fand eine Simulation statt, bei der ein Cyberangriff als Ursache galt. Das, was geübt wurde, kann aber auch ohne einen "Angriff" eintreten.
Cyberangriff: Zehn Staaten simulierten den Zusammenbruch des FinanzsystemsQuelle: www.globallookpress.com © Christoph Hardt via www.imago-im

Am 9. Dezember fand in Israel eine Veranstaltung statt, bei der Vertreter von zehn Staaten eine Simulation einer größeren Cyberattacke auf das weltweite Finanzsystem durchspielten. Ziel war es, den möglichen Schaden für die Finanzmärkte und die Banken zu begrenzen.

Die Veranstaltung war ursprünglich im Rahmen der Weltausstellung in Dubai geplant und wurde wegen Omikron verlegt und überwiegend per Videokonferenz abgehalten. Teilnehmer der Übung unter der Bezeichnung "Kollektive Stärke" waren Vertreter der Finanzministerien aus den USA, Großbritannien, Deutschland, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Italien, Israel und Thailand, außerdem Vertreter des IWF, der Weltbank und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel, Schweiz.

Der angenommene Cyberangriff erstreckte sich über zehn Tage und umfasste die Veröffentlichung sensibler Daten im Darknet und – so Reuters in seiner Meldung – von "Fake-News-Berichten", die zum Chaos und zu einem Run auf die Banken führten. Aufgabe der Teilnehmer war es, einen Zusammenbruch der Banken und ihrer Vernetzung zu verhindern; jedoch nicht, den Schaden für die betroffenen Volkswirtschaften möglichst klein zu halten.

Das entspricht dem Muster, wie mit der Finanzkrise 2008 umgegangen worden war. Die Banken wurden vorbehaltslos gestützt, die Schäden für die Volkswirtschaften und für die Bevölkerung waren auch damals unwichtig. So wurde in Deutschland seinerzeit die Deutsche Bank durch eine Bürgschaft in Höhe von 250 Milliarden gerettet, obwohl der Schaden, wie in der Folge ein Untersuchungsausschuss des US-Kongresses belegen konnte, durch betrügerisches Verhalten bei der Ausgabe hypothekengedeckter Wertpapiere (MBS) ausgelöst worden war. Die deutsche Staatsverschuldung sprang damals von 60 auf über 90 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsprodukts.

Den Teilnehmern wurde laut Reuters ein Film vorgespielt, der die Konsequenzen des Angriffs zeigen sollte, bis hin zu Straßenunruhen. "Die Banken bitten in einer Vielzahl von Währungen um Notfall-Liquidität, um das Chaos zu beenden, das dadurch entsteht, dass Kunden ihre Einlagen abziehen und der begrenzte Zugriff auf Liquidität die Banken in Unordnung und den Ruin treibt", wird der Erzähler des Films zitiert.

Die Lösungsansätze, die von den Teilnehmern diskutiert wurden, umfassten eine koordinierte Bankenschließung, Schuldenmoratorien, SWAP- und REPO-Verträge und eine abgestimmte Abkopplung von größeren Währungen.

Einer der europäischen Teilnehmer erklärte den Zeitraum von zehn Tagen, den die Simulation umspannte, für viel zu lang. "Zumindest in der Europäischen Union hätten wir, sobald die Geldversorgung beeinträchtigt wird, vermutlich noch am selben Tag eine Notfallsitzung", erklärte er.

Wer sich bei dieser Simulation an die Pandemie-Simulationen erinnert fühlt, liegt nicht völlig falsch. Mit dem IWF, der Weltbank und der relativ unbekannten, aber zentralen BIZ waren die drei Kerninstitutionen des westlichen Finanzsystems an der Simulation beteiligt. Die Mittel, die zur Krisenbewältigung genutzt wurden, sind einseitig auf das Wohl der Banken ausgerichtet. Und es kann davon ausgegangen werden, dass die Ergebnisse dieser Simulation zumindest den Charakter einer inoffiziellen Vereinbarung unter den Teilnehmern haben. Damit fand vorab schon eine Verabredung statt, wie auf einen erneuten drohenden Zusammenbruch des Finanzsystems reagiert werden solle: So, wie beim letzten Mal nach der Pleite von Lehman-Brothers.

Ein Cyberangriff ist allerdings nur eine der Möglichkeiten, wie ein solcher Zusammenbruch ausgelöst werden könnte. Der augenblickliche Zustand der weltweiten Lieferketten und die Entwicklung auf den europäischen Gas- und Strommärkten stellen weitere, realistischere Möglichkeiten dar, die einen solchen Zusammenbruch herbeiführen können.

Die Finanzmarktkrise des Jahres 2008 führte in vielen europäischen Staaten zu massiver Arbeitslosigkeit, insbesondere unter Jugendlichen, und zum Zusammenbruch ganzer Wirtschaftssektoren wie etwa der spanischen Bauwirtschaft. Die Bankenrettungen, die in so gut wie allen Ländern der EU stattfanden, hinterließen die Staatsschulden, die dann zur Eurokrise führten; die Verluste wurden, unter anderem durch die Troika-Verträge, letzten Endes durch massive Einschnitte in den Sozialsystemen kompensiert. So wurden in Griechenland die Renten mehrfach gekürzt, und das Gesundheitssystem wurde bis zur Funktionsunfähigkeit zusammengestrichen. Als sich in Zypern weitere Bankenzusammenbrüche abzeichneten, wurden dort alle Konten gesperrt und die Guthaben, egal welchen Ursprungs, zu Beteiligungen an der Bank erklärt. In der Folge wurde exakt dieses Vorgehen, das die Kunden im Interesse der Bank de facto enteignet, auf Drängen Deutschlands für alle G7-Staaten eingeführt.

Genauere Details der Simulation und eventuell getätigter Absprachen ließen sich wohl nur über eine parlamentarische Anfrage klären.

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