Wirtschaft

Warnung vor massiven Produktionsausfällen – nach Chipmangel Engpässe bei Aluminium und Magnesium

Lieferketten-Manager wie auch Wirtschaftsverbände schlagen Alarm. Die Chipkrise ist noch nicht überwunden, da drohen durch Engpässe bei wichtigen Rohstoffen massive Produktionsausfälle. Die Aluminium- und Magnesiumknappheit treffen die Wirtschaft womöglich noch in diesem Jahr.
Warnung vor massiven Produktionsausfällen – nach Chipmangel Engpässe bei Aluminium und MagnesiumQuelle: Reuters © REUTERS/Michaela Rehle

Durch Engpässe bei wichtigen Rohstoffen drohen offenbar bereits bald massive Produktionsausfälle, nicht nur in der Autoindustrie. Zuletzt haben, anders als im ersten Halbjahr, Produktionsstopps bei den deutschen Autobauern teils massive Absatzrückgänge nach sich gezogen.

Während die Erholung der Autoindustrie von der Coronakrise weiterhin wegen des chronischen Chipmangels stockt, droht nun neues Ungemach in den Lieferketten durch eine geringere Verfügbarkeit von Aluminium sowie fehlende Magnesiumlieferungen aus China. Von dort stammen 85 Prozent des weltweit verbrauchten Magnesiums, das zum Legieren von Aluminium verwendet wird.

Seit März 2021 haben sich die weltweiten Aluminium-Lagerbestände fast halbiert. "Wir hören bereits von ersten Zulieferern und Vorlieferanten, dass deren Aluminiumlager derzeit rapide schrumpfen", zitierte das Handelsblatt Lars-Peter Häfele, Rohstoffexperte bei der auf Lieferketten spezialisierten Beratungsfirma Inverto.

Eine Aluminiumknappheit wäre ein weiterer Schlag für die Autoproduktion, warnten die Analysten der Bank of America (BofA). Laut Reuters konnten deutsche Autobauer im ersten Halbjahr ein dickes Finanzpolster aufbauen. Doch hierzulande ist keine Branche so abhängig von Aluminium wie die Autoindustrie.

Laut Häfele werde der Aluminiumengpass, wie auch die Chipkrise, zunächst die Zulieferer treffen, danach sehr schnell auch die Autobauer. Zusätzlich plagen die deutsche Industrie Lieferengpässe bei dem unter anderem für den Automobil- und Flugzeugbau dringend benötigten Magnesium. Zunehmend spielt Magnesium, das um etwa ein Drittel leichter ist als Aluminium, eine immer wichtigere Rolle. Es wird in der gesamten Aluminium-Wertschöpfungskette benötigt, und betrifft neben Sektoren wie der Automobil-, Flugzeug-, Elektrofahrrad-, Bau- oder Verpackungsindustrie den Maschinenbau und weitere magnesiumverarbeitende Bereiche wie den Druckguss oder die Eisen- und Stahlproduktion.

Sowohl Aluminium als auch Magnesium können nach Einschätzung Häfeles bereits Anfang kommenden Jahres knapp werden: "Das würde dann erneute massive Produktionsunterbrechungen auslösen." Laut der Wirtschaftsvereinigung Metalle könnten sich Magnesiumengpässe sogar schon bis November 2021 bemerkbar machen.

"Es wird erwartet, dass die jetzigen Magnesiumvorräte in Deutschland, bzw. in ganz Europa, spätestens in einigen Wochen Ende November 2021 erschöpft sein werden”, warnte die Wirtschaftsvereinigung Metalle bereits in einem im Oktober veröffentlichten Positionspapier. Der Verband appellierte an die Bundesregierung, "dringend diplomatische Gespräche mit China einzuleiten", um die Versorgung der deutschen Industrie sicherzustellen. Bei einem Versorgungsengpass des befürchteten Ausmaßes drohten ansonsten "massive Produktionsausfälle". Die Vereinigung verweist auch auf das
entsprechende Chart der Deutschen Rohstoffagentur (DERA), das die drastische Preiserhöhung von Magnesium um 260 Prozent seit August diesen Jahres verdeutlicht.

Zu den Gründen des Lieferengpasses zählt unter anderem auch das Ziel, klimaschädliche Emissionen zu verringern. Zwar wird deshalb in diesem Teil der Welt in letzter Zeit immer mehr auf E-Mobilität gesetzt. Aber um dieses Ziel zu erreichen, muss wiederum ein Vielfaches der besagten Metalle eingesetzt werden, weit mehr als beispielsweise bei Verbrennern.

Aktuell werden etwa 95 Prozent des europäischen Magnesiumbedarfs durch chinesische Ausfuhren gedeckt. China hatte jedoch im Zuge seiner Bemühungen, den eigenen Energieverbrauch zu drosseln, die Produktion von Magnesium zuletzt drastisch reduziert – da hierfür große Mengen Strom benötigt werden. Einige Hersteller in China müssen bis Jahresende nun die Produktion zurückfahren, um den in China vorrangig durch Kohle erzeugten Strom zu sparen und CO2-Emissionen zu senken.

"Anhand unterschiedlicher Quellen kann angenommen werden, dass bis jetzt mindestens 31 Magnesiumwerke in den weltweit wichtigsten Magnesium-Produktionszentren der Welt, den Provinzen Shaanxi und Shanxi, entweder stillgelegt wurden oder ihre Produktion um 50 Prozent senken mussten", so die Wirtschaftsvereinigung Metalle.

Einer Umfrage zufolge kämpften die Unternehmen in Deutschland bereits im September mit den Folgen von Lieferengpässen. Dies ergab sich aus den Antworten von rund 2.400 kleineren und mittleren Unternehmen mit einem Umsatz von maximal 500 Millionen Euro, die von der GfK im Auftrag der KfW-Bankengruppe zwischen dem 1. und 10. September befragt wurden. Demnach ist beinahe jedes zweite mittelständische Unternehmen von Lieferengpässen betroffen. Diese "legen den kleinen und mittleren Unternehmen enorme Steine auf ihren Weg aus der Corona-Krise", berichtete KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib. Am stärksten belastet seien das verarbeitende Gewerbe und die Bauindustrie, aber auch Handel und Dienstleister seien betroffen. "Das nimmt der gerade wieder angesprungenen Konjunktur ihren Schwung", sagte die Chefvolkswirtin der staatlichen Förderbank.

Gemäß den Umfrageergebnissen kämpfen 48 Prozent der rund 3,8 Millionen Mittelständler mit den Folgen von Lieferproblemen. Jedes vierte Unternehmen sieht sich gezwungen, wegen gestiegener Kosten für Rohstoffe und Vorprodukte die Preise für seine eigenen Erzeugnisse oder Dienstleistungen anzupassen. Am häufigsten kommt es der Umfrage zufolge zu Preiserhöhungen in der Baubranche (61 Prozent).

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