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China drosselt wegen Strommangel Magnesium-Produktion: Deutsche Metall- und Autoindustrie betroffen

Eine unglückliche Verkettung von Ereignissen könnte gravierende Auswirkungen für die Metall- und insbesondere die Autoindustrie in Deutschland haben, die ohnehin schon schwer unter dem Chipmangel leidet.
China drosselt wegen Strommangel Magnesium-Produktion: Deutsche Metall- und Autoindustrie betroffenQuelle: www.globallookpress.com © Soeren Stache/ZB

Eine scheinbar unerheblichen Anordnung einer chinesischen Provinzbehörde beschäftigt mittlerweile zwei große deutsche Ministerien. Es geht um eine vorübergehende Einstellung der Magnesiumimporte aus China: Der Aluminiumproduktion in Deutschland droht somit noch vor Jahresende das Aus.

In Deutschland droht laut Berichten eine Produktionskrise in der Metallindustrie, wie die Welt berichtete. Ursache sei die Entscheidung einer chinesischen Regionalbehörde zur "Doppelkontrolle des Energieverbrauchs". Sie habe ein vorübergehendes Ausfuhrverbot für chinesisches Magnesium beschlossen. Das Metall ist ein essenzieller Rohstoff für die Aluminiumproduktion, denn es sorgt für die Stärke des Metalls. Wenn die Entscheidung nicht aufgehoben wird, könnte demnach die Produktion in Deutschland bereits vor Weihnachten eingestellt werden. Inzwischen hätten sich das Bundeswirtschaftsministerium und das Auswärtige Amt eingeschaltet.

Die chinesische Behörde im Verwaltungsbezirk Yulin begründete die Entscheidung mit der Einsparung von Strom. Der ist aufgrund eines Mangels an Kohle und einer besonders hohen Nachfrage nach Strom derzeit in vielen industriereichen chinesischen Provinzen knapp. Für die Kohleknappheit gibt es wiederum mehrere Gründe, darunter Fluten in der Provinz, wo die Kohle abgebaut wird.

Mehr als 60 Prozent der chinesischen Stromproduktion basiert auf Kohlekraftwerken. Über 30 Werke in Fugu, wo viele Magnesiumbetriebe beheimatet sind, wurden gezwungen, ihre Produktion um 50 bis 60 Prozent zu verringern, um Strom zu sparen. Diese Maßnahmen gelten vorerst bis Jahresende.

Die Magnesiumpreise steigen derweil rasant. Kostete zu Jahresbeginn die Tonne noch 2000 US-Dollar, liegt der Preis jetzt bei 10.000 US-Dollar. Da das Metall sehr schnell rostet, ist es auch nicht möglich, größere Reserven davon anzulegen. Die Wirtschaftsvereinigung Metalle rief Anfang Oktober 2021 eine Krisensitzung zu dem Thema ein. In Deutschland sind in der Aluminiumbranche über 250 Betriebe mit etwa 62.000 Beschäftigten tätig. Auch die Autoindustrie hängt von der Aluminiumproduktion ab. Der Verband adressierte laut Welt eine dringende Warnung an das Auswärtige Amt:

"Es wird erwartet, dass die jetzigen Magnesiumvorräte in Deutschland, beziehungsweise in ganz Europa, Ende November 2021 erschöpft sein werden… Es droht ein europaweiter Produktionsstopp."

China ist mit Abstand der größte Magnesium-Lieferant weltweit, gefolgt von Oman. Noch bis in die 1990er Jahre machten US-Exporte bis zu 45 Prozent des weltweiten Magnesiumhandels aus. Doch nachdem chinesische Hersteller die Technologie zur Magnesiumproduktion beherrscht hatten, drängten sie die westliche Konkurrenz weitgehend aus dem Markt. Fast 90 Prozent der Magnesiumproduktion liegt in chinesischen Händen. In der Europäischen Union wurde das letzte Magnesiumwerk im Jahr 2001 aus Kostengründen geschlossen. Das Metall zählt weltweit zu den zehn häufigsten Elementen der Erdkruste.

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