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"Gefangen, getötet oder kompromittiert" – CIA verliert Dutzende Agenten im Ausland

Nach Informationen der New York Times (NYT) haben Beamte der US-Spionageabwehr in einer geheimen Mitteilung an alle CIA-Stationen und -Stützpunkte weltweit mitgeteilt, dass der Auslandsgeheimdienst zahlreiche Informanten verloren haben, die für die US-Spionage in anderen Ländern rekrutiert worden waren.
"Gefangen, getötet oder kompromittiert" – CIA verliert Dutzende Agenten im AuslandQuelle: AFP © Olivier Douliery

Spitzenbeamte der Spionageabwehr in den USA warnten in der letzten Woche CIA-Stützpunkte auf der ganzen Welt über eine beunruhigende Anzahl von getöteten oder gefangengenommen Agenten, die in anderen Ländern für die Spionage zugunsten der USA rekrutiert worden waren, berichtet die NYT unter Berufung auf mehrere mit der Thematik vertraute Personen.

In der hochgeheimen Mitteilung hieß es, das CIA-Missionszentrum für Spionageabwehr habe in den letzten Jahren Dutzende von Fällen untersucht hat, in denen ausländische Spitzel getötet, verhaftet oder als Doppelagenten "umgedreht" worden seien.

Ausländischen Geheimdiensten in Ländern wie Russland, China, Iran und Pakistan sei es in den letzten Jahren vermehrt gelungen, Informanten der CIA aufzuspüren und teilweise als Doppelagenten zu rekrutieren, berichtet die NYT

Die Rekrutierung von Spionen sei naturgemäß "ein risikoreiches Geschäft". Allerdings spreche die hochgeheime Nachricht weitere Probleme an, von denen die CIA in den letzten Jahren geplagt worden wäre, insbesondere "schlechter Spionagepraxis" oder einem zu vertrauensvollen Umgang mit Quellen. Die CIA unterschätze auch ausländische Geheimdienste oder handele voreilig, um an potenzielle Informanten zu gelangen, während den realen Risiken der Spionageabwehr nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt werde. 

Es wären die wachsenden Fähigkeiten anderer Länder erkennbar geworden, mit denen ausländische Geheimdienste Innovationen wie "biometrische Scans, Gesichtserkennung, künstliche Intelligenz und Hacking-Tools" einsetzen, um gezielt Bewegungen von CIA-Beamten zu verfolgen und auch deren Informanten aufzuspüren. 

In den letzten zwei Jahrzehnten hätte die CIA zwar "terroristischen Bedrohungen und Konflikten" in Afghanistan, im Irak und in Syrien viel Aufmerksamkeit geschenkt, aber die Verbesserung der Geheimdienstarbeit gegenüber "feindlichen Mächte" werde nun wieder zum Kernstück der CIA-Agenda, da die politischen Entscheidungsträger mehr Einblicke in "China und Russland" fordern, berichtet die NYT.

Dabei ist der Verlust von US-Spionen eigentlich kein neues Problem. Doch das Problem sei jetzt noch dringender, als öffentlich wahrgenommen werde, bewertet das die NYT

Die ausgegebene Warnung richte sich in erster Linie an die Beamten an vorderster Front, die unmittelbar an der Überprüfung und gegebenenfalls Rekrutierung neuer Informanten beteiligt sind. Die Nachricht unterstreiche, dass CIA-Agenten sich nicht auf die schnellstmögliche Rekrutierung von Informanten konzentrieren sollten, sondern zuvor auch auf Sicherheitsfragen, einschließlich der tieferen Überprüfung von Informanten und der weitest möglichen Umgehung feindlicher Geheimdienste.

Einige ehemalige CIA-Beamte glauben, dass die Fähigkeiten der Agentur, "feindliche Geheimdienste" zu bekämpfen, mittlerweile etwas eingerostet seien, nachdem sie sich jahrzehntelang auf "terroristische Bedrohungen" konzentriert hätten. "Die Entwicklung, Ausbildung und das Führen von Informanten, die ausländische Regierungen ausspionieren sollen, unterscheidet sich in mancher Hinsicht sehr von der Rekrutierung von Zuträgern und Spitzeln innerhalb terroristischer Netzwerke."

Einige entlarvte CIA-Spione werden ganz bewusst nicht festgenommen, sondern sie werden zu "Doppelagenten für ausländische Mächte" und vermitteln der CIA dann nahtlos Desinformationen, "was verheerende Auswirkungen auf die Sammlung und Analyse von Informationen haben kann", hieß es in der Mitteilung. Pakistaner seien in diesem Bereich besonders erfolgreich gewesen. "Der Zusammenbruch der von den USA unterstützten Regierung in Afghanistan bedeutet, dass es immer wichtiger wird, mehr über Pakistans Verbindungen zur Taliban-Regierung und zu extremistischen Organisationen in der Region zu erfahren."

Der "Wettbewerb der Großmächte" und die "Herausforderungen Chinas und Russlands" hätten dazu geführt, dass der Aufbau von Spionagenetzwerken und der Schutz dieser Spione wichtiger denn je werde.

In diesen Ländern sei auch die Technologie "zu einem Problem geworden", sagten ehemalige CIA-Beamte. Künstliche Intelligenz, biometrische Scans, Gesichtserkennung und andere Technologien hätten es ausländischen Regierungen immer einfacher gemacht, in ihrem Land tätige US-Geheimdienste aufzuspüren.

Einige Geheimdienstbeamte meinen, dass die US-Amerikaner selbst den "feindlichen" Geheimdiensten in China und Iran  zu Informationen und Techniken verholfen hätten, die dabei helfen können, Informanten zu entlarven. Iran hätte offenbar erfolgreich die US-amerikanische Geheimdienstmitarbeiterin Monica Elfriede Witt "umgedreht", die dann im Auftrag Irans jahrelang ihre US-Kollegen ausspionierte. Witt sei im Jahr 2013 zum iranischen Geheimdienst übergelaufen. Im Jahr 2019 wurde der ehemalige CIA-Offizier Jerry Chun Shing Lee zu 19 Jahren Gefängnis verurteilt, weil er der chinesischen Regierung Geheimnisse verfügbar gemacht hatte. Im Dezember 2009 erhielt ein jordanischer Arzt, der offenbar ein Doppelagent war, Zugang in das Innere vom Camp Chapman (die Forward Operating Base in der afghanischen Provinz Chost) und sprengte sich in die Luft, wobei neben sieben weiteren Opfern auch die damalige Leiterin der Basis Jennifer Lynne Matthews ums Leben kam.

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