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Rettung aus Kabul: Hunderte Afghanen in US-Transporter, sieben Personen in deutscher Maschine

Chaotische Umstände am Flughafen Kabul führen bei der Evakuierung zu teils absurden Situationen. Während am Montagabend endlich die erste Maschine der Bundeswehr mit gerade einmal sieben Menschen an Bord abhob, flogen in einem US-Militärtransporter mehr als 600 Zivilisten dicht gedrängt in Sicherheit. Mit dem deutschen Flieger kamen aber Fallschirmjäger zur Sicherung der weiteren Rettungsmission.
Rettung aus Kabul:  Hunderte Afghanen in US-Transporter, sieben Personen in deutscher MaschineQuelle: Reuters © Defense One

Die eilig geplante Rettungsaktion für deutsche Staatsangehörige und afghanische Ortskräfte ist bislang von wenig Erfolg gekrönt. Von vier Airbus A400M mussten am Montag drei nach stundenlangen Warteschleifen abdrehen. Der vierten Maschine gelang schließlich die Landung im letzten Moment. Grund für die Verzögerung war, dass sich immer noch Menschen auf dem Rollfeld aufhielten und eine sichere Landung nicht möglich war.

Aus deutschen Regierungskreisen heißt es, dass nur sieben Personen mit der Maschine gerettet werden konnten. Grund sei die von den Taliban verhängte Ausgangssperre ab 21 Uhr. Mit der Maschine kamen auch Fallschirmjäger am Flughafen an, die das Gelände absichern sollen. 

"Wir haben es gestern geschafft, in einer wirklich halsbrecherischen Landung unsere Maschine zu Boden zu bringen. Wir haben vor allen Dingen Soldaten dorthin gebracht, die jetzt absichern, damit die Leute, die wir rausfliegen wollen, auch überhaupt die Möglichkeit haben, zum Flugzeug zu kommen. Das war gestern der Hauptauftrag", so Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer im ARD-Morgenmagazin.

Laut einem Regierungsbericht, der Business Insider vorliegt, ist der Flughafen von den Taliban umstellt. Es sei daher momentan zu gefährlich, Botschaftsmitarbeiter zum Flughafen zu bringen. 

Die C-17 Globemaster der US Air Force, die gestern vom Flughafen startete, soll nach Zählung etwa 640 Afghanen an Bord gehabt haben.

"Robuste Kräfte an Land bringen"

Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag, Johann Wadephul, sagte im Deutschlandfunk zu der Zahl: "Das stimmt. Es sind nur sieben. Wir hatten nur einen ganz kurzen Slot von 30 Minuten für die Maschine, und wir konnten nur die mitnehmen, die jetzt da waren. Es wäre auch unverantwortlich gewesen, weil gar nicht sicher war, dass die Maschine landen konnte, mehr dort jetzt schon zum Flughafen zu bringen". Der wesentliche Zweck der ersten Landung sei es gewesen, "robuste Kräfte an Land zu bringen, zum Flughafen", um ein Lagebild zu bekommen.

Zusätzlich zu seinen eigenen Diplomaten und Bürgern will Deutschland auch Einheimische evakuieren, die seine Streitkräfte unterstützt haben. Mehr als 1.800 dieser Afghanen und deren Familienangehörigen sind nach Angaben der Bundeswehr bereits in Deutschland eingetroffen, von einer erwarteten Gruppe von fast 2.500.

Bundeskanzlerin Merkel plant jedoch, insgesamt etwa 10.000 Afghanen aufzunehmen, wie sie ihren Parteikollegen am Montag mitteilte. Darunter befänden sich Aktivisten, Anwälte und andere Personen, die von der Taliban-Herrschaft bedroht seien, berichtete Reuters.

Ministerin Kramp-Karrenbauer sagte in der ARD: "Wir haben jetzt alles über Nacht für die Evakuierung vorbereitet". Sie fügte an: "Die zweite Maschine wartet gerade auf die Freigabe der Amerikaner, dass sie nach Kabul aufbrechen kann, damit wir mit den Evakuierungen beginnen können".

Nach Angaben von Kramp-Karrenbauers gibt es zwei Szenarien. Nach dem ersten könne der Flughafen nur für einen kurzen Zeitraum offengehalten werden. "Dafür haben wir auch sehr robuste Kräfte jetzt vor Ort und verstärken weiter." Das zweite Szenario sei der Aufbau einer richtigen Luftbrücke. Dafür seien am Ende bis zu 600 Soldatinnen und Soldaten vorgesehen.

Die Ministerin kündigte zugleich eine Aufarbeitung der jüngsten Ereignisse an. "Es gibt vieles, was wir auch innerhalb der NATO aufarbeiten müssen. Es wird dann aber auch die Fragen an uns geben, inwieweit wir bereit sind, die Konsequenzen zu tragen, und inwieweit wir bereit sind, auch Maßnahmen zu ergreifen, die wir bisher den Amerikanern überlassen haben."

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