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"Sie sollten sich schämen!" – Russischer Tennisstar weist bei Olympia provokante Frage zurück

Ein Journalist des britischen "Guardian" wollte in Tokio von der Nummer zwei der ATP-Weltrangliste Daniil Medwedew wissen, ob russische Athleten mit einem Betrüger-Stigma zu kämpfen hätten. Der Tennisstar fand die Frage nach einem dramatischen Match bei großer Hitze taktlos und reagierte zornig.
"Sie sollten sich schämen!" – Russischer Tennisstar weist bei Olympia provokante Frage zurückQuelle: Sputnik © Wladimir Pesnja

Daniil Medwedew, die Nummer zwei der Tennisweltrangliste der Herren, hat den Ausschluss eines Journalisten vom Tenniswettbewerb bei den Olympischen Spielen in Tokio gefordert. Dieser hatte ihn zuvor mit den allgemeinen Dopingvorwürfen gegen Russland konfrontiert.

Die Begegnung mit dem Journalisten fand am Mittwoch in der gemischten Medienzone nach Medwedews dramatischem Dreisatzsieg über Fabio Fognini im Ariake Tennis Park statt. Medwedew hatte bei Temperaturen von 31 Grad Celsius und 72 Prozent Luftfeuchtigkeit am frühen Nachmittag schwer zu kämpfen und musste sich während des Spiels mehrmals niederbeugen, um seine Atemfunktion wiederherzustellen. Auf die Frage des Schiedsrichters, ob alles in Ordnung sei, antwortete Medwedew:

"Ich kann das Match beenden, aber ich kann auch sterben – wenn ich sterbe, wer übernimmt dann die Verantwortung?"

Medwedew ging unmittelbar danach durch die sogenannte Mixed Zone und hielt eine kurze Pressekonferenz ab. Die letzte Frage stellte ihm ein Sportjournalist des englischen Guardian. Dabei ging es um die schon Jahre andauernden Doping-Vorwürfe gegen den russischen Sport und die Reaktionen darauf:

"Tragen die Athleten der russischen Olympiamannschaft nach dem Skandal bei diesen Spielen das Stigma eines Betrügers und wie denken Sie darüber?"

Nachdem er die Frage zunächst missverstanden hatte, reagierte Medwedew erzürnt: "Das ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich eine Frage nicht beantworten werde. Sie sollten sich lieber für sich selbst schämen", sagte er.

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Wie der Guardian berichtet, wandte sich der russische Sportler danach an den Pressesprecher neben ihm und sagte, dass der Journalist entfernt werden sollte: "Ich denke, Sie sollten ihn entweder von den Olympischen Spielen oder vom Tennisturnier ausschließen. Ich will ihn nicht mehr bei meinen Interviews sehen. Danke." Der Journalist, dessen Muttersprache nach Angaben des Blattes nicht Englisch ist, twitterte kurz darauf den Inhalt des Gesprächs:

Als der Journalist versuchte, seine Frage zu erläutern, ging Medwedew davon und sagte: "Das ist das erste Mal in meinem Leben. Sie sollten sich also schämen."

Wie russische Medien später berichteten, sei der Journalist von der Reaktion des Sportlers überrascht gewesen, da dessen Landsmann Karen Chatschanow über eine ähnliche Frage nicht verärgert gewesen sei. "Vielleicht hat er die Frage einfach missverstanden. Als ich fragte, ob russische Athleten mit einem Stigma zu kämpfen hätten, habe ich nicht meine eigene Meinung wiedergegeben", betonte er.

Tennisspieler Chatschanow bestätigte gegenüber russischen Medien, dass er von ausländischen Journalisten über sein Verhältnis zu Sanktionen gegen die russische Olympia-Mannschaft befragt worden sei:

"Ich wurde gestern (darüber) ausgefragt. Ich kann nur sagen, das ist politischer Unsinn. Wir sind unschuldig in diesem Konflikt. Es ist klar, dass alle Fans wissen, für wen wir spielen, aber wir können nicht einmal unser Land nennen."

Reaktionen auf den Skandal

In der Kommentarspalte unter dem Tweet des Guardian-Journalisten entflammten Diskussionen darüber, ob seine Frage berechtigt gewesen sei. Viele Nutzer kritisierten den Fragesteller für seine "Taktlosigkeit" und lobten Medwedew für seine "klaren Worte". Ein Nutzer schrieb, dass die Frage berechtigt gewesen sei. Allerdings hätte sie nicht Sportlern, sondern den russischen Sportfunktionären gestellt werden müssen. 

Ein russischer bekannter Sport-Moderator reagierte emotional. Auf seinem Telegram-Kanal beschimpfte er den Journalisten als "Schurken" und "Halunken". Auch ein Sport-Politiker aus der russischen Staatsduma zeigte sich empört über die Frage.

"Es ist absolut richtig, dass Medwedew den Ausschluss dieses Journalisten gefordert hat. Er setzte sich nicht nur für sich selbst, sondern für alle russischen Sportler ein", sagte Dmitri Swischtschew gegenüber RT. Der Journalist habe seine Informationen auf "dumme Weise" aus merkwürdigen Quellen gezogen und könne auch anderen Sportlern schaden.

"Solche Journalisten haben bei den Olympischen Spielen nichts zu suchen", so der Politiker.

Mit einem Ausschluss des Journalisten ist jedoch nicht zu rechnen. Wie TASS unter Berufung auf einen Sprecher der Internationalen Tennis-Föderation berichtet, liegt es nicht in der Zuständigkeit des Verbandes, Journalisten die Akkreditierung zu entziehen.

"Journalisten haben das Recht, alle Fragen zu stellen. Vielleicht sollten wir das IOC fragen", fügte der Sprecher hinzu.

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