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Spähsoftware Pegasus: Der Dalai Lama im Visier der indischen Regierung

Auch enge Berater des Dalai Lama sollen von Kunden der israelischen NSO Group als Spähziele ausgewählt worden sein. Laut der Analyse des Recherchekollektivs zum jüngsten Pegasus-Skandal könnte die indische Regierung dahinter stehen.
Spähsoftware Pegasus: Der Dalai Lama im Visier der indischen RegierungQuelle: www.globallookpress.com © Dalai Lama/ Tenzin Jamphel/ via Globallookpress

Noch am 6. Juli ließ der indische Premierminister Narendra Modi in ungewöhnlichem Mitteilungsbedürfnis die Welt per Twitter wissen, dass er dem Dalai Lama zum 86. Geburtstag gratuliert habe.

Weitere hochrangige indische Politiker grüßten den Dalai Lama ebenfalls, der seit dem Jahr 1959 in Indien lebt und sich in einer Videobotschaft bedankte, in der er seine Wertschätzung gegenüber all seinen Freunden ausdrückt, die ihm "wirklich Liebe, Respekt und Vertrauen entgegengebracht" haben. Zudem sagte er:

"Seit ich ein Flüchtling wurde und mich nun in Indien niedergelassen habe, habe ich die Freiheit und die religiöse Harmonie Indiens voll ausgenutzt."

Doch scheinen den indischen Politikern weder das Vertrauen noch die Freiheit Seiner Heiligkeit ganz so heilig gewesen zu sein. Nach Medienberichten zur Überwachungssoftware Pegasus des israelischen Anbieters NSO könnten auch Personen aus dem Umfeld des Dalai Lama ausgespäht worden sein.

Selbst besitze das geistliche Oberhaupt der Tibeter den Berichten zufolge kein Smartphone. Die Nummern hätten auf einer Liste potenzieller Ausspähziele gestanden, hieß es in Medienberichten.

Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Telefone tatsächlich überwacht wurden. Doch legten Analysen nahe, dass die indische Regierung die Tibeter als potenzielle Ziele ausgesucht habe, berichtete der britische Guardian am Donnerstag. Die betroffenen Menschen hätten ihre Handys aber bisher nicht zur Verfügung gestellt, um zu bestätigen, ob sie tatsächlich erfolgreich gehackt worden seien, hieß es weiter.

Mit der Software Pegasus sollen nach Recherchen eines internationalen Journalistenkonsortiums Smartphones von Journalisten, Oppositionellen, Menschenrechtlern und Geschäftsleuten ausgespäht worden sein. Das israelische Unternehmen NSO, der Anbieter der Software, wies die Vorwürfe zurück und bestritt wie bereits nach früheren Vorwürfen einzelne Details aus den Berichten.

Laut Berichten der Süddeutschen Zeitung wollte sich Indiens Regierung nicht zu der Frage äußern, ob die Tibeter abgehört worden seien. Es sei lediglich mitgeteilt worden, dass nur "gesetzeskonforme Abhörmaßnahmen im Dienst der nationalen Sicherheit" durchgeführt würden. Der Sekretär des Dalai Lama, Tseten Samdup Chhoekyapa, wollte sich auf Anfrage der dpa nicht zu den Enthüllungen äußern.

Der Dalai Lama lebt seit Jahrzehnten in Nordindien im Exil und wirbt für die Rechte der Tibeter. Er will für sie im Dialog mit China kulturelle sowie religiöse Freiheiten innerhalb der Volksrepublik erreichen. Dafür setzt sich offiziell auch Washington ein, allerdings mit politischen Programmen, die Peking als Einmischung wertet.

Vorwürfe, die seitens der indischen Politik als Grund für das Ausspähen dienen könnten, hat es bereits gegeben. Im vergangenen Jahr berichteten lokale indische Medien, dass ein chinesischer Staatsbürger versuche, durch Bestechung Einfluss auf die Nachfolge des Dalai Lama zu nehmen. Auch indische Regierungsquellen erklärten dem TV-Sender News18, dass ein Chinese namens Charlie Peng etwa 100 Mönche bestochen haben soll, um Unterstützung für einen "chinesischen Kandidaten" zu gewinnen. Lokalen Medien zufolge soll Peng den Dalai Lama ausspioniert und seinen inneren Kreis "infiltriert" haben.

Im vergangenen Jahr kam es an der umstrittenen Grenze zwischen China und Indien im Himalaya zum schwersten Konflikt seit Jahrzehnten – mit Toten auf beiden Seiten.

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