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Skandal um israelische Spionagesoftware: Journalisten und Menschenrechtler weltweit im Visier

Nach Recherchen mehrerer Medienorganisationen ist das Spionagetool Pegasus weltweit zum Einsatz gegen gut 180 Journalisten sowie Politiker eingesetzt worden. Der israelische Hersteller, die NSO Group, hatte behauptet, Pegasus diene zur Verfolgung von Schwerverbrechern und Terroristen.
Skandal um israelische Spionagesoftware: Journalisten und Menschenrechtler weltweit im VisierQuelle: AFP © JACK GUEZ / AFP

Das israelische Technologieunternehmen NSO Group Technologies behauptet, autorisierte Regierungen mit Technologie zu versorgen, welche ihnen bei der Bekämpfung von Terror und Kriminalität hilft. Dank der Firma sollen sogar Menschenleben gerettet worden sein, so die Selbstdarstellung.

Doch das Unternehmen, dessen Spionagesoftware namens Pegasus die Fernüberwachung von Smartphones ermöglicht, stand bereits früher in der Kritik, da es für gezielte Angriffe gegen Journalisten und Menschenrechtsaktivisten in verschiedenen Ländern eingesetzt worden sein soll, darunter auch bei der Ermordung des saudischen Dissidenten Jamal Kashoggi durch Agenten der saudischen Regierung.

Aktuelle Recherchen des Guardian und 16 anderer Medienorganisationen deuten nun auf einen anhaltenden Missbrauch der Hacking-Spyware Pegasus hin, die es den Kunden ermöglicht, Gespräche sowohl auf iPhones als auch Android-Geräten mitzuhören, Kommunikation über vermeintlich sichere Messenger-Dienste mitzuverfolgen, Daten abzugreifen und beispielsweise selbständig die Kamera und das Mikrofon des Smartphones ein- und auszuschalten.

Die Zeitungen beziehen sich auf eine geleakte Liste mit 50.000 Telefonnummern von 180 Journalisten, Politikern und anderen Zielen in 20 Ländern, darunter Bahrain, Marokko, Saudi-Arabien, Indien, Mexiko, Ungarn, Aserbaidschan, Europa, Togo, Ruanda. Die an der Auswertung der Daten Beteiligten wiesen darauf hin, dass eine Telefonnummer auf der Liste nicht zwangsläufig bedeutet, dass ein Mobiltelefon mit Pegasus infiziert oder Gegenstand eines versuchten Hacks war, gehen aber davon aus, dass die Daten Schlüsse darauf zulassen, welche Ziele die Kunden von NSO für mögliche Spionageangriffe identifiziert haben.

Die in Paris ansässige gemeinnützige Medienorganisation Forbidden Stories und Amnesty International hatten zuerst Zugang zu der Liste und teilten ihre Erkenntnisse dann im Rahmen des Pegasus-Projekts in einem Recherchekonsortium.

Der berühmte Ex-NSA-Mitarbeiter Edward Snowden schrieb per Twitter mit Verweis auf den Bericht:

"Stoppen Sie, was sie gerade tun, und lesen Sie dies. Dieser Leak wird die Geschichte des Jahres werden."

Nach eigenen Angaben der israelischen NSO Group sind die Kunden allesamt staatliche Akteure, Geheimdienste, das Militär oder Strafverfolgungsbehörden. Betroffene Journalisten wie Khadija Ismailowa aus Aserbaidschan, welche durch Ermittlungen gegen die Herrscherfamilie ins Visier ihrer eigenen Regierung geriet, sorgen sich nun nicht nur um die eigene Sicherheit und Privatsphäre, sondern vor allem gilt ihre Sorge ihren Kontakten, insbesondere jenen, die der Journalistin als vermeintlich anonyme Quellen dienten.

"Ich fühle mich schuldig für die Quellen, die mir [Informationen] geschickt haben, weil sie dachten, dass verschlüsselte Messaging-Dienste sicher sind und sie nicht wussten, dass mein Telefon infiziert ist," so Ismailowa zu Miranda Patrucic vom Organized Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP).

"Meine Familienmitglieder sind ebenfalls Opfer", fügte sie hinzu. "Die Quellen sind zu Opfern geworden, Leute, mit denen ich gearbeitet habe, Leute, die mir ihre privaten Geheimnisse verraten haben, sind zu Opfern geworden."

Betroffene Journalisten hatten zuvor bereits Drohungen erhalten und mussten teils aus ihrem Land fliehen – wobei sie jedoch feststellen mussten, dass sie weiterhin ausspioniert wurden. In Mexiko wurde ein Reporter ermordet, nachdem sein Handy ausspioniert worden war, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, die Teil des Recherchekollektivs ist.

Außer Journalisten, Menschenrechtsverteidigern und Dissidenten wurden den Recherchen zufolge auch Geschäftsleute und Staatsoberhäupter zu Zielen der Spionage durch Pegasus, darunter 13 derzeitige oder ehemalige Präsidenten, Premierminister oder Staatschefs. Auch wenn es bisher unklar ist, ob jede einzelne Telefonnummer, die in der Liste erscheint, erfolgreich gehackt wurde, habe das Security Lab von Amnesty International in Zusammenarbeit mit Forbidden Stories forensische Analysen auf 67 Telefonen durchgeführt und dabei erfolgreiche Infektionen aufgedeckt.

In den kommenden Tagen plant das Pegasus-Projekt weitere Enthüllungen.

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