Deutschland

Welt-Herausgeber Stefan Aust kritisiert das "Gendern": Wünsche der Mehrheit sind nicht weniger wert

Gemessen an der um sich greifenden Verwendung durch Behörden und Medien findet das sogenannte "Gendern" in der deutschen Sprache nach wie vor mangelnde Akzeptanz in der Bevölkerung. Darauf wies der bekannte Journalist und Herausgeber Stefan Aust hin. Das "Ja" oder "Nein" zum "Gendern" werde zunehmend zu einem politischen Marker.
Welt-Herausgeber Stefan Aust kritisiert das "Gendern": Wünsche der Mehrheit sind nicht weniger wertQuelle: www.globallookpress.com

Anfang der Woche machte sich Hamburgs CDU-Chef Christoph Ploß für ein Verbot der Gendersprache bei staatlichen Stellen stark. Das löste Diskussion aus, zu der auch der Welt-Herausgeber und langjährige Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust von der Welt am Sonntag (WamS) befragt wurde.

"Das finde ich mutig und richtig", sagte Aust. Es sei überhaupt nicht Aufgabe von Behörden, einen Sprachduktus vorzugeben. Sprache habe sich in aller Regel ohne staatliche Eingriffe in der Gesellschaft entwickelt, der Staat wiederum hat dann darauf reagiert. "Wenn sich Gendersternchen in der Mehrheit durchsetzen sollten, wovon ich nicht ausgehe, dann kann der Staat immer noch reagieren." Außerdem fände er auch eine moralische Überhöhung der Sprache nicht angenehm.

Aust übte Kritik an Medien und sogenannten "Linksliberalen", die aus seiner Sicht vorschreiben wollen, wie gelebt und gesprochen werden solle. Zwar müssten Minderheiten zweifellos geschützt werden. "Aber das heißt im Umkehrschluss nicht, dass die Einstellungen und Wünsche der Mehrheit deswegen weniger wert sind." Frauen seien dabei keineswegs eine Minderheit, merkte er an. Der Herausgeber wies auf die jüngsten Umfragen hin, wonach die Mehrheit der Deutschen nicht viel vom "Gendern" in der deutschen Sprache halte.

In Deutschland halten 65 Prozent der Bevölkerung einer aktuellen Umfrage zufolge nichts von einer immer stärkeren sogenannten Berücksichtigung unterschiedlicher Geschlechter in der Sprache. Die Befragung hatte Infratest Dimap Mitte Mai für die WamS erhoben. Gegner des "Genderns" lehnen etwa umständliche Formulierungen wie "Zuhörende" statt "Zuhörer" oder das Einfügen vom sogenannten "großen Binnen-I" in feststehende Duden-Substantive ("WählerInnen") in der Schriftsprache ebenso ab wie auch neuerdings den Glottalen Plosiv, also eine Kunstpause als glottal gebildeter Verschlusslaut vor der zweiten Worthälfte (etwa bei "Pendler_innen") in der gesprochenen Sprache, wie sie jetzt etwa das ZDF in Informationssendungen immer weiter zunehmend praktiziert.

CDU in Hamburg: Ideologisch motiviert

Nach Ansicht des Bundestagsabgeordneten und Landesvorsitzenden der CDU in Hamburg Christoph Ploß gehört das "Gendern" in der Sprache zur Privatsphäre und nicht in den Staatsdienst: "Zu Hause am Abendbrottisch sollte selbstverständlich jeder, der das möchte, nach Herzenslust 'gendern' können", sagte der Bundestagsabgeordnete in einem Spiegel-Interview.

"Aber von Beamten, Lehrkräften und Dozenten erwarte ich, dass sie im Dienst gültige Regeln und Normen nicht einfach willkürlich verändern." Deshalb sei für staatliche Stellen ein Gesetz nötig, wie es auch in Frankreich diskutiert wird.

Ploß betonte, er setze sich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ein und für eine Sprache, die zusammenführe. "Daher wehre ich mich dagegen, dass von Behörden, Ministerien, Schulen und Universitäten, also staatlichen Einrichtungen, eine grammatisch falsche, künstliche und ideologisch motivierte Gendersprache verwendet wird, die ständig das Trennende betont." 

"Daher sollte dieser Punkt Eingang in das gemeinsame Regierungsprogramm von CDU und CSU finden." 

Am Mittwoch stellte sich der gesamte Landesvorstand der Hamburger CDU hinter die Forderung ihres Vorsitzenden Ploß.

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