Deutschland

"Danke #allesdichtmachen" – Ärzte melden sich mit scharfer Kritik an Corona-Maßnahmen zu Wort

Nach dem Shitstorm, der über die an #allesdichtmachen Beteiligten hereingebrochen ist, melden sich mit der Aktion "Danke #allesdichtmachen" Ärzte und andere Heilberufstätige zu Wort. Sie fordern einen "offenen Diskurs" und berichten von den Folgen der Corona-Politik.
"Danke #allesdichtmachen" – Ärzte melden sich mit scharfer Kritik an Corona-Maßnahmen zu WortQuelle: www.globallookpress.com © via www.imago-images.de

Als Reaktion auf die massive Kritik und zum Teil Bedrohung der Schauspieler der Aktion #allesdichtmachen startete Ende letzter Woche eine Aktion von Ärzten, die sich mit den Künstlern solidarisieren. Auf der Plattform YouTube gründeten sie den Kanal danke-allesdichtmachen, auf den sie eine Reihe von Video-Beiträgen im Stil der Aktion #allesdichtmachen hochluden.

Die Playlist von danke-allesdichtmachen füllen derzeit 100 Videos (Stand 3. Mai) mit Wortmeldungen von Ärzten, Psychologen, Krankenpflegern, medizinisch-technischen Assistenten, Hebammen, Physiotherapeuten und anderen Angehörigen von Heilberufsgruppen. In den meisten Beiträgen wird den Künstlern der Aktion #allesdichtmachen Dank ausgesprochen – auch für den Mut, sich öffentlich auch einer Kritik zur stellen.

Den Anfang machte der Berliner Notarzt Dr. Paul Brandenburg, für den die Filme von #allesdichtmachen "eine geniale Kritik des Versagens unserer Regierung" darstellen. Dieses Versagen habe "ohne jede Not vieltausendfaches Leid verursacht und unsere Gesellschaft schwer beschädigt". Brandenburg wird dafür vom Tagesspiegel und dem "zivilgesellschaftlichen Rechercheteam Antischwurbler" als "ominöser Drahtzieher" der Aktion #allesdichtmachen scharf angegriffen. Er sei "Teil einer größeren Kampagne, die eine antidemokratische Agenda verfolgt". Brandenburg selbst gibt laut der Berliner Zeitung an, an #allesdichtmachen nicht beteiligt gewesen zu sein. Er macht deutlich, keine "ideologische Nähe zu undemokratischen und potenziell aggressiven Ideologien und Gruppen" zu haben.

Für den Epidemiologen Dr. Friedrich Pürner steht fest: "Ärzte dürfen niemals schweigen." Daher meldet er sich zu Wort und drückt den Schauspielern seine Solidarität aus. Pürner war früher Chef des Gesundheitsamts Aichach-Friedberg in Bayern, bis er vom bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder wegen Pürners kritischer Haltung zur Corona-Politik entlassen wurde. Ähnlich fasst es auch der österreichische Internist Dr. Manfred Fuhrmann zusammen:

"Nach der Aktion der Künstler sollten sich auch einmal die Ärzte zu Wort melden: Ich fand diese ganzen Maßnahmen von Anfang an unsinnig und evidenzbefreit. Ich war von Anfang an dagegen."

Verschiedene teilnehmende Ärzte berichten von weitverbreiteten psychischen Erkrankungen seit dem Einsetzen der Corona-Maßnahmen – insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. Der Münchner Kinder- und Jugendarzt Dr. Steffen Rabe stellt in seinem Beitrag dar, er erlebe "Kinder, die Bauchschmerzen und Kopfschmerzen haben, Kinder, die Angst vor ihren Mitmenschen haben, die an der Maske leiden oder daran verzweifeln, dass sie seit Monaten ihre Freundinnen und Freunde nicht mehr treffen können". Der Kinderarzt Dr. Martin Hirte spricht von "verzweifelten Eltern, die durch die Politik des Allesdichtmachens in großer Not sind", und "immer mehr Kindern, die traurig oder psychisch auffällig sind".

Die Dresdener Kinder- und Jugendärztin Dr. Ingrid Heimke konstatiert:

"Seit Anfang dieses Jahres suchen mich zunehmend Familien auf, deren Kinder unter psychischen Erkrankungen leiden. Ich sehe unter anderem: Depressionen, Essstörungen und Schulängste. […] Noch nie in meiner ärztlichen Tätigkeit habe ich so viele Kinder in einem so kurzen Zeitraum unter diesen schweren Krankheitsbildern leiden sehen." 

Einige Teilnehmer nehmen die von #allesdichtmachen dargestellte Kritik an der Corona-Berichterstattung in den deutschen Medien auf. So etwa die pensionierte Hebamme Kerstin Hain, die betont, dass sie den "Haltungsjournalismus" der Medien kritisiert und sich "einen offenen Diskurs" wünscht. Ebenso argumentiert Dr. Johann Frame, pensionierter Arzt aus Stuttgart:

"Ich will keinen Haltungsjournalismus – ich will freies Journalistentum." 

Insbesondere die Reaktionen auf die Aktion #allesdichtmachen werden von den Teilnehmern von danke-allesdichtmachen hervorgehoben. Die Tierärztin Dr. Imke Querengässer spricht darüber, "was Kritikern der Corona-Maßnahmen in diesem Land für Konsequenzen drohen": "Hass, Hetze, Diffamierung, Androhung von Berufsverboten". Sie fragt: "Was ist nur aus unserem Land geworden?" Die Ärztin Beatrix Heidemann sieht in Beschimpfungen und Bedrohungen der Künstler von #allesdichtmachen einen "Beweis dafür, wie schlecht es in der Bundesrepublik Deutschland mit der Meinungsfreiheit bestellt ist".

Der Psychiater Dr. Matthias Gubitz verweist darauf, dass in einem Strategiepapier des Bundesinnenministeriums von einer "gewünschten Schockwirkung" die Rede sei. Für ihn steht fest: "Es soll Angst gemacht werden." Wie diese Angst wirkt, erzählt Isa Haschke, Frauenärztin aus Schrobenhausen (Bayern), aus ihrer eigenen Erfahrung:

"Ich habe Angst – nicht vor dem Tod, vor dem Leben. […] Wie wurde der Boden bereitet, wie kommt es zu diesem breiten und wirklich ehrlich wirkenden Hass, der den Künstlern entgegenschlägt? Das macht mich sprachlos, das macht mich mutlos, und vor allem macht es mir Angst."

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