Deutschland

BioNTech berechnet nun sechs statt fünf Impfdosen pro Fläschchen

Nach Beginn der Corona-Impfungen war klar: Es lassen sich sechs statt fünf Dosen aus einer BioNTech-Ampulle gewinnen. Spahn freute sich über die Erhöhung um 20 Prozent – ein Trugschluss: Die Liefermengen werden gesenkt und die Hersteller berechnen künftig sechs Impfdosen.
BioNTech berechnet nun sechs statt fünf Impfdosen pro FläschchenQuelle: www.globallookpress.com © Martin Wagner via www.imago-images.de

Seit dem 8. Januar erlaubt die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) aus einer Ampulle des Corona-Impfstoffes der Hersteller BioNTech und Pfizer sechs statt nur fünf Dosen zu gewinnen. Die Pharmakonzerne reagierten nun und berechnen zukünftig sechs Impfdosen pro Fläschchen – ein Preisanstieg um 20 Prozent. Die Liefermengen werden herabgesenkt.

Seit dem Beginn der Corona-Impfungen gab es Meldungen, dass sich mehr als die von der EMA zugelassenen fünf Dosen aus einer Flasche des BioNTech/Pfizer-Impfstoffes entnehmen lassen. Damit konnte das Impf-Kontingent spontan erhöht werden – eine Erfolgsmeldung angesichts erster sich andeutender Lieferengpässe.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte in einer Regierungserklärung am 13. Januar:

"Kurzfristig hilft jetzt auch die mögliche Verimpfung von sechs statt fünf Dosen aus einer Ampulle von BioNTech/Pfizer. Das kann die Zahl der zur Verfügung stehenden Impfdosen um bis zu 20 Prozent erhöhen."

Zunächst schien es, als wäre der 20-Prozent-Aufschlag gratis. Ende Dezember sagte eine Sprecherin von BioNTech gegenüber dem Nachrichtenmagazin Spiegel: "Wir berechnen die sechste Dosis nicht".

Seit letzter Woche steht fest – diese Aussage stimmt nicht. Am 18. Januar schickte BioNTech einen überarbeiteten Lieferplan an die Bundesländer. Darin rechnet das deutsche Unternehmen ein, dass sie von der EMA eine Zulassung für sechs Dosen pro Ampulle bekommen hat. Der Preis pro Fläschchen steigt um 20 Prozent. Die Liefermenge steigt für die erste Woche auch um 20 Prozent – die gleiche Menge an Ampullen wird geliefert. In der folgenden Woche sinkt die Anzahl der Flaschen ab.

Nach Berechnung des Spiegel soll Deutschland in den ersten Februarwochen etwa 15 Prozent weniger Ampullen bekommen als geplant, danach noch etwa sieben Prozent weniger als ursprünglich vorgesehen. BioNTech begründet das mit Umbauarbeiten des Produktionswerks in der belgischen Gemeinde Puurs.

Der Clou ist, dass sich die Hersteller BioNTech und Pfizer in ihrem Vertrag mit der EU-Kommission nicht auf die Lieferung einer bestimmten Impfstoffmenge festgelegt haben, sondern auf die Zahl der Impfdosen. Die Zahl der Impfdosen wird abgerechnet. Mit der offiziell bestätigten Erhöhung von fünf auf sechs Impfdosen pro Fläschchen können die Pharmaunternehmen nun weniger Ampullen liefern. Sie halten damit ihren Vertrag ein.

Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte in ihrer Pressekonferenz am 21. Januar das "gute Zusammenwirken" mit den Pharmakonzernen: "Wie viel bestellt wurde, ist nicht interessant". Zudem habe die Bundesregierung "das Menschenmögliche getan", um ausreichend Impfstoff für alle Bürger in Deutschland zu erhalten. Daher unterstütze die Bundesregierung auch den Aufbau eines weiteren BioNTech-Werks in Marburg.

Der Spiegel macht hingegen deutlich: Gesundheitsminister Spahn lag mit seiner Aussage einer Erhöhung der Impfdosen um 20 Prozent falsch: "Spahns Ankündigung wäre Makulatur – und die Erhöhung von fünf auf sechs Dosen pro Ampulle hätte den EU-Ländern nicht 20 Prozent mehr Impfstoff, sondern Biontech/Pfizer 20 Prozent mehr Einnahmen beschert". Die Bundesregierung hingegen wehrt sich: An dem Spiegel-Bericht sein "so ziemlich alles falsch". Spahn rechne nicht mit 20 Prozent mehr Impfstoff.

Mehr zum Thema - AstraZeneca reduziert Impfstofflieferungen an EU um 60 Prozent – Spahn warnt vor Schuldzuweisungen