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Aus Protest gegen Lockdown-Politik: Tübinger Professor verlässt Akademie der Wissenschaften

Aus Protest gegen das Gutachten der Leopoldina, das mit als Grund für den harten Lockdown im Winter diente, verließ der Tübinger Professor Thomas Aigner nun die Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz. Das Gutachten sei "einer ehrlichen Wissenschaft nicht würdig".
Aus Protest gegen Lockdown-Politik: Tübinger Professor verlässt Akademie der WissenschaftenQuelle: www.globallookpress.com © Rolf-Peter Stoffels/Geisler-Foto

Immer wieder wird die wissenschaftliche Beratung der Bundesregierung von verschiedenen Medizinern wie dem Infektiologen Matthias Schrappe oder dem Kassenärzte-Chef Andreas Gassen scharf kritisiert. Doch auch innerhalb der Akademien, die unter anderem für die wissenschaftliche Beratung der Regierung zuständig sind, scheint es zu kriseln, und erste Wissenschaftler wenden sich ab. In einem Brief vom 27. Dezember 2020 erklärte Thomas Aigner, Professor für Geowissenschaften an der Universität Tübingen, seinen Austritt aus der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz, einer Schwesterorganisation der Leopoldina.

Grund dafür sei das Gutachten der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina vom 8. Dezember 2020, das als Begründung dafür diente, warum der "Wellenbrecher-Lockdown" nun ein harter Lockdown werden musste.

Aigner habe die "7. Ad-hoc-Stellungnahme" der Leopoldina mit "mit tiefster Sorge, ja Fassungslosigkeit" gelesen. Er stellte zwar gleich zu Beginn der Austrittserklärung klar, dass er keine entsprechende medizinische Fachkompetenz habe. Doch seiner Auffassung nach ist das Papier einer "ehrlichen, kritisch-abwägenden, am Dienst und am Wohle des Menschen orientierten Wissenschaft nicht würdig".

Im Detail begründet er dies anhand mehrerer Punkte: Zum einen bezieht sich seine Kritik darauf, dass eine Gruppe aus 22 Wissenschaftlern in einem Gutachten die grundlegende Arbeit des Virologen Christian Drosten zum PCR-Test scharf kritisiert. Aigner erklärte, dass das "Infektionsgeschehen" in Deutschland in erster Linie auf dem PCR-Test basiere:

"Der PCR-Test stellt die Basis der Rechtfertigung zur Ausrufung einer 'Pandemie' dar, und RKI, Politik und Medien vermelden täglich die positiven Testergebnisse als sogenannte 'Neuinfektionen'."

Doch die 22 Wissenschaftler stellten fest, dass "der Test als spezifisches Diagnosewerkzeug ungeeignet ist, da sich damit keine Aussagen über eine Infektion treffen lassen".

Weiterhin zeigte sich Aigner besorgt, dass bei der durch einen sehr fragwürdigen Test begründete "Pandemie" eine weltweite Impfkampagne in noch nie dagewesenem Ausmaß gestartet wurde. Dabei sollen Impfstoffe zum Einsatz kommen, die in einer bislang nicht erreichten Geschwindigkeit entwickelt wurden:

"Angesichts erster gemeldeter schwerer Nebenwirkungen und nach Warnungen namhafter Experten wird klar, dass die völlig neuartigen RNA-Impfstoffe bei Weitem nicht ausreichend getestet wurden, insbesondere hinsichtlich Langzeitfolgen. Warum schweigen die Akademien in solchen existentiellen Fragen?"

Er erwähnt auch, dass die Stellungnahme der Leopoldina selbst in den Mainstream-Medien kritisch gesehen wird, und verweist auf einen Artikel in der Welt, dessen Fazit lautet, dass "der Schaden, den die Wissenschaftsfunktionäre anrichten, immens ist".

Aigner erklärte auch, dass es Meinungen gibt, die den Aussagen des Leopoldina-Gutachtens deutlich widersprechen. Dabei erwähnt er zum Beispiel den Kassenärzte-Chef Andreas Gassen, der damit rechnet, dass der harte Lockdown scheitern wird. Auch der Infektiologe Matthias Schrappe erklärte die Lockdown-Politik der Bundesregierung für gescheitert.

Er habe gehofft, dass sich die Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz als "Schwester-Organisation" kritisch zu der Leopoldina-Stellungnahme äußert. Bedauerlicherweise sei dies jedoch nicht geschehen. Er frage sich deshalb, "ob die ehrwürdigen Akademien in einer zunehmend von Drittmittel-Orientierung und von massiver Einflussnahme mächtiger Lobby-Interessen (zum Beispiel Pharma-Industrie) geprägten Wissenschafts-Landschaft nicht ganz besonders gefordert sind". Weiterhin fragte sich Aigner, ob es wirklich die Aufgabe einer Akademie wie der Leopoldina sei, die Panikmache von Politik und Medien zu befeuern.

Er bemängelt in seiner Austrittserklärung auch den fehlenden breiten Diskurs, wie er früher üblich war und bei dem teils konträre Wortmeldungen von Wissenschaftlern und Ärzten verschiedener Fachrichtungen sowie von Juristen, Psychologen, Soziologen, Ökonomen und Philosophen gewürdigt wurden. Aigner kritisiert zudem, dass sich die Akademien nicht zu Wort melden, wenn Stimmen von Fachleuten, die eine vom Einheits-Narrativ abweichende Meinung äußern, "ausgegrenzt, diffamiert, zensiert und in den sozialen Medien sogar gelöscht werden". Die Akademien sollten Reaktionen zeigen und sich für die im Grundgesetz verankerten Rechte der Freiheit der Wissenschaft und der Freiheit der Meinungsäußerung einsetzen, die derzeit "mit Füßen getreten" würden. Man müsse sich fragen, so Aigner, ob Deutschland aus seiner Geschichte gelernt habe.

Er begründete seinen Austritt abschließend damit, dass er es nicht mehr mit seinem Gewissen vereinbaren könne, ein Teil "dieser" Wissenschaft zu sein:

"Ich möchte einer Wissenschaft dienen, die einer faktenbasierten Aufrichtigkeit, einer ausgewogenen Transparenz und einer umfassenden Menschlichkeit verpflichtet ist."

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