Deutschland

Infektiologe Matthias Schrappe: Der Lockdown wird scheitern

Der Infektiologe Matthias Schrappe hat sich erneut gegen einen Lockdown und für den Schutz der Risikogruppe ausgesprochen. Er kritisiert auch, dass die Regierung von Virologen beraten werde, "die die Pandemie am liebsten unter dem Mikroskop bekämpfen wollen".
Infektiologe Matthias Schrappe: Der Lockdown wird scheiternQuelle: www.globallookpress.com © Ralph Peters

Bereits im November hatte der Infektiologe Matthias Schrappe, ehemaliger Berater der Bundesregierung in Gesundheitsfragen, die Corona-Politik der Bundesregierung scharf kritisiert. Seit April hatte er mehrere Thesenpapiere vorgelegt, in denen er sich zusammen mit anderen Medizinern für eine neue Strategie in der Corona-Krise aussprach, die nicht ausschließlich auf Kontaktbeschränkungen setzen solle.

Bereits im November merkte der Mediziner außerdem an, dass ein Lockdown kein geeignetes Instrument sei, um das Infektionsgeschehen in den Griff zu bekommen. Die Daten sprächen auch nicht für eine "zweite Welle", die man durch einen Lockdown "brechen" könne. Es handele sich vielmehr um ein kontinuierliches Ansteigen der Zahl an positiv auf COVID-19 getesteten Personen. Auch wenn eine leichte Abflachung der Kurve möglich wäre, sei bei diesen Zahlen ein Zurück auf jene Zahlen des Sommers unrealistisch.

In einem Interview mit dem Focus legte er noch einmal nach: Schrappe zufolge könne man das Geschehen nicht allein durch einseitige Kontaktbeschränkungen unter Kontrolle bringen. Stattdessen müsse man aufhören, den Schutz der besonders verletzlichen Bevölkerungsgruppen zu missachten. Der neuerliche Lockdown sei eine Folge der einseitigen Politik der Bundesregierung, die auf den Schutz der Risikogruppen nie eingegangen sei. Bereits im November hatte Schrappe die Regierung deshalb als beratungsresistent bezeichnet.

Warum die Regierung in diesem Zusammenhang so wenig tue, ist Schrappe unklar, doch er vermutet, dass die wissenschaftlichen Ratgeber der Politik sehr einseitig besetzt sind:

"Es sind vorrangig naturwissenschaftlich orientierte Virologen, die die Pandemie am liebsten unter dem Mikroskop bekämpfen wollen, und Epidemiologen, die das Infektionsgeschehen anhand von mathematischen Modellen ausrechnen. Niemand von ihnen ist wirklich vor Ort und versteht ganz konkret, wie es zum Beispiel um die Infektiosität von Kindern oder Türklinken steht."

Jene Praktiker, die jahrelange Erfahrungen im Management von Infektionskrankheiten haben, wie beispielsweise bei Krankenhausinfektionen, werden nach Aussage Schrappes seit Monaten nicht befragt. Dabei wissen diese Leute, dass eine Epidemie nicht mit einer einzigen Methode wie Kontaktbeschränkungen in den Griff zu bekommen ist. Verpflichtende FFP2-Masken für Besucher, Bewohner und Mitarbeiter von Altenheimen sowie exklusive Öffnungszeiten von Supermärkten für die Risikogruppe wären dem Mediziner zufolge weitere sinnvolle Maßnahmen.

Der Mediziner kritisierte ebenfalls, dass die verwendeten Zahlen wie die 7-Tage-Inzidenz, das DIVI-Register und der R-Wert nicht aussagekräftig seien. Seit Monaten arbeiteten das Robert Koch-Institut und die Politiker jedoch nur mit den Meldedaten:

"Das Problem dabei: Wenn wir wenig testen, finden wir auch wenig. Würden wir mehr testen, würden wir sicher auch mehr Fälle finden. Das gilt gerade bei einer Infektionskrankheit, die oft ohne Symptome verläuft."

Stattdessen solle man eine kontinuierliche Stichprobenstudie durchführen. Um die Corona-Lage wieder in den Griff zu bekommen, brauche man außerdem eine Umstrukturierung der Gesundheitsämter, da die Kontaktverfolgung in vielen Fällen ohnehin aussichtslos sei. Stattdessen könne man die Hälfte der Gesundheitsamt-Mitarbeiter vor die Altenheime und in Arztpraxen schicken, wo sie mit Schnelltest und dem nötigen Fachwissen aushelfen könnten.

Die derzeitige Politik, die davon ausgeht, dass man durch einen Lockdown wieder die Fallzahlen des Sommers erreiche, sei ein Fehler – vor allem, wenn jegliche Kritik daran abgewiesen wird:

"In der Gesellschaft entsteht so der Eindruck, es geht überhaupt nicht darum, was realistisch erreichbar ist, sondern nur um die Begründung beschlossener Maßnahmen. Für den Zusammenhalt und die Akzeptanz der Maßnahmen ist das ganz schlecht und zeigt eine gewisse Beratungsresistenz bei der Bundesregierung."

Auch der Erfolg der Impfkampagne sei aus ähnlichen Gründen noch unklar, denn "zwischen einem vorhandenen und zugelassenen Impfstoff und der erfolgreichen Impfung der Bevölkerung können viele Missverständnisse stehen".

Mehr zum Thema - Medizinprofessor Matthias Schrappe: "Die Bundesregierung ist beratungsresistent"

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