Gesellschaft

Das "Diversitäts-Paradox": Britische Eliteschule feuert Lehrer wegen Video über Patriarchat

Das Eton College ist eines der teuersten Jungeninternate der Welt. Unter anderem besuchten David Cameron und Boris Johnson die Eliteschule. Sie galt bis jetzt als ein Ort, an dem selbständiges Denken eingefordert wurde. Doch damit scheint es nun vorbei.
Das "Diversitäts-Paradox": Britische Eliteschule feuert Lehrer wegen Video über Patriarchat© Kazimierz Mendlik/WikiCommons

Das Patriarchat lässt sich nicht abschaffen – und selbst wenn es sich abschaffen ließe, wäre es für Frauen nicht wünschenswert. Wegen dieser provokanten These verlor der Lehrer Will Knowland seinen Job an der britischen Kaderschmiede Eton.

Das King's College of our Lady of Eton wurde ursprünglich 1440 von Heinrich VI. als Wohltätigkeitsschule gegründet, um 70 armen Schülern eine kostenlose Schulausbildung zu ermöglichen. Mittlerweile zählt die Institution zu den teuersten Privatschulen der Welt. Bis zu 13.556 Pfund Sterling muss man pro "Term" berappen. Das sind etwas mehr als 15.000 Euro – und erst drei "Terms" bilden ein Schuljahr.

In der illustren Absolventenliste finden sich der ehemalige britische Premierminister David Cameron und der aktuelle Premierminister Boris Johnson. Daneben auch der James-Bond-Erfinder Ian Fleming sowie der Autor von "1984", George Orwell. Laut Eigendarstellung setzt man in Eton vor allem auf "Diversität":

"Eines der auffälligsten Merkmale von Eton ist die Vielfalt der Schülerinnen und Schüler sowie des Personals mit sehr unterschiedlichen Hintergründen, Temperamenten, Meinungen und Interessen, von denen jeder hier seinen Platz hat."

Doch wie paradox diese "Diversität" gehandhabt wird, erfuhr Knowland, als er einen Video-Vortrag unter dem Titel "The Patriarchy Paradox" zunächst zur Begutachtung für die Schule ins Intranet der Schule und später auch auf seinen privaten YouTube-Kanal stellte. In seinem Video erläutert Knowland, warum aus seiner Sicht patriarchale Gesellschaftsordnungen im Kern kein soziales Konstrukt seien, sondern ein Resultat der Natur des Menschen, respektive, natürlicher Unterschiede zwischen Mann und Frau, die sich in ungleichen, aber aufeinander bezogenen Geschlechterrollen auswirkten.

Darüber kann man denken, was man will – aber das konnte im Zeitalter des Genderaktivismus und der Identitätspolitik nicht gut gehen.

Einem Bericht der britischen Zeitung Telegraph zufolge beschwerte sich zunächst ein Lehrerkollege, der das Video im Intranet der Schule gesehen hatte, beim Schulleiter, und bat darum, das Video wieder zu entfernen. Und es wurde entfernt. Doch auf die mehrfache Aufforderung der Schulleitung, das Video auch auf seinem privaten YouTube-Kanal zu löschen, reagierte Knowland nicht. Mit schwerwiegenden Folgen für ihn.

Knowlands Ansichten "zu gefährlich für die Jungs"?

Der Lehrer wurde kurzerhand entlassen. Zunächst weigerte sich die Schule, die Entlassung zu kommentieren, da noch ein Berufungsverfahren läuft. Doch nachdem die Kritik zunahm und der Institution unter anderem vorgeworfen wurde, die Redefreiheit einem sogenannten "woke progressivism" zu opfern, erklärte sich das College doch noch. Die Kündigung sei "keine Frage der Redefreiheit" soll die Schule in einer E-Mail-Erklärung geschrieben haben, die der Zeitung Epoch Times vorliegen soll:

Man habe die Entscheidung auf der Grundlage eines Rechtsbeistands getroffen. Die Anwälte hätten darauf hingewiesen, "dass der fragliche Inhalt gegen den Equalities Act und die Education (Independent Schools Standards) Regulations verstößt. Es gab einfach keine andere Wahl, als zu verlangen, dass er gestrichen wird", so die Schule weiter.

Der Lehrer sei wegen "groben Fehlverhaltens" von einem Disziplinarausschuss entlassen worden. Knowland unterrichtet seit neun Jahren Englisch an der Schule und begründete die Tatsache, dass er den Beitrag auf YouTube nicht löschen wollte gegenüber dem Telegraph mit den Worten:

"Weil ich leidenschaftlich an die Redefreiheit glaube, sagte ich, ich würde ihn nur dann entfernen, wenn ich einen klaren Grund dafür hätte, weshalb ich schließlich entlassen wurde."

Seine Absicht sei es gewesen, andere Ansichten als "die gegenwärtige radikale feministische Orthodoxie" zu präsentieren – aber nicht unbedingt, sie zu unterstützen. Doch die Schulleitung befand, "dass einige der Gedanken im Vortrag – etwa der, dass sich Männer und Frauen unterscheiden und nicht alle Unterschiede sozial konstruiert sind – zu gefährlich sind, um die Jungen damit zu konfrontieren". Nun sammelt eine Webseite Geld für den Lehrer. Dort steht zu lesen:

"Ich wurde aus meinem Arbeitsverhältnis entlassen. Meine Frau und ich werden obdachlos, zusammen mit unseren fünf Kindern. Ich sammle Geld, um meine Entlassung gegebenenfalls vor dem Arbeitsgericht anzufechten."

Als Ziel werden auf der Seite 60.000 Pfund Sterling angegeben. Zum Zeitpunkt als dieser Artikel entstand, kamen schon über 49.000 Pfund Sterling zusammen. Die langjährige Tätigkeit Knowlands an der Schule ist offenbar auch an den Schülern nicht spurlos vorübergegangen. Aktuelle und ehemalige Schüler verfassten einen Petitionsbrief für ihn. Dort heißt es unter anderem:

"Wir haben Schwierigkeiten zu erkennen, wo Mr. Knowlands Video aus dem Bereich der akademischen Debatte heraustritt und in eine wirklich diskriminierende private Meinung mündet." Und weiter: "Die Jungs [Die Verfasser des Briefs, Anm. d. Red] haben nach Ansicht des Videos beschlossen, dass das Problem nicht in der Art und Weise liegen kann, wie er die Ideen darlegt, sondern in den Ideen selbst."

Die Entlassung Knowlands deute, zumindest aufgrund der den Verfassern vorliegenden Fakten, auf einen "herzlosen und gnadenlosen Geist an der Spitze der Schule hin". Der Lehrer werde "von allen geliebt, die ihm begegnet sind". Er sei ein offensichtlich und durch und durch guter Mensch.

Fortsetzung nicht ausgeschlossen.

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