Europa

Russischer Botschafter zur Causa Schönbach: Offensichtlicher Sachverhalt löst Entrüstung aus

In einem Kommentar zeigte sich der russische Botschafter verwundert über das Ausmaß der emotionalen Empörung über den früheren Chef der deutschen Marine Kay-Achim Schönbach. Der Feststellung des Vizeadmirals, die Krim sei "weg", widersprach er dabei allerdings.
Russischer Botschafter zur Causa Schönbach: Offensichtlicher Sachverhalt löst Entrüstung ausQuelle: Sputnik © Nikolai Filjakow

Der Botschafter der Russischen Föderation in Deutschland Sergei Netschajew hat in einem Gespräch mit der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti den Skandal um die Äußerungen des nunmehr zurückgetretenen Chefs der deutschen Marine Vizeadmiral Kay-Achim Schönbach kommentiert.

Die Aussagen Schönbachs, der russische Präsident verdiene Respekt auf Augenhöhe und die Krim sei für die Ukraine "weg" und werde nie zurückkommen, bezeichnete er als persönliche Meinungsäußerung. "Ein Urteil darüber, aus welchem Grund diese durchaus offensichtlichen Sachverhalte so einen emotionalen Sturm ausgelöst haben, fällt mir schwer. Es liegt mir fern zu glauben, dass es in Deutschland zunehmend ein Problem ist, seinen persönlichen Standpunkt öffentlich kundzutun", sagte der Botschafter.

Diesem Standpunkt stimmte Netschajew teilweise zu: Russland sei tatsächlich kein Land, das überheblich, aus der Position der Stärke und einer moralischen Überlegenheit heraus mit Ultimaten behandelt werden darf.

"Wir treten anderen Ländern stets mit Respekt gegenüber und wollen, dass man genauso respektvoll mit uns umgeht. Es ist merkwürdig, dass manch einer diese Haltung immer noch erstaunlich findet."

Die Einschätzung des Vizeadmirals zum Status der Halbinsel Krim fand der Botschafter dagegen nicht optimal.

"Was die Krim anbelangt, so ist die Halbinsel nicht 'weg'. Sie ist zurück zu Hause, in Russland."

Die Menschen auf der Krim hätten eine bewusste Entscheidung getroffen und dem antirussischen Kurs der Ukraine, aufgezwungen durch den bewaffneten Staatsstreich von 2014, den Rücken gekehrt. Der russische Diplomat forderte Deutschland zu Kritik an den Verhältnissen in der Ukraine seit dem Umsturz auf dem Kiewer Maidan auf:

"Leider wird dieser Kurs von der jetzigen ukrainischen Regierung weiter gefahren. Die dortigen Behörden verdrängen alles, was mit Russland, russischer Sprache, Kultur und Bildung, unserer gemeinsamen Geschichte verbunden ist. Wer sich traut, anders zu denken, wird verfolgt und aus dem politischen Leben ausgeschlossen. Oppositionelle Medien werden dichtgemacht. Doch das spricht man in Deutschland irgendwie lieber nicht an."

Vizeadmiral Schönbach, Inspekteur der deutschen Marine, hatte am 21. Januar im Rahmen einer live aufgezeichneten Hintergrunddiskussion zu Fragen der Geopolitik bei einem Dienstbesuch in Indien versöhnlich klingende Aussagen zu Russland und dem russischen Präsidenten getätigt:

"Ist Russland wirklich daran interessiert, diesen kleinen Streifen ukrainischen Bodens zu haben, ihn sogar dem Land einverleiben? Nein, das ist Blödsinn. Ich denke, Putin übt wahrscheinlich Druck auf uns aus, weil er das tun kann. (...) Aber was er wirklich will, ist Respekt. Er will eine Beziehung auf Augenhöhe, er will Respekt. Und mein Gott, etwas Respekt zu geben, kostet nicht viel, sogar gar nichts."

Auch zur Frage der Perspektiven der zwischen 1954 und 2014 administrativ zur Ukraine gehörenden Halbinsel Krim äußerte sich der Offizier:

"Die Halbinsel Krim ist weg, sie wird nie mehr [zur Ukraine] zurückkehren, das ist eine Tatsache. Und wir müssen lernen, dass Politik eine Frage der Fakten ist, nicht der Emotionen."

Nach einer Welle der medialen Empörung und öffentlichen Kritik wurde Schönbach zum Rapport beim Generalinspekteur der Bundeswehr beordert. Ein Sprecher des deutschen Verteidigungsministeriums erklärte daraufhin:

"Die Äußerungen entsprechen in Inhalt und Wortwahl in keiner Weise der Position des Bundesverteidigungsministeriums."

Schönbach selbst teilte am Samstagabend über die Pressestelle der Marine mit:

"Ich habe soeben die Frau Bundesministerin der Verteidigung gebeten, mich von meinen Aufgaben und Pflichten als Inspekteur der Marine mit sofortiger Wirkung zu entbinden."

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