Europa

Brüssel: Hunderte Migranten treten in Hungerstreik für legalen Status

In der belgischen Hauptstadt Brüssel fordern mehrere Hundert illegale Migranten mit einem Hungerstreik die Legalisierung ihres Status. Einige ließen sich symbolisch den Mund zunähen. Die Regierung will sich jedoch nicht unter Druck setzen lassen.
Brüssel: Hunderte Migranten treten in Hungerstreik für legalen StatusQuelle: Reuters © Yves Herman

Der wochenlange Hungerstreik von Hunderten Migranten ohne Papiere in der belgischen Hauptstadt ist diese Woche eskaliert. Davor hatten vier Männer ihre Lippen zugenäht, um ihren Forderungen nach rechtlicher Anerkennung und Zugang zu Arbeit und Sozialleistungen Nachdruck zu verleihen.

Helfer sagen, dass mehr als 400 Migranten, die sich in zwei Brüsseler Universitäten und einer Barockkirche im Herzen der Stadt verschanzt haben, am 23. Mai aufgehört haben, zu essen. Viele von ihnen seien nun sehr schwach.

Viele der Migranten, die meist aus Südasien und Nordafrika stammen, sind schon seit Jahren in Belgien, einige seit mehr als einem Jahrzehnt. Sie sagen, dass ihr Lebensunterhalt durch COVID-19, was zum Verlust von Arbeitsplätzen geführt hat, gefährdet ist.

"Wir schlafen wie Ratten", berichtete Kiran Adhikeri, ein Migrant aus Nepal, der als Koch arbeitete, bis Restaurants wegen der Pandemie geschlossen wurden. "Ich habe Kopfschmerzen, Magenschmerzen, der ganze Körper ist voller Schmerzen."

"Ich flehe die belgischen Behörden an, bitte geben Sie uns Zugang zu Arbeit, wie andere auch. Ich möchte Steuern zahlen, ich möchte mein Kind hier großziehen, in dieser modernen Stadt", sagte er zu Reuters und gestikulierte von seinem behelfsmäßigen Bett zu den anderen Hungerstreikenden, die in dem überfüllten Raum lustlos auf Matratzen lagen.

Viele sahen ausgezehrt aus, während die Gesundheitsarbeiter sie versorgten. Sie benutzten Kochsalzlösung, um sie hydriert zu halten und pflegten die Lippen derjenigen, die ihren Mund zugenäht hatten, um zu zeigen, dass sie kein Mitspracherecht in ihrer Notlage haben.

Die belgische Regierung sagte, dass sie nicht mit den Hungerstreikenden verhandeln wird, wenn es um ihre Forderung nach einem formalen Aufenthaltsstatus geht.

Der stellvertretende Minister für Asyl und Migration, Sammy Mahdi, sagte Reuters am Dienstag, die Regierung werde nicht zustimmen, den Status der 150.000 undokumentierten Migranten in Belgien zu legalisieren. Sie sei aber bereit, Gespräche mit den Streikenden über ihre Notlage zu führen.

"Das Leben ist nie ein Preis, der es wert ist, bezahlt zu werden und einige Leute sind bereits ins Krankenhaus gekommen. Deshalb möchte ich wirklich versuchen, alle Personen und alle Organisationen, die dahinter stehen, zu überzeugen, um sicherzustellen, dass sie keine falsche Hoffnung machen", sagte Mahdi, als er über die Hungerstreikenden befragt wurde.

"Es gibt Regeln und Vorschriften – ob es um Bildung geht, ob es um Arbeitsplätze geht, ob es um Migration geht, die Politik muss Regeln haben."

Europa wurde im Jahr 2015 überrascht, als mehr als eine Million Migranten die Grenzen der EU erreichten und Sicherheits- und Wohlfahrtsnetzwerke überforderten.

Die Europäische Union hat eine Überarbeitung der Migrations- und Asylregeln vorgeschlagen, um die Belastung der Mittelmeeranrainerstaaten zu verringern. Viele Regierungen würden aber lieber die Grenzen und Asylgesetze verschärfen, als die Neuankömmlinge aufzunehmen.

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(rt de/reuters)