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Medien: London will Asylsuchende in ein Offshore-Aufnahmezentrum in Afrika schicken

Angesichts des wachsenden Drucks, eine Lösung für den Zustrom von Migranten zu finden, hofft die britische Regierung auf die Schaffung eines Offshore-Aufnahmezentrums für Einwanderer. Hierfür zieht man mehrere Optionen in Betracht.
Medien: London will Asylsuchende in ein Offshore-Aufnahmezentrum in Afrika schickenQuelle: Reuters © UK Parliament/Jessica Taylor

Berichten zufolge wird die britische Innenministerin Priti Patel in der kommenden Woche ein Gesetz vorstellen, das es der Regierung erlaubt, Asylsuchende für die Dauer der Bearbeitung ihrer Anträge in Offshore-Einrichtungen zu schicken. Die Zeitung fügte hinzu, dass Patel sich in Gesprächen mit der dänischen Regierung befinde. Diese plane, Migranten in ein Aufnahmezentrum in Ruanda zu schicken.

Britische Beamte hätten sich mit ihren dänischen Kollegen über die rechtlichen Belange beraten, die mit der Einrichtung eines solchen Offshore-Zentrums verbunden seien und auch das Potenzial einer gemeinsamen Nutzung der Einrichtung diskutiert.

Das britische Innenministerium hat Berichten zufolge auch die australische Herangehensweise untersucht. Dort werden Asylsuchende, die auf dem Seeweg ankommen, an Offshore-Einwanderungszentren in Papua-Neuguinea und anderen Nachbarstaaten weitergeleitet.

London hofft, dass die neue Praxis Migranten davon abhalten wird, die gefährliche Reise über den Ärmelkanal zu wagen. Zudem soll das Gesetz den Kampf gegen Menschenhändlerbanden erleichtern. Obwohl die neuen Regeln dazu gedacht seien, Migranten in die EU-Staaten abzuschieben, aus denen sie eingereist waren, verliefen die Gespräche mit Frankreich zu diesem Thema erfolglos. London gelang es Berichten zufolge nicht, ein bilaterales Abkommen mit der EU zu schließen.

Wie es hieß, sei der britische Premierminister Boris Johnson über die mangelnden Fortschritte im Umgang mit der wachsenden Zahl von Migranten, die nach Großbritannien kommen, unzufrieden. Am Wochenende traten weitere 315 Asylsuchende die Reise über den Ärmelkanal an, womit sich die Gesamtzahl in diesem Jahr auf 5.676 erhöhte, stellte die Times fest.

Während die britische Regierung bisher weniger extreme Maßnahmen in Betracht zog, sagte eine Quelle der Zeitung, die Entscheidung, die Offshore-Bestimmung in den Gesetzentwurf aufzunehmen, sei ein "ziemlich starkes Zeichen der Entschlossenheit".

Dies ist nicht das erste Mal, dass die Schaffung von Einrichtungen dieser Art in Übersee in Betracht gezogen wird. Anfang dieses Jahres wurde bekannt, dass die britischen Behörden darüber nachdenken, Territorien wie Gibraltar zu nutzen, um Asylbearbeitungszentren einzurichten. Vergangenes Jahr gab es Berichte, wonach Patel ihr Ministerium angewiesen habe, als Teil eines härteren Vorgehens gegen illegale Einwanderung die Möglichkeit zu untersuchen, ein Asylbearbeitungszentrum auf der Insel Ascension zu errichten. Die abgelegene Insel ist etwa 6.400 Kilometer von Großbritannien und etwa 1.600 Kilometer von Afrika entfernt.

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