Europa

Schweden: Fast 80 Prozent mehr Schießereien in Stockholm im Jahr 2020

Im vergangenen Jahr gab es in der schwedischen Hauptstadt den aktuellen Daten zufolge fast 80 Prozent mehr Schießereien als noch 2019. Derweil beklagt die Regierung ein "hohes Maß an Gewalt" in dem skandinavischen Land. Dutzende Menschen wurden durch Schüsse getötet.
Schweden: Fast 80 Prozent mehr Schießereien in Stockholm im Jahr 2020Quelle: Reuters © Johan Nilsson / TT News Agency

Das skandinavische Land hat vor allem in seinen Großstädten ein Problem mit Bandenkriminalität. Immer öfter werden auch Schusswaffen benutzt. Erst vor wenigen Tagen wurden in Helsingborg im Süden Schwedens bei einer Auseinandersetzung mehrere Menschen verletzt. Die Männer im Alter zwischen 30 und 40 Jahren hätten nach Angaben der Polizei Stich- oder Schnittverletzungen erlitten. Bei dem Vorfall am Montagabend war es demnach mutmaßlich auch zu einer Schießerei gekommen.

Bereits seit Jahren gibt es vermehrt Berichte über Auseinandersetzungen mit Schusswaffengebrauch. Das Problem mit gewalttätigen Banden rückte immer mehr in den Fokus. Zuletzt sahen sich die Behörden im Land mit Vorwürfen konfrontiert, die Augen vor der steigenden Kriminalität verschlossen zu haben. Vor allem geht es dabei um die Gewalt im Gangmilieu. 

Auch die nun von der Regierung veröffentlichten Zahlen belegen das. Schweden verzeichnete im vergangenen Jahr einen sprunghaften Anstieg von Gewalttaten mit Schusswaffen. Innenminister Mikael Damberg teilte am Montag mit, dass im Jahr 2020 bei 366 Zwischenfällen mit Schusswaffen 47 Menschen getötet und 117 verletzt worden seien. Dies bedeutet laut dem Minister einen Anstieg an Waffengewalt im ganzen Land um zehn Prozent im Vergleich zu den Daten von 2019.

Damberg fügte hinzu, dass bei fast der Hälfte der im vergangenen Jahr registrierten Schießereien jemand verletzt oder getötet worden sei. Er betonte: 

"Wir werden ein so hohes Maß an Gewalt weder akzeptieren noch uns daran gewöhnen."

Wie der Innenminister in der Regierung des Sozialdemokraten Stefan Löfven weiter erklärte, habe sich die Situation in Malmö verbessert – einer Stadt mit einem hohen Migrantenanteil, die bereits seit Jahren mit Bandenkriminalität zu kämpfen hat. Derweil sei aber die Kriminalität in Stockholm angestiegen. Laut Damberg gab es in der schwedischen Hauptstadt im Jahr 2020 einen schwindelerregenden Anstieg von 79 Prozent bei den Schießereien.

Die meisten der gewalttätigen Vorfälle ereigneten sich demnach in 60 Vororten im ganzen Land, die von der Polizei als "gefährdete" Gebiete identifiziert wurden. Dabei handelt es sich um Regionen mit hoher Kriminalitätsrate und starker sozialer Ausgrenzung. 

Damberg sagte, dass zwar nur 5,4 Prozent der schwedischen Bevölkerung in solchen Vierteln lebten, diese aber für mehr als die Hälfte der tödlichen Schießereien im Land verantwortlich seien.

Er äußerte zugleich jedoch die Hoffnung, dass 2021 ein "Wendejahr" sein werde, das eine drastische Verbesserung der Sicherheit mit sich bringe. Die Regierung hatte einen Plan zur Erhöhung der Zahl der Polizeianwärter im Land auf den Weg gebracht, mit dem Ziel, im Jahr 2024 im Vergleich zu 2016 10.000 mehr Polizisten zu haben.

Bereits 2019 hatte Schweden eine spezielle Eingreiftruppe eingerichtet, um gegen die Bandengewalt im Land vorzugehen. Den Beamten wurden unter anderem zusätzliche Überwachungsbefugnisse gewährt.

Kritiker hatten der Regierung des Öfteren vorgeworfen, die Rolle von Menschen mit Migrationshintergrund bei der Zunahme der Gang-Kriminalität zu ignorieren. Seitens der Behörden wurde oft auf Armut und Arbeitslosigkeit als Hauptursachen für die Gewalt hingewiesen.

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