Europa

Sonderbestattung für COVID-19-Opfer in Thessaloniki: Verstorbene selbst im Tod allein

Durch neue Hygiene-Regelungen werden COVID-19-Tote im griechischen Thessaloniki auf abgetrennten Bestattungsgrundstücken ohne die üblichen Rituale beerdigt. Für viele Angehörige ist dies ein besonders schmerzvoller und unverständlicher Schlag.

Für Angehörige von Verstorbenen im griechischen Thessaloniki ist die Situation durch die Corona-Krise noch schwerer als ohnehin schon: Es ist ihnen nicht nur untersagt, ihre Geliebten im Krankenhaus zu besuchen, sondern auch, ihnen im Fall einer schweren Erkrankung beim Sterben beizustehen, Als wäre das nicht schmerzhaft genug, werden die Verstorbenen nicht auf Friedhöfen begraben, sondern auf abgetrennten Bestattungsgrundstücken.

Wie Petros Trakas, Genrealsekretär vom Verband der westlichen Gemeinden Thessalonikis, erklärte, werden die Toten nicht wie üblichen für vier Jahren, sondern für zehn Jahre dort begraben – aus hygienischen Gründen. Außerdem werden sowohl die Toten als auch die Särge in Säcke gewickelt. Nach der griechischen Tradition werden Verstorbene üblicherweise nach drei bis vier Jahren wieder ausgegraben und in ein Beinhaus gebracht. Aufgrund neuer Regelungen fällt dieses Ritual für Coronavirus-Opfer allerdings weg. Diese müssen nun wegen ihrer mutmaßlichen Ansteckungsgefahr zehn Jahre begraben bleiben.

Insbesondere für die Angehörigen ist dies ein harter Schlag. Oft können sie ihre Angehörigen nicht einmal mehr besuchen. Eine Betroffene, die ihren Mann verloren hat, berichtet, dass die Behörden ihr gar nicht erst mitteilten, wo ihr Mann begraben worden ist:

"Sie sagten nur, er könne nicht mit den anderen auf den Friedhöfen sein, weil er an dem Coronavirus gestorben ist."

Auch Eleni Zegelidou, medizinische Prüferin des forensischen Diensts, hält die Regelungen für übertrieben. Nach ihrer Aussage sind die sterblichen Überreste von COVID-19-Opfern nicht ansteckender als die von Grippe-Toten.

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