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Krematorium aus Sachsen schlägt Alarm: "Die Anzahl der Leichen hat sich verdoppelt"

Jörg Schaldach, Direktor eines Krematoriums im sächsischen Meißen, schlägt Alarm. Denn seit eineinhalb Monaten stapeln sich im wahrsten Sinne des Wortes die Särge der Menschen, die mit oder an Corona gestorben sind, in seinen Hallen. Als Notlager muss deshalb schon die Trauerfeierhalle benutzt werden.

Schaldach berichtet zur Corona-Krise aus seiner Sicht: "Die Leute sterben auch an den normalen Erkrankungen wie Herzversagen, Schlaganfall und so weiter, woran man normal sterben kann. Und dann kommen noch einmal plus 100 Prozent die Corona-Verstorbenen dazu. [...] Üblicherweise machen wir in den Wintermonaten so 700 Einäscherungen pro Monat. Jetzt sind wir bei 1.500, also ungefähr beim Doppelten. Und das ist wirklich die Auswirkung der Corona-Krise. So eine dauerhafte Belegung, seit sechs Wochen und noch kein Ende abzusehen, das hatten wir noch nie."

Das Krematorium in Meißen erntet nun allerdings Kritik vom Generalsekretär des Bundesverbands Deutscher Bestatter, Stephan Neuser, laut dem solche Bilder vermeidbar gewesen wären. Sie repräsentierten auch nicht den Normalzustand, wie er behauptet. Insgesamt sei die Situation für die Bestatter in Deutschland "händelbar". Wie Neuser der Deutschen Presse Agentur erklärte, kämen hier neben der Coronakrise weitere Umstände hinzu, die zu solchen Bildern führten.

So werde das Krematorium mit Leichen aus ganz Sachsen beliefert und hätte lieber andere Krematorien in Sachsen schon im Vorfeld um Hilfe bitten können. Auch käme es immer im Januar zu "Mehrarbeit" für Bestatter, weil Standesämter über die Feiertage geschlossen bleiben und dann erst mit Verzögerung die Sterbeurkunden ausstellen. Vereinzelt käme es zwar zu Übersterblichkeit und -Belastung, das sei aber eher die Ausnahme als die Regel.

Neben den Todesfällen ist außerdem tragisch, dass viele Menschen sich nicht von den Toten verabschieden können. Wie Schaldach erklärt, würden diese höchstens noch die Rücklichter vom Rettungswagen mit ihren Liebsten sehen und dann irgendwann eine Urne in die Hand gedrückt bekommen, da die Kranken nicht besucht und im Sterben nicht begleitet werden dürfen. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts gibt es in Deutschland insgesamt 1.933.826 bestätigte Coronavirus-Fälle und 41.577 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus.