Nahost

Saudi-Arabien will Beziehungen zum wirtschaftlich schwer angeschlagenen Libanon wieder aufnehmen

Saudi-Arabien ist wieder dabei, seine Beziehungen zum Libanon zu verbessern. Der Zeitpunkt der Annäherung Riads an Beirut ist kein Zufall. Im Mai soll in Libanon ein neues Parlament gewählt werden. Saudi-Arabien schickte kürzlich seine Botschafter nach Beirut zurück, um eine diplomatische Krise zu entschärfen, die den Libanon seit dem letzten Oktober belastet.
Saudi-Arabien will Beziehungen zum wirtschaftlich schwer angeschlagenen Libanon wieder aufnehmenQuelle: AFP © BNA

Die jüngsten Verbesserungen in den Beziehungen zwischen dem Libanon und den Golfstaaten markiert einen neuen Kurswechsel der saudischen Außenpolitik im Nahen Osten. Saudi-Arabien und Kuwait schickten kürzlich ihre Botschafter nach Beirut zurück, um eine diplomatische Krise zu entschärfen, die den Libanon seit letztem Oktober belastet. 

Saudi-Arabien rief seinen Botschafter in einem gemeinsamen Schritt mit weiteren Golfstaaten im Oktober 2021 aus Libanon zurück. Dem vorausgegangen war eine Kritik des ehemaligen libanesischen Informationsministers George Kordahi am saudischen Militäreinsatz in Jemen. Der christliche Politiker Kordahi zählt zum Lager der schiitischen Hisbollah, die mit dem ebenfalls schiitischen Iran verbündet ist. Saudi-Arabien verbot als Strafmaßnahme alle Importe aus dem Libanon und untersagte seinen Bürgern auch Reisen in den Libanon.

Der saudische Botschafter Waleed Bukhari veranstaltete am Montag ein Abendessen in seiner Residenz und empfing den libanesischen Premierminister Nadschib Miqati und die Botschafter der USA, Großbritanniens, Frankreichs und Deutschlands. Miqati kündigte zudem an, dass er Riad in diesem Monat besuchen werde, um die Beziehungen zu Saudi-Arabien wieder zu normalisieren.

Die Beziehungen des Libanons zu Saudi-Arabien und anderen Golfstaaten waren im vergangenen Jahr stark angespannt. Das Königreich war besonders besorgt über den Schmuggel der illegalen Amphetamine Captagon in den Golfstaat sowie den wachsenden Einfluss der vom Iran unterstützten schiitischen Bewegung Hisbollah, die von Riad als "terroristische" Organisation eingestuft wurde. 

Saudi-Arabien investierte einst Milliarden von Dollar in das Land und stärkte dessen Tourismuswirtschaft. Die diplomatische Krise, die ein pauschales Verbot libanesischer Exporte in das Königreich beinhaltete, fügte der libanesischen Industrie massiven Schaden zu. Die Botschafter der Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrains sind noch immer nicht in den Libanon zurückgekehrt.

Der Parlamentsabgeordnete Fouad Makhzoumi, ein Unterstützer Riads und überzeugter Kritiker der Hisbollah, sagte gegenüber Al Jazeera, die jüngste Entwicklung sei eine "wertvolle Gelegenheit" für den Libanon. Er beschuldigte die Hisbollah und deren Verbündeten an der Macht, die Beziehungen zum Golf abbrechen zu wollen. Der Hisbollah-Chef, Hassan Nasrallah, warf bereits Saudi-Arabien vor, die Verbreitung radikal-islamistischer Ideologie weltweit gefördert zu haben. Er erklärte Anfang Januar, dass Riad tausende Libanesen, die in der ölreichen Region des Persischen Golfs arbeiten, "als Geiseln" genommen zu haben.

Der Zeitpunkt der Annäherung Riads an den Libanon ist kein Zufall. Im Mai soll in Libanon ein neues Parlament gewählt werden. Es wäre der erste Urnengang seit der gewaltigen Explosion im Hafen von Beirut, die im Sommer 2020 Hunderte Menschen das Leben gekostet und Teile der Stadt in Trümmer gelegt hat. "Wir hatten in den Wochen und Monaten vor den Wahlen immer eine Zunahme ausländischer Einmischung und Interventionen", sagte Karim Emile Bitar, Direktor des Instituts für Politikwissenschaft an der Saint Joseph University in Beirut.

Unter Hinweis auf den Wahlprozess im Libanon beschuldigte Hisbollah-Chef Nasrallah kürzlich die US-Botschaft in Beirut, dass sie daran arbeite, die Parlamentswahlen zu verschieben. Nasrallah sagte, eines der Ziele der Gespräche über die Verschiebung der Wahlen könne darin bestehen, den Enthusiasmus der Bürger für die Teilnahme an den Wahlen zu verringern.

Mehr zum Thema - Hisbollah und Saudi-Arabien steuern auf Konfrontation zu – weitere Proteste in Beirut geplant

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