Asien

Nach Bombardements: Taliban warnen USA vor Einmischung in Afghanistan

Ein Sprecher der islamistischen Taliban hat Washington davor gewarnt, sich weiterhin in den Bürgerkrieg in Afghanistan einzumischen. Zudem warf er der afghanischen Regierung vor, die Spannungen im Land zu verschärfen. Am Samstag hatten die US-Streitkräfte Stellungen der Taliban bombardiert.
Nach Bombardements: Taliban warnen USA vor Einmischung in AfghanistanQuelle: www.globallookpress.com © Ho/ZUMAPRESS.com

Die Taliban haben eine Botschaft an die Vereinigten Staaten gerichtet, in der sie Washington vor einer weiteren Einmischung in die inneren Angelegenheiten Afghanistans warnen. Das erklärte ein Sprecher des politischen Büros der Bewegung gegenüber dem katarischen Sender Al Jazeera:

"Wir warnen vor der Einmischung der USA in Afghanistan."

Er betonte zudem, dass noch kein innerafghanischer Waffenstillstand erreicht worden sei, und beschuldigte auch die afghanische Regierung, die Spannungen im Land durch die Einleitung von Operationen in mehreren Provinzen zu verschärfen.

Am Samstag griffen US-Bombenflugzeuge Taliban-Kräfte in Scheberghan in der Provinz Dschuzdschan an. Sie hätten den Taliban-Kämpfern erhebliche Schäden zugefügt, erklärte der Sprecher des afghanischen Verteidigungsministeriums, Fawad Aman, auf Twitter.

Die Taliban intensivierten in den letzten Wochen ihre Offensive angesichts des unmittelbar bevorstehenden Abzugs der letzten US-Truppen aus Afghanistan. Am Samstag gab die Bewegung bekannt, dass sie die südwestliche Provinz Nimrus einschließlich ihrer Hauptstadt Sarandsch – das erste Provinzzentrum, das die Islamisten seit 2016 eingenommen haben – und die nördliche Provinz Dschuzdschan erobert hat. Zuletzt fielen die nordöstliche afghanische Provinz Tachar sowie auch Kundus als die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz in die Hände der Taliban.

Der rasche Vormarsch der Bewegung hat weltweit Besorgnis ausgelöst. Internationale Menschenrechtsorganisationen äußerten Befürchtungen wegen der Zukunft der afghanischen Bevölkerung, vor allem der Frauen. Der ehemalige US-Botschafter in Afghanistan Ryan Crocker bezweifelte zwar, dass die Taliban schnell das ganze Land übernehmen könnten, meinte dazu jedoch am Sonntag, dass "ein lang anhaltender Bürgerkrieg wahrscheinlicher ist".

Inzwischen sind frühere afghanische Helfer wie Dolmetscher und Sicherheitskräfte, die den US-Truppen während des langen Krieges geholfen haben, zusammen mit ihren Familien zu ersten Zielen für die Taliban-Kämpfer geworden, da die Taliban diese als Verräter am Islam und am Land ansehen. Washington versprach, Tausende von afghanischen Staatsbürgern, die mit den US-amerikanischen Streitkräften kollaboriert hatten, zu evakuieren. Aber bisher wurden nur weniger als ein Prozent der Betroffenen außer Landes gebracht.

Der Abzug der USA aus Afghanistan soll bis zum 11. September abgeschlossen sein. Der Abzug wurde in einem Abkommen festgelegt, das die Taliban und die Vereinigten Staaten im Februar 2020 in Doha unterzeichneten.

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