Wirtschaft

IWF-Experte: Ukraine-Krieg gefährdet Wirtschaftswachstum in Asien

Der Krieg in der Ukraine hat weit über Osteuropa hinaus starke Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung. Ein Vertreter des Internationalen Währungsfonds äußerte sich zu den möglichen Effekten auf Asien.
IWF-Experte: Ukraine-Krieg gefährdet Wirtschaftswachstum in AsienQuelle: www.globallookpress.com © Travel-Stock-Image via www.imago-images.de

Der Direktor der für Asien und den Pazifikraum zuständigen Abteilung des Internationalen Währungsfonds (IWF) Changyong Rhee hat in einem Interview mit der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua erklärt, dass der nun schon seit einem Monat andauernde Krieg zwischen Russland und der Ukraine die asiatische Wirtschaft zusätzlich beeinträchtigt hat. Die asiatische Wirtschaft hätte ohnehin schon mit einem von Omikron ausgelösten Anstieg der COVID-19-Infektionen zu kämpfen gehabt und sich so auf strengere finanzielle Bedingungen einstellen müssen, so ein Mitarbeiter des Internationalen Währungsfonds (IWF). Der Ökonom sagte:

"Wir sind dabei, die Auswirkungen über verschiedene Kanäle zu quantifizieren ... aber wir haben im Moment keine genaue Zahl, auch weil es noch viele Unsicherheiten gibt."

Er wies darauf hin, dass sich der aktuelle Konflikt im asiatischen Raum vor allem auf die Rohstoffpreise, insbesondere die Ölpreise, auswirkt. Wie groß der Effekt sei, hänge von der Dauer des Konflikts ab. Zudem würde es intensive Schwankungen des Ölpreises geben, daher könnten sich laut Rhee die Auswirkungen relativ stark verändern.

Indonesien, das selbst viele Rohstoffe exportiert, werde von der aktuellen Krise weniger betroffen sein, während Südkorea, Japan und Indien, die stark von Ölimporten abhängig sind, mehr belastet werden, so Rhee.

Der IWF-Beamte forderte die asiatischen Regierungen auf, Treibstoffsubventionen zu reduzieren, da diese in der Regel Menschen mit höherem Einkommen zugutekommen würden. Diese würden mehr Energie verbrauchen. Stattdessen sollen laut Rhee die Regierungen eine gezielte Steuerpolitik umsetzen, um die armen Haushalte zu unterstützen, die im Zuge der Krise auch mit höheren Lebensmittelpreisen zurechtkommen müssen.

Neben dem Russland-Ukraine-Konflikt würde auch die Ausbreitung der Omikron-Variante in der Region sowie die höheren Zinssätze der US-Zentralbank Hürden für das wirtschaftliche Wachstum in Asien darstellen, so Rhee.

Die Zinserhöhungen der US-Notenbank könnten zu Kapitalabflüssen führen und die Finanzierungskosten in die Höhe treiben, wodurch sich das Schuldenproblem Asiens verschärfen würde, sagte Rhee. Er fügte hinzu, dass die Schulden Asiens heute fast 40 Prozent der weltweiten Gesamtschulden ausmachen. Zum Vergleich waren es im Jahr 2007 nur 25 Prozent.

"Die Verschuldung hat also erheblich zugenommen, und die hohen Zinssätze werden sich definitiv auf die Kreditkosten und die Finanzierungskosten auswirken und könnten sogar die Wirtschaft bremsen."

Für China seien die direkten Auswirkungen "relativ gering", sagte Rhee.

Der Ökonom warnte, dass der Anstieg der weltweiten Ölpreise China beeinträchtigen und die wirtschaftliche Verlangsamung in Europa indirekte Auswirkungen auf Chinas Exporte haben könnte.

Die chinesische Regierung könne versuchen, dem entgegenzuwirken, indem sie das Konsumwachstum anzukurbeln versucht und Konjunkturprogramme auflegen, um sein langfristiges Ziel des Schuldenabbaus und sein kurzfristiges Wirtschaftswachstumsziel von rund 5,5 Prozent für 2022 zu erreichen, so Rhee.

Rhee hatte vor Kurzem zusammen mit weiteren IWF-Angehörigen einen Meinungsbeitrag veröffentlicht. In diesem schrieben sie, dass der Krieg zwischen Russland und der Ukraine "die globale wirtschaftliche und geopolitische Ordnung grundlegend verändern könnte, wenn sich der Energiehandel verschiebt, Lieferketten neu konfiguriert werden, Zahlungsnetzwerke fragmentiert werden und Länder ihre Reservewährungsbestände überdenken". Darüber hinaus warnten die Experten:

"Zunehmende geopolitische Spannungen erhöhen das Risiko einer wirtschaftlichen Fragmentierung, insbesondere für Handel und Technologie."

Im Interview mit Xinhua äußerte der IWF-Vertreter jedoch seine Hoffnung, dass dieses Worst-Case-Szenario nicht eintritt:

"Ich hoffe wirklich, dass es nicht so weit kommt, dass Russland und die Ukraine diese Frage schnell lösen müssen. Ich hoffe, dass die Globalisierung weitergehen kann."

Rhee wies darauf hin, dass ein Rückschlag für die Globalisierung höhere Kosten und geringere Handelsströme bedeuten würde. Er betonte, dass der Handel ein großer Motor für das Wachstum sei. Er fügte hinzu:

"Je mehr Menschen sich austauschen, desto mehr Ideen und Technologieentwicklung gibt es. Ich hoffe, dass sich der Multilateralismus durchsetzt."

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