Wirtschaft

Wachsender chinesisch-russischer Handel als Zeichen der Annäherung

Einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge haben sich China und Russland in den letzten Jahren immer weiter angenähert. Das zeige sich vor allem auch in den Handelsbeziehungen der beiden Länder, die auch in Zukunft noch weiter ausgebaut werden sollen.
Wachsender chinesisch-russischer Handel als Zeichen der AnnäherungQuelle: Legion-media.ru

Einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge, der sich auf chinesische Zolldaten stützt, ist der Gesamthandel zwischen China und Russland im vergangenen Jahr um 35,9 Prozent auf einen Rekordwert von 146,9 Milliarden US-Dollar (rund 131 Milliarden Euro) gestiegen. Russland, das einen Handelsüberschuss mit China erzielt habe, sei für China eine wichtige Quelle für Öl, Gas, Kohle und landwirtschaftliche Erzeugnisse.

Seit der Verhängung von Sanktionen im Jahr 2014, nach dem Anschluss der Krim an Russland, habe sich der bilaterale Handel um mehr als 50 Prozent ausgeweitet, und China sei zum größten Exportziel Russlands geworden, heißt es im Bericht weiter.

Das Ziel der beiden Länder sei es gewesen, den Gesamthandel bis 2024 auf 200 Milliarden US-Dollar (rund 179 Milliarden Euro) zu steigern. Doch während des Besuchs des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Peking anlässlich der Olympischen Winterspiele wurde ein neues Ziel formuliert: Der bilaterale Handel soll auf 250 Milliarden US-Dollar (rund 223 Milliarden Euro) ausgebaut werden.

Wie Reuters weiter schreibt, könne China einen Teil der Probleme ausgleichen, die Russland durch weitere Sanktionen nach dem Angriff auf die Ukraine bevorstehen. Allerdings werde sich Peking davor hüten, dabei selbst Zielscheibe für Sanktionen zu werden.

Russland zweitgrößter Öllieferant Chinas

Dem Bericht zufolge nahmen Exporte von russischem Öl und Gas nach China stetig zu. Russland sei nach Saudi-Arabien der zweitgrößte Öllieferant Chinas und habe im vergangenen Jahr durchschnittlich 1,59 Millionen Barrel pro Tag geliefert, was 15,5 Prozent der chinesischen Einfuhren entspreche. Etwa 40 Prozent der Lieferungen seien über die 4.070 Kilometer lange Ostsibirien-Pazifik-Pipeline (ESPO) geflossen, die mit chinesischen Krediten in Höhe von 50 Milliarden US-Dollar (rund 44 Milliarden Euro) finanziert worden war.

Weiter schreibt die Nachrichtenagentur, dass Russland auch Pekings drittgrößter Gaslieferant sei und 2021 16,5 Milliarden Kubikmeter nach China exportieren habe, was etwa fünf Prozent des chinesischen Bedarfs entspreche. Die Lieferungen über die Pipeline "Power of Siberia", die nicht an das Netz der westlich verlaufenden russischen Gaspipelines angeschlossen ist, hatten dem Bericht zufolge Ende 2019 begonnen und sollen bis 2025 auf 38 Milliarden Kubikmeter ansteigen.

Russland plane den Bau einer zweiten Gaspipeline, Power of Siberia 2, mit einer Kapazität von 50 Milliarden Kubikmeter pro Jahr. Die zweite Pipeline solle über die Mongolei nach China führen. Russland sei 2021 auch Chinas zweitgrößter Kohlelieferant gewesen. Im letzten Monat habe der russische Präsident Wladimir Putin neue russische Öl- und Gasverträge mit China im Wert von schätzungsweise 117,5 Milliarden US-Dollar vorgestellt, so Reuters weiter.

Auch Handel mit Lebensmitteln wächst

Dem Bericht zufolge hatte China 2019 die Einfuhr von Sojabohnen aus allen Regionen Russlands erlaubt. Moskau und Peking hätten eine Vereinbarung unterzeichnet, die zu einer Vertiefung der Zusammenarbeit bei der Lieferkette von Sojabohnen führen soll. Infolgedessen hätten mehr chinesische Unternehmen Sojabohnen in Russland angebaut. Russlands Export von Sojabohnen nach China soll sich im vergangenen Jahr auf 543.058 Tonnen belaufen haben. Die Exporte sollen Reuters zufolge bis 2024 3,7 Millionen Tonnen erreichen.

Zudem habe China 2021 die Einfuhr von Rindfleisch aus Russland genehmigt und am vergangenen Freitag auch die Einfuhr von Weizen aus allen Regionen Russlands. Zu den weiteren Lebensmittelexporten aus Russland nach China gehören dem Bericht zufolge Fisch, Sonnenblumenöl, Rapsöl, Geflügel, Weizenmehl und Schokolade. China sei auch ein großer Abnehmer von Holz aus dem Fernen Osten Russlands und habe im vergangenen Jahr Holz und verwandte Produkte im Wert von 4,1 Milliarden US-Dollar (rund 3,58 Milliarden Euro) importiert.

Auch in die andere Richtung gebe es Zuwächse. So habe China mechanische Produkte, Maschinen, Transportausrüstung, Mobiltelefone, Autos und Konsumgüter nach Russland exportiert. Die chinesischen Ausfuhren nach Russland sollen sich demnach im vergangenen Jahr auf 67,6 Milliarden US-Dollar (rund 60,6 Milliarden Euro) belaufen haben – ein Anstieg um 34 Prozent.

Russland größter Empfänger staatlicher Finanzierungen aus Peking

Die westlichen Sanktionen hätten Russland, so Reuters weiter, in den letzten Jahren gezwungen, sich auf der Suche nach Investitionsmöglichkeiten an China zu wenden, und chinesische Staatsbanken hätten Russland bei der Finanzierung von Infrastruktur bis hin zu Öl- und Gasprojekten im Rahmen von Chinas Belt and Road Initiative unterstützt.

Russland ist dem Bericht zufolge bei Weitem der größte Empfänger staatlicher Finanzierungen Chinas und erhielt zwischen 2000 und 2017 107 Darlehen und Exportkredite im Wert von 125 Milliarden US-Dollar (rund 112 Milliarden Euro) von chinesischen staatlichen Institutionen. Bei den Zahlen bezieht sich Reuters auf Daten des Forschungslabors AidData des College of William and Mary.

Zudem, heißt es im Bericht weiter, hätten China und Russland 2010 begonnen, ihre eigenen Währungen für die Abwicklung des bilateralen Handels zu verwenden. In der ersten Hälfte des Jahres 2021 seien 28 Prozent der chinesischen Exporte nach Russland auf die chinesische Währung Renminbi entfallen, verglichen mit nur zwei Prozent im Jahr 2013. Beide Länder versuchten, ihre Abhängigkeit vom US-Dollar zu verringern und gleichzeitig ihre eigenen grenzüberschreitenden Zahlungssysteme zu entwickeln.

Weiter berichtet Reuters, dass die chinesische Währung im Juni 2021 13,1 Prozent der Devisenreserven der russischen Zentralbank ausgemacht habe, verglichen mit nur 0,1 Prozent im Juni 2017, während Moskaus US-Dollarbestände von 46,3 Prozent im selben Zeitraum auf 16,4 Prozent gesunken seien.

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