Wirtschaft

Inflationsrate vor dem Sprung: Steigende Immobilienpreise sollen mitgerechnet werden

Das höchste Gremium der Europäischen Zentralbank (EZB), der EZB-Rat, steht vor einer folgenschweren Entscheidung: Er will in die Berechnung der Inflationsrate die selbst genutzten Wohnimmobilien aufnehmen. Doch hohe bürokratische Hürden stehen im Weg.
Inflationsrate vor dem Sprung: Steigende Immobilienpreise sollen mitgerechnet werdenQuelle: www.globallookpress.com © imago stock&people

Bisher wurden in der EU nur Mieten berücksichtigt, nicht aber die stark im Preis gestiegenen Immobilien. In den USA war es immer schon anders, denn die finanziell größten Anschaffungen in einem Menschenleben sind die eigenen vier Wände gefolgt vom Auto. 

Um dieses in der Bundesrepublik weitgehende verzerrte statistische Bild zu entzerren, will nun auch die Bundesregierung selbst genutzte Immobilien mit in den sogenannten Harmonisierten Verbraucherpreisindex ein. An ihm orientiert sich etwa auch die gesamte Schuldenpolitik der EZB.

Fachleute fürchten nun ein deutliches Ansteigen der Inflationsrate in Deutschland von im Mai 2,5 Prozent, sollte die Rechnung mit der eigenen, stark im Preis gestiegenen Immobilie neu aufgemacht werden. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann schätzt in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung etwa einen Anstieg der Inflationsrate in der Eurozone um bis zu 0,3 Prozentpunkte. Fielen die Immobilienpreise langfristig wieder, sänke auch die  Inflationsrate. Wie in den USA. Bei anderen Erhebungen, etwa jenen der italienischen Bank UniCredit, werden vielmehr die Dinge des täglichen Bedarfs und auch Benzin eingerechnet, was eine erschreckend höhere Teuerungsrate von etwa 4,1 Prozent ergibt. Diese liegt aber sehr viel näher an der Wirklichkeit als die der deutschen Statistiker.

Aber der Teufel steckt nicht nur im Detail, sonders auch in der Bürokratie. Bis man das bisherige Berechnungssystem etwa beim sogenannten Warenkorb auch die selbst genutzten Immobilien mit einbezieht, müssen noch einige Hürden genommen werden. Die Daten über Haus- und Wohnungswert werden von der Statistikbehörde Eurostat herangetragen und müssten von der EZB amtlich bestellt werden. Wie lange das dann dauert, ist noch völlig offen.

Hinzu kommt das große Problem, wie man die Immobilienpreise harmonisiert einpflegt. Dazu müsse die Verordnung 2016/792 geändert werden. Und das können nur der Europäische Rat und das EU-Parlament. Außerdem müsste man monatlich den Anstieg des Vermögenswertes der Immobilien erheben. Bisher werden diese nur quartalsweise erhoben.

Nach EZB-Angaben sind die Euro-Immobilienpreise in der Pandemie kräftig gestiegen, im vierten Quartal 2020 im Vorjahresvergleich um 5,8 Prozent. Hauptpreistreiber waren  Deutschland, Frankreich und die Niederlande mit fast drei Viertel des europäischen Gesamtanstiegs. Und der Trend wird eher beschleunigt: In Karlsruhe kämen nach Informationen der Maklerfirma Engel & Völkers, wie im Handelsblatt erwähnt, 200 bis 400 Interessenten auf ein Objekt. In München ist es nach örtlichen Maklerinformationen eher noch schlimmer. Bei steigender Immobilien-Nachfrage steigt dann in Zukunft auch die Inflationsrate. Folge für die Banken: Die Hauskredite könnten sinken.

In den USA liegt die Inflationsrate bei fünf Prozent. Die Maklervereinigung National Association of Realtors berichtet von einem durchschnittlichen Preisanstieg von 23,6 Prozent.

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