Wirtschaft

Apple warnt: Neue EU-Datenschutzrichtlinien ermöglichen Sideloading und gefährden Nutzer-Sicherheit

Der Chef des Tech-Konzerns Apple hat während eines Auftritts auf einer Technologie-Konferenz die neuen bevorstehenden EU-Datenschutzrichtlinien kritisiert. Sie würden den Datenschutz von iPhones aushebeln indem sie die Umgehung des vorgeschriebenen Apple App Stores ermöglichen.
Apple warnt: Neue EU-Datenschutzrichtlinien ermöglichen Sideloading und gefährden Nutzer-SicherheitQuelle: Reuters © Apple Inc / Brooks Kraft

Apple-CEO Tim Cook hat iPhone-Nutzer während einer Technologie-Konferenz gewarnt, dass mehrere Datenschutz-Funktionen des iPhone aufgrund der bevorstehenden EU-Datenschutzrichtlinien Gefahr laufen, gänzlich ausgehebelt zu werden.

Der in den USA ansässige Tech-Gigant Apple verlangt derzeit von seinen Kunden, dass Apps nur über seinen eigenen App Store auf die Apple-Geräte geladen werden. Unter dem vorgeschlagenen Digital Markets Act (DMA), der in der Europäischen Union auf seine Verabschiedung wartet, werde er gezwungen sein, "Sideloading" zu erlauben – was es den Nutzern erlaubt, Apps selbst herunterzuladen, ohne den von Apple kontrollierten zentralen App Store zu durchlaufen.

Cook argumentierte, die Auswirkungen des EU-Gesetzes auf iPhone-Nutzer würden unterschätzt. Sideloading "wäre ein alternativer Weg, um Apps auf das iPhone zu bekommen, so wie wir das sehen, der die Sicherheit des iPhones zerstören würde", stellte der Apple-Chef am Mittwoch auf der französischen Technologiekonferenz Viva Tech fest. Der Weg über den App Store "stellt qualitativ hochwertige Apps sicher und hält Malware von den Telefonen der Nutzer fern."

Auf den ersten Blick scheint das Sideloading, bei dem der Nutzer weder seine Apple-ID eingeben noch sich anderweitig identifizieren muss, besser geeignet zu sein, um die Privatsphäre oder zumindest die Anonymität zu schützen. Cook argumentierte jedoch, dass das Zulassen des Umgehungsmechanismus' die Privatsphäre der Nutzer unwiderruflich gefährden würde.

Apple hat wiederholt erklärt, dass seine die Privatsphäre schützenden Systeme sich große Mühe geben, alle Netzwerkaufgaben an die Telefone selbst zu delegieren und Daten lokal zu halten, statt die Telefone mit nahegelegenen Mobilfunkmasten (oder dem Unternehmen selbst) kommunizieren zu lassen, wo immer dies möglich ist.

Während Cook darauf beharrt, dass es ihm in erster Linie um das "beste Interesse" der Apple-Nutzer geht, sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass sein Unternehmen einen satten Anteil von 30 Prozent an jedem App-Store-Kauf kassiert. Darüber hinaus stellt der Zwang, den gesamten App-Download-Verkehr über den App Store abzuwickeln, sicher, dass keine "unautorisierten" Apps auf iPhones gelangen, ein Problem, das kleineren Social-Media-Plattformen wie Parler und Telegram in den letzten Monaten wiederholt Probleme bereitete. Obwohl keine der beiden Apps gegen US-Gesetze verstoßen hatte, wurden sie von Medien wie CNN und Politikern als Bedrohung dargestellt.

App-Entwickler gerieten mit den Tech-Giganten wegen angeblich wettbewerbswidriger Praktiken aneinander und argumentieren, dass sie keinen Regressanspruch haben, wenn Apple sie aus dem App Store aussperrt. Laut Epic Games, dem Hersteller des beliebten Spieltitels Fortnite, kommt ein solches Vorgehen einem Monopol gleich.

Der Spielemacher verklagt Apple derzeit auf das Recht, die 30-prozentige Transaktionsgebühr zu umgehen. Wenn er erfolgreich ist, bekommt er außerdem das Recht, seinen eigenen App Store auf iPhones zu installieren und ebnet damit wahrscheinlich den Weg für andere App-Entwickler, die sich aus dem Apple App Store aus dem einen oder anderen Grund ausgeschlossen fühlen.

Der Digital Markets Act der EU würde große Tech-Konzerne dazu zwingen, Wettbewerb zuzulassen oder mit hohen Strafen zu rechnen. Regelverstöße könnten mit einer Geldstrafe von bis zu zehn Prozent des weltweiten Gesamtgewinns geahndet werden, im Fall von Apple also mit satten 26 Milliarden US-Dollar.

Doch während Apple und Google sich gegen die neue Gesetzgebung wehren, scheinen andere Unternehmen wie Facebook und Spotify sie zu begrüßen. Spotify hat Apple wegen seines "unfairen Vorteils" gegenüber Konkurrenten verklagt, während Facebook sich beschwert hat, dass Apples Anti-Tracking-Tool, das Nutzer davor schützt, in den Apps mit Werbung überschüttet zu werden, unfair sei und sowohl Entwicklern als auch Verbrauchern schaden würde.

Der Apple-Chef beklagte auch die Tatsache, dass der Marktanteil des iPhones in Frankreich nur 23 Prozent betrage und deutete an, dass Android-Smartphones, die von mehr Malware betroffen sind, als Ergebnis der Öffnung des Systems für Sideloading noch unsicherer sein würden.

Mehr zum Thema - Berichte: EU-Kartellstrafe könnte Apple 10 Prozent seines weltweiten Umsatzes kosten

Sehr geehrte RT DE-Leser,

wir sind auf einen neuen Dienst für die Kommentarfunktion umgestiegen.

Da wir die Privatsphäre unserer Leser respektieren und Ihre Daten nicht an eine Drittplattform übermitteln werden, müssen Sie sich erneut registrieren. Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeit und hoffen, dass sie sich weiterhin mittels der Kommentarfunktion über aktuelle Themen austauschen und informieren können.

Mit freundlichen Grüßen

Ihre RT DE-Redaktion