Wirtschaft

Geschicktes Pandemiemanagement: China wird westliche Volkswirtschaften bereits 2028 überholen

Ein halbes Jahrzehnt früher als noch vor einem Jahr erwartet werde China die größte Volkswirtschaft der Welt vor den Vereinigten Staaten. Dies stellt das Centre for Economics and Business Research (CEBR) in seiner jährlichen Rangliste der Wachstumsaussichten von 193 Ländern fest.
Geschicktes Pandemiemanagement: China wird westliche Volkswirtschaften bereits 2028 überholenQuelle: Reuters © REUTERS/Thomas Peter

Noch vor dem Ende des Jahrzehnts und ein halbes Jahrzehnt früher als noch vor einem Jahr erwartet wird China die USA als größte Volkswirtschaft der Welt ablösen, so eine aktuelle Studie des Centres for Economics and Business Research (CEBR). In ihrer jährlichen Rangliste der Wachstumsaussichten von 193 Ländern, der World Economic League Table, sagte die in Großbritannien ansässige Beratungsgruppe, dass China sich schnell von den Auswirkungen von COVID-19 erholt habe. Die Volksrepublik werde 2020, als einzige große globale Wirtschaft, die expandiert, um zwei Prozent wachsen. Douglas McWilliams, der stellvertretende Vorsitzende des CEBR, sagte:

"Die große Neuigkeit in dieser Prognose ist die Wachstumsgeschwindigkeit der chinesischen Wirtschaft. Wir erwarten, dass das Land während der laufenden Fünfjahresplanperiode (2020 bis 2025) zu einer Volkswirtschaft mit hohem Einkommen wird."

Die Autoren führten dies auch auf den jeweils unterschiedlich erfolgreichen Umgang der beiden Länder mit der Corona-Pandemie zurück. Peking sei nicht nur effektiver mit dem Ausbruch umgegangen als westliche Nationen, auch sei deren langfristiges Wachstum erheblich beeinträchtigt. Chinas "geschicktes Management der Pandemie" mit seiner strikten frühzeitigen Abriegelung sowie die Auswirkungen auf das langfristige Wachstum im Westen haben dazu geführt, dass sich Chinas relative Wirtschaftsleistung verbessert habe. Nachdem China den ersten Ausbruch des Coronavirus in Wuhan erlebt hatte, geriet es wirtschaftlich ins Stocken, nach der Pandemie hat es jedoch einen Vorsprung erlangt.

Da die US-Wirtschaft in diesem Jahr voraussichtlich um fünf Prozent schrumpfen werde, würde China den Abstand zu seinem größten Rivalen verringern. Laut CEBR würde sich das Wachstum in den Vereinigten Staaten zwischen 2022 und 2024 auf 1,9 Prozent pro Jahr und danach auf 1,6 Prozent verlangsamen. China dürfte laut den Einschätzungen des CEBR von 2021 bis 2025 ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von 5,7 Prozent pro Jahr erreichen, bevor es sich von 2026 bis 2030 auf 4,5 Prozent pro Jahr verlangsamt.

Die Weltbank prognostizierte, dass Chinas BIP-Wachstum bis 2021 auf das Niveau vor der Pandemie zurückkehren. Im kommenden Jahr werde es sogar 7,9 Prozent erreichen, berichtete die staatliche Zeitung China Daily unter Berufung auf einen am Mittwoch veröffentlichten Bericht der internationalen Organisation. Chinas Präsident Xi Jinping bemerkte im November, dass es für China "durchaus möglich" sei, die Größe seiner Wirtschaft bis 2035 unter seinem Fünfjahresplan zu verdoppeln.

In der Rangliste des CEBR schossen auch andere asiatische Volkswirtschaften nach oben. Japan bliebe demzufolge bis Anfang der 2030er-Jahre die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt und würde dann von Indien überholt und Deutschland vom vierten auf den fünften Platz verdrängen, während Großbritannien ab 2024 auf den sechsten Platz abrutschen würde.

Der Anteil Europas an der Wirtschaftsleistung der zehn größten Volkswirtschaften der Welt lag 2020 bei 19 Prozent. Bis 2035 wird er aber auf 12 Prozent sinken oder sogar noch niedriger ausfallen, sofern es zu einer erbitterten Auseinandersetzung zwischen der EU und Großbritannien kommt, so das CEBR.

Die Auswirkungen der Pandemie auf die Weltwirtschaft würden sich eher in einer höheren Inflation statt langsamerem Wachstum zeigen. "Wir sehen einen Konjunkturzyklus mit steigenden Zinsen in der Mitte der 2020er-Jahre", sagte CEBR. Dies stellt eine Herausforderung für Regierungen dar, die sich massiv verschuldet haben, um ihre Reaktion auf die COVID-19-Krise zu finanzieren.

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