Russland

Militärexperte Bagdassarow: "Das war's. Bald beginnt der Krieg"

Der Militär- und Nahostexperte Semjon Bagdassarow hat im russischen Fernsehen den Krieg mit der Ukraine als "unvermeidbar" bezeichnet. Er forderte, dass Russland sich auf den Krieg vorbereitet. Die Ukraine habe ihre Truppen bereits in Angriffsposition gebracht, Russland hinke aus Rücksicht auf den Westen hinterher.
Militärexperte Bagdassarow: "Das war's. Bald beginnt der Krieg"Quelle: AP © AP Photo

Der russische Politologe, Militär- und Nahostexperte Semjon Bagdassarow ist der Ansicht, dass ein heißer Krieg zwischen Russland und der Ukraine unvermeidbar geworden ist: 

"Das war's, der Krieg kommt",

sagte er in der Sendung Voller Kontakt des Radio- und Fernsehstars und Talkshow-Moderators Wladimir Solowjow. Vermieden werden könne der Krieg nicht mehr, sein Beginn sei nur noch eine Frage der Zeit, resümierte der Experte. Die Ukraine habe ihre Truppen bereits in Angriffsposition gebracht. Die raketenbasierte Artillerie, die Kiew im Donbass auffahren ließ, bedrohe auch die an den Donbass angrenzenden russischen Regionen, einschließlich der Millionenstadt Rostow am Don. 

Bagdassarow ist überzeugt, dass der Donbass unter keinen Umständen aufgegeben werden darf. Russland müsse im Falle eines Angriffs ukrainischer Truppen die Donezker und Lugansker Volksrepubliken (international nicht anerkannt) militärisch unterstützen und zu deren Schutz reguläre Truppenverbände auf deren Gebiet einführen, um eine friedenserzwingende Operation durchzuführen. Nach seiner Ansicht ist es jetzt an der Zeit, sich auf Kampfeinsätze vorzubereiten. Das Leben und die Sicherheit von vier Millionen Menschen würden von einer schnellen Reaktion Russlands abhängen, unterstrich Bagdassarow. 

Er warnte zugleich davor, die ukrainische Armee zu unterschätzen. Es werde für Russland kein "leichter Spaziergang" werden. Die Truppenstärke der ukrainischen Armee inklusive sofort mobilisierbarer Reserven schätzte Bagdassarow auf 400.000 bis 500.000 Mann. 

Der Nahostexperte forderte, die Unabhängigkeit der Volksrepubliken Donezk und Lugansk sofort anzuerkennen und sie gegebenenfalls in den Staatsverband der Russischen Föderation aufzunehmen. In diesem Fall könnten reguläre russische Verbände präventiv im Donbass stationiert werden. Dies sei nach Auffassung des Experten der letzte überhaupt noch in Frage kommende Weg, die Ukraine vom Versuch einer militärischen Unterwerfung der abtrünnigen Gebiete abzuhalten. 

Bagdassarow verlangte weiterhin, dass die Duma (das russische Parlament) den Handel mit der Ukraine unter Strafe stellt. Geldüberweisungen der 3,5 Millionen in Russland arbeitenden Ukrainer in ihren Heimatstaat sollten nach seiner Auffassung ebenfalls unterbunden werden. 

Der Handel zwischen Russland und der Ukraine ist im ersten Halbjahr 2021 um mehr als 8 Prozent gewachsen. Dabei werden aus Russland in die Ukraine auch militärische Ausrüstung, Diesel für militärische Verwendung und strategisch wichtige Rohstoffe geliefert. Das sei mit dem ukrainischen Narrativ, wonach sich die Ukraine seit 2014 im Krieg mit Russland befinde, nicht vereinbar, sei aber nunmehr auch aus Sicht der Interessen Russlands nicht zu vertreten. Es könne nicht sein, dass man mit eigenen Händen ein "russophobes Regime" in der Ukraine am Leben halte und die Armee stärke, gegen die man demnächst mit hoher Wahrscheinlichkeit kämpfen müsse. 

In derselben Sendung sagte der ehemalige israelische Geheimdienstler Yakov Kedmi, dass die Antwort Russlands auf die vom Westen betriebene Eskalation eine gänzlich unerwartete und hocheffektive sein wird. Sie werde, so Kedmi, an einem Ort und zu einer Zeit geschehen, an dem und zu der sie niemand erwartet. Es werde aber, so seine Prognose, erst nach den Olympischen Winterspielen in Peking geschehen. Damit widersprach Kedmi indirekt den Schlussfolgerungen von Semjon Bagdassarow. 

Der 1947 in Moskau geborene Yakov Kedmi erzwang 1969 durch mehrere Briefe an den Obersten Sowjet der UdSSR, an israelische Institutionen sowie an die Zeitung Washington Post seine Ausreise aus der Sowjetunion. In der Folge machte er in Israel eine Militär- und Geheimdienstkarriere. Von 1992 bis 1999 leitete er den Geheimdienst Nativ. Er erlangte einen Dienstrang, der dem eines Generals entspricht. Wegen seiner subversiven Tätigkeit war Kedmi viele Jahre persona non grata in Russland. Nachdem er den Maidan-Umsturz in der Ukraine verurteilt hatte und Sehnsucht nach seiner Geburtsstadt öffentlich bekundete, hob die russische Regierung alle Sanktionen gegen Kedmi auf. Seit 2018 ist der Militär- und Geostrategieexperte regelmäßiger Gast in Talkshows im russischen Fernsehen. Er ist mit dem ebenfalls jüdischstämmigen und bekennenden Wladimir Solowjow persönlich befreundet.  

Semjon Bagdassarow wurde 1954 in der usbekischen Stadt Margilan geboren und ist armenischer Abstammung. Nach einer langjährigen militärischen Karriere, die ihn auch nach Afghanistan geführt hatte, wurde er 1995 im Rang eines Oberst in Reserve versetzt und widmete sich danach einer wissenschaftlichen Laufbahn. Zudem hatte er zeitweise öffentliche Ämter in Ministerien inne und war von 2007 bis 2016 Abgeordneter der Duma für die sozialdemokratische Partei "Gerechtes Russland". Er gilt als einer der führenden Militär- und Nahostexperten sowie als Experte für den postsowjetischen Raum und äußert sich regelmäßig in Publikationen und Fernsehauftritten, wobei er Anhänger einer aktiveren und offensiveren Außenpolitik und ein scharfer Kritiker der prowestlichen Kräfte in Regierung und Präsidialamt ist. 

Mehr zum Thema - Sacharowa: Mit Gerüchten über russische Ukraine-Invasion lenkt der Westen von eigener Zündelei ab

Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.

Liebe Leser und Kommentatoren,

wir schätzen die Möglichkeit sehr, Ihnen mit der Kommentarfunktion eine Plattform zum gegenseitigen Austausch bieten zu können. Leider müssen wir diese Möglichkeit vorübergehend einschränken, bis effektive Mittel und Wege gefunden sind sicherzustellen, dass dieses Kommunikationsmittel nicht missbraucht wird.

Das Kommentieren auf unserer Website soll für alle so sicher und so wenig einschränkend wie möglich sein, bei alledem jedoch Hass, Hetze und Beleidigungen konsequent ausschließen.

Ihr RT DE-Team